Flugzeug zu Metall-Vintage-Look verholfen

Blechhexe wie aus der Pionierzeit der Fliegerei

Schwer begeistert reagierte Eigentümer Harald Rossol (l.) auf Sascha Christians Airbrush-Arbeit an seinem Flugzeug. Die Tragflächen bespannt eine Hamburger Firma neu.
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Schwer begeistert reagierte Eigentümer Harald Rossol (l.) auf Sascha Christians Airbrush-Arbeit an seinem Flugzeug. Die Tragflächen bespannt eine Hamburger Firma neu.

Harpstedt/Hatten – Harald Rossol bekam den Mund nicht zu vor Staunen, als er die neue Lackierung seiner einmotorigen TL 232 Condor erblickte. Was Sascha Christians, Inhaber des seit elf Jahren bestehenden Harpstedter Unternehmens „mini Colors“, in Airbrush-Technik auf seinen Flieger gezaubert hatte, konnte der 58-Jährige kaum fassen. Seit 2016 betreibt Rossol zusammen mit Olaf Lühring den gemeinsam erworbenen Flugplatz Oldenburg-Hatten.

Sein 2001 erbautes – zweisitziges – Flugzeug aus slowenischer Fabrikation mutet nun an, als sei es aus Stahlplatten. Ungezählte Nieten hat Christians filigran mit der Farbsprühpistole nachempfunden – mitsamt Schatten, um einen 3D-Effekt zu erzeugen. Nie war Korrosion so schön: Vermeintliche Rostlöcher entpuppen sich als gesprayte Vintage-Accessoires. Die Beplankung kann gar nicht oxidieren. Sie besteht aus Kunststoff. „Das sehr weiche Material gibt nach“, weiß Christians. Das sei bei der Arbeit die größte Herausforderung gewesen.

Eine Bibi Blocksberg für Erwachsene

Rund 150 Stunden hat der Fahrzeuglackiermeister in den sehr besonderen Auftrag investiert – vom Abschleifen und Abkleben der Zelle über das Grundieren bis zum ausgefeilten Lackaufbau. Der 43-Jährige verwandelte die TL 232 in eine „Tin Witch“, eine „Blechhexe“ mit passendem Schriftzug und einer Art aufgesprühter Bibi Blocksberg für Erwachsene als Eyecatcher. Deren „Besenritte“ finden sich als Strichliste auf der „Karosserie“ wieder. Das Flugzeug sollte ein bisschen an eine Maschine aus der Pionierzeit der Fliegerei mit Pin-up-Girl-Motiv erinnern.

„Ich hätte da noch einen Vorschlag...“

Dabei hatte der Eigentümer im Zuge einer fälligen Generalüberholung eigentlich nur ein langweiliges Weiß in Auftrag gegeben. Sascha Christians lieferte das gewünschte Ergebnis – und meldete sich bei Rossol zurück mit den Worten: „Ich hätte da noch einen Vorschlag...“ Der „mini Colors“-Inhaber wollte sich künstlerisch austoben. Er durfte. Einzige Bedingung: Zu kriegerische oder martialische Züge sollte die rein zivil genutzte „Condor“ nicht annehmen.

Erwartungen übertroffen

Das Ergebnis übertraf die Erwartungen. „Ich habe so etwas noch nie gesehen. Dieses Kunstwerk ist einmalig. Wenn jemand sich unbedarft nähert, muss er wirklich denken, eine Maschine aus Metall vor sich zu haben“, schwärmt Rossol über das – wie er es nennt – neue „Aushängeschild für den Flugplatz Oldenburg-Hatten“. Dort kommt die „Blechhexe“ im Charter- und im Ausbildungsbetrieb sowie zusätzlich als Segelflieger-Schlepper zum Einsatz.

Flugzeuge werden älter. Sie altern aber eigentlich nicht, zumal sie jedes Jahr geprüft werden.“

Harald Rossol

Harald Rossol hat Sascha Christians übrigens nicht zum ersten Mal mit einer Arbeit beauftragt: „Flugzeuge werden älter. Sie altern aber eigentlich nicht, zumal sie jedes Jahr geprüft werden. Was aber altert, sind die Zierteile aus Plastik. Die enthalten Weichmacher und werden irgendwann brüchig. Man sagte mir, es gäbe da jemanden in Harpstedt, der alte Kunststoffteile wieder weich kriegen und toll lackieren kann. Das hat Sascha für mich gemacht. Ein über 50 Jahre altes Teil, das ich ihm damals brachte, sah hinterher aus wie neu“, erinnert sich Rossol.

Sechs Arbeitsschritte für eine Niete

Da lag es nahe, auch bei der nun anstehenden Generalüberholung der TL  232 auf Christians zurückzukommen. Der Airbrush-Spezialist brauchte für die „Tin Witch“ nicht mal Schablonen. „Das machen wir frei Hand“, sagt er. „Nach einer Lackierung in Silber kamen Blau und Schwarz auf den Rumpf. Erst dann ging’s ran ans Motiv. Für die Darstellung einer Niete waren sechs Arbeitsschritte nötig“, erzählt Christians.

Tragflächen werden bespannt

Die Generalüberholung liegt nun in den letzten Zügen. Die Tragflächen bespannt gerade ein Hamburger Fachbetrieb neu. Und die vor den Lackierarbeiten komplett „entkernte“ Zelle für Pilot und Fluggast muss wiederhergestellt werden. Sitze und Armaturen kriegen ihren alten Platz zurück. Ebenso ein schier unglaubliches Rettungssystem. Rossol: „Im Falle eines Falles zieht der Pilot einen Hebel. Daraufhin katapultiert ein Fallschirm heraus. Daran hängt dann das ganze Flugzeug und wird abgebremst, während es sich dem Erdboden nähert.“

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