Messer-Attacke auf Flüchtling findet juristisches Nachspiel

„Ich wollte ihn nicht töten“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Harpstedt/Dünsen/Oldenburg - Seit gestern findet die Messer-Attacke vom 11. August 2015, bei der ein Flüchtling (31) einen anderen Asylsuchenden schwarzafrikanischer Herkunft an der Bushaltestelle gegenüber dem Harpstedter Bahnhof lebensgefährlich verletzt hatte, ein juristisches Nachspiel.

Wegen versuchten Totschlags muss sich der 31-Jährige, der zum Tatzeitpunkt in einer Flüchtlingsunterkunft in Dünsen untergebracht war, vor der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes verantworten. Ihm wird vorgeworfen, einem heute 25-jährigen Schwarzafrikaner mehrmals ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 33 Zentimetern in den Körper gerammt zu haben.

Das Opfer, das im August 2015 in einer Flüchtlingsunterkunft in Kirchseelte wohnte, war lebensgefährlich verletzt worden. Tiefe Stiche hatten den Mann an Wirbelsäule, Oberarm und Oberschenkel schwer verletzt. Nur eine sofortige Notoperation rettete ihm das Leben.

Zeugen hatten damals Zivilcourage bewiesen, sich eingemischt und dadurch wohl noch Schlimmeres verhindert.

Er kenne den 25-Jährigen aus dem Deutschunterricht, ließ der Angeklagte vor Gericht über seinen Anwalt erklären. Mit ihm habe er Geschäfte getätigt, weswegen dieser ihm noch Geld geschuldet habe. Doch der 25-Jährige habe nicht zahlen wollen, sondern stattdessen ihn, den Angeklagten, bedroht. Es habe eine Verabredung gegeben, sich an der Bushaltestelle zu treffen. Aus Angst will der Angeklagte aus seiner Unterkunft ein Messer mitgenommen haben. Der 25-Jährige habe ihn gleich geschlagen – und er selbst die Stichwaffe nur zu seiner Verteidigung eingesetzt. „Ich wollte ihn nicht töten“, beteuerte der Angeklagte.

Seiner Einlassung widersprach gestern aber das Opfer. Von einer Verabredung könne nicht die Rede sein. Der Angeklagte habe ihm auf dem Weg zu einem Supermarkt regelrecht aufgelauert und sofort hinterrücks zugestochen. Nicht er schulde dem Angeklagten Geld, sondern umgekehrt, sagte der 25-Jährige. Hätte er den Angriff geahnt, hätte er sich selbst bewaffnet – mit dieser Aussage verärgerte der junge Mann den Vorsitzenden Richter Sebastian Bührmann. In Deutschland müsse man sich an die Gesetze halten und notfalls die Polizei rufen. Der Richter sprach von dem Gastrecht, das nicht missbraucht werden dürfe.

Im Zusammenhang mit der Äußerung des 25-Jährigen, hinterrücks angegriffen worden zu sein, erteilte der Vorsitzende dann den rechtlichen Hinweis, dass es sich im vorliegenden Fall auch um einen versuchten Mord handeln könnte.

Nach Angaben des Geschädigten soll der Angeklagte nicht – wie bislang angenommen – aus dem Sudan stammen, sondern aus dem Taschad. Der Angeklagte glaubt seinerseits zu wissen, dass der 25-Jährige nicht aus dem Tschad stammt, sondern aus dem Sudan. Er selbst war über das Mittelmeer nach Italien und dann über die Schweiz nach Deutschland gekommen, das Opfer indes über Spanien und Frankreich.

Die Verständigung in dem Verfahren gestaltet sich äußerst schwierig. Der Angeklagte kann weder lesen noch schreiben. Ein Dolmetscher übersetzt und erklärt alles. Das Verfahren wird am 9. Februar fortgesetzt.

wz

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