Menschenkette als sichtbares Zeichen

Protest gegen Freileitung besteht fort

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. Es ist fünf vor zwölf. Das machen Freileitungsgegner, die am Sonntag, 31. Mai, eine Menschenkette in Colnrade bilden, symbolisch deutlich. Nicht von ungefähr treffen sie sich um 11.55 Uhr auf dem Sportplatz am Hoboldsweg. Ole Dauskardt, der die Demo zusammen mit Detmar Bockhorn und Andreas Mikutta in Absprache mit der Interessengemeinschaft „Vorsicht, Hochspannung“ organisiert hat, hofft, dass mindestens 200 bis 250 Menschen teilnehmen, um ihren Protest gegen die drohende 380-kV-Freileitung der Tennet zum Ausdruck zu bringen. „Es dürfen gern auch mehr werden. Platz ist ja genügend da“, sagt er schmunzelnd.

Die Tennet will bekanntlich nur zwei Abschnitte der Trasse Ganderkesee-St. Hülfe erdverkabeln, und die liegen auf Ganderkeseer Gebiet. Wird die Antragstrasse planfestgestellt, so wäre damit für alle Abschnitte in der Samtgemeinde Harpstedt – in den Mitgliedskommunen Prinzhöfte, Winkelsett und Colnrade – der oberirdische Leitungsbau festgeschrieben.

Zwar gibt es eine Alternativtrasse, die weitere unterirdische Teilstücke beinhaltet. Letztere hätten aber nur eine Chance auf Realisierung, wenn die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover als Planfeststellungsbehörde sie anordnete. Und das müsste dann wohl auch auf politischer Ebene, seitens der Landesregierung, gewollt sein. Nach Einschätzung der Tennet könnte die Trasse noch im dritten Quartal 2015 planfestgestellt sein. Vor diesem Hintergrund ist es tatsächlich fünf vor zwölf aus Sicht der Freileitungsgegner – und sicher der richtige Zeitpunkt, noch einmal Druck auf die Entscheidungsträger beim Land auszuüben. Die Menschenkette soll einen Trassenabschnitt nachstellen und die Folgen eines oberirdischen Leitungsverlaufs mit hohen Masten veranschaulichen.

Die Organisatoren sehen nach wie vor die Chance der Realisierung eines innovativen Projektes mit Pilotcharakter. Sie beharren weiter auf einen komplett unterirdischen Leitungsverlauf auf der gut 60 Kilometer langen Trasse – und argumentieren unter anderem damit, dass die raumordnerischen Abstandsvorgaben bei der Antragstrasse punktuell nicht eingehalten würden. In der Gemeinde Colnrade gelte dies für drei Liegenschaften, so Ole Dauskardt gegenüber unserer Zeitung. „Druck können wir nur auf die Politik ausüben. Seitens der Wirtschaft dürfen wir kein Entgegenkommen erwarten. Da gibt es knallharte finanzielle Interessen“, weiß Dauskardt.

Er erhofft sich, dass zahlreiche Betroffene und Sympathisanten am Sonntag dabei sein werden. Dokumentiert werden solle auch, dass der Protest gegen die Freileitung keineswegs tot sei, sondern nach wie vor bestehe, betont Frank Windhorst von der Interessengemeinschaft „Vorsicht, Hochspannung“.

Rubriklistenbild: © dpa

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