Offenlegung der Baupläne empfohlen 

Mehr Wohnraum für Harpstedt

Harpstedt - Von Lea Oetjen. Zahlreiche interessierte Besucher strömten am Montagabend ins Hotel „Zur Wasserburg“ in Harpstedt – allerdings nicht (nur) für ein gemütliches Abendessen: Grund für ihr Erscheinen war die zweite Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses des Fleckens, die zwei heikle Punkte auf der Tagesordnung versprach.

Während die Anwohner sich zu Beginn noch zurückhaltend präsentierten, konnte der Vorsitzende Horst Hackfeld (HBL) die Sitzung nur unter starkem Protest einiger Anwohner schließen – aber dazu später mehr. Die Ausschussmitglieder beschäftigten sich mit zwei Bauleitplanungen des Fleckens. Zum einen die vierte vorhabenbezogene Änderung des Bebauungsplans „Tielingskamp/Waldstraße“ und zum anderen den Bebauungsplan Nr. 55 für das Projekt „Am Großen Wege IV“.

Zunächst zum Acker am Großen Wege: Franziska Lüders vom Oldenburger Büro „plankontor Städtebau“ stellte das Konzept für das vierte Wohngebiet in diesem Bereich vor. „Die Soltauer und die Hannoversche Straße sollen die Anbindung an den Verkehr gewährleisten. Über den Privatweg ,Am Kleinen Wege‘ wird vorerst nur ein Fußgänger- und Fahrradweg gebaut werden“, so Lüders. Auf der etwa zwei Hektar großen Fläche sollen rund 20 Grundstücke im „beschleunigten Verfahren“ entstehen.

Einzig die Grüne zweifelt am Plan

Das Konzept an sich stieß bei den Ratsmitgliedern auf große Zustimmung – lediglich Irene Kolb (Grüne) schien alles andere als begeistert. So erkundigte sie sich, inwieweit die Natur bei einem solchen Vorhaben beachtet wird. „Ein ,beschleunigtes Verfahren‘ bedeutet nicht, dass die Umwelt gar keine Rolle spielt. Es bedeutet nur, dass dieser Bereich aktuell keinen großen Wert für die Landschaft hat und daher keine detaillierte Prüfung vorgenommen werden muss“, erklärte ihr Bauamtsleiter Jens Hüfner und verwies auf eine „Stütze“ des Gesetzgebers. Eine Antwort, die Kolb nicht zufrieden stimmte. Sie forderte Ausgleichsflächen – ohne Erfolg. Hermann Schnakenberg (SPD) besänftigte Kolb jedoch: „Man darf nicht vergessen, dass so auch Gärten geschaffen werden und damit auch Raum für Insekten.“

Im Endeffekt wurde die Offenlegung des Bebauungsplan Nr. 55 einstimmig bei einer Enthaltung (Grüne) empfohlen.

Rotbrauner Klinker Pflicht

Auf der rund 2 .900 Quadratmeter großen, nicht im Gemeindebesitz befindlichen Fläche an der Bassumer Straße sollen zwei Baukörper mit je vier Wohnungen und ein Objekt mit drei Wohneinheiten entstehen. „Ein solcher vorhabenbezogener Bebauungsplan ist für Harpstedt außergewöhnlich. Das Aussehen der Häuser ist damit festgeschrieben“, erklärte Lüders vom Planungsbüro. So seien ein rotbrauner Klinker und ein anthrazitfarbenes Dach Pflicht. Mit dem Vorhaben an sich zeigten sich die Ausschussmitglieder zufrieden. Allerdings sorgten die nur 17 Parkplätze bei elf Wohneinheiten für Diskussionen. So erklärte beispielsweise Kolb, dass bei dem „Harpstedter Nahverkehr ein Auto einfach dringend erforderlich ist“. Nach längerer Diskussion entschied sich der Ausschuss, die Offenlegung zu empfehlen – allerdings unter der Auflage, dass zwei Parkplätze pro Wohneinheit verpflichtet werden sollen. Aber jetzt zum kleinen Höhepunkt der Sitzung: der zweiten Einwohnerfragestunde. Schnell kristallisierte sich heraus, dass wenige Anlieger bei ihren Wortmeldungen eine Frage stellen wollten – vielmehr ging es ihnen darum, ihre Kritik loszuwerden. So äußerte beispielsweise Carmen Raschke, die mit ihrem Ehemann direkt an der Straße ,Am Forst‘ lebt, die Bitte, dass bei den Bauvorhaben an der Bassumer Straße auch ihr und umliegende Grundstücke beachtet werden sollten. „In den Entwürfen sieht es immer unbewohnt aus. Aber wir leben hier und wollen nicht, dass unsere Auffahrt zur Durchfahrt wird.“

Anwohner bemängeln Raserei

Andre Östreich, der mit seinen Kindern und seiner Frau an der Hannoverschen Straße wohnt, war nur einer von vielen, die ihrem Ärger in Sachen Raserei im Wohngebiet Luft machten. „Hier wird jetzt schon kein Schritttempo gefahren. Meine Kinder spielen meist im Garten – aber was passiert, wenn beim Spielen ein Ball auf die Straße rollt und dann ein Raser ankommt?“, fragte er . Der Vorsitzende bat ihn daraufhin, in einem solchen Fall den Kontakt mit dem Raser zu suchen. Anschließend schloss Hackfeld in weiser Voraussicht, dass die Fragestunde schnell zu einer Diskussion ausarten könnte, die Sitzung. Allerdings unter Protest einiger wütender Anwohner...

Rubriklistenbild: © dpa

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