Bauhof: Unterschiedliche Positionen und ein sehr allgemein gehaltener Prüfauftrag

Mehr Stellen, Outsourcing oder Kooperation?

Mehr Effizienz bei weniger hohen Bauhofkosten – wie soll das gehen? An dieser Frage scheiden sich die Geister.
 
 
+
Mehr Effizienz bei weniger hohen Bauhofkosten – wie soll das gehen? An dieser Frage scheiden sich die Geister.  

Harpstedt – Die zuhörenden Mitarbeiter des Bauhofes blieben in der Einwohnerfragestunde stumm. Dass der Samtgemeinderat über ihre Zukunft beriet, dürfte bei ihnen aber ein mulmiges Gefühl zurückgelassen haben. Sie verließen den Koems-Saal kommentarlos, nachdem die Politik eine Effizienzprüfung für den Bauhof gebilligt hatte.

Der SPD-Fraktion schwebte mehr vor: In ihrem Prüfantrag, der keine Mehrheit fand, hatte sie eine Übertragung der Bauhof-Aufgaben auf den Zweckverband KommunalService NordWest als Ziel formuliert.

Zunächst gehe es aber nur um die Klärung der Frage, welche Vor- und Nachteile diese Option hätte, sagte Fraktionssprecher Heinz-Jürgen Greszik im Rat. Womöglich komme dabei ja sogar heraus, dass der Bauhof gut und wirtschaftlich arbeite und gern von den Mitgliedsgemeinden in Anspruch genommen werde. Zwar vermute die SPD „schon fast, dass wir beim KommunalService besser aufgehoben wären“, aber die Vorprüfung sei „das Wichtigste“, betonte Greszik. Der Wunsch nach einer ergebnisoffenen Diskussion klang aus den Reihen der SPD gleich mehrfach an.

Irene Kolb (Grüne) hätte gern eine Auflistung der Berufe, „die auf unserem Bauhof vertreten sind“. Das könne hilfreich für die vergleichende Beurteilung sein. „Es wäre auch schön, die Auflistungen der Geräte und Maschinen noch einmal gegenübergestellt zu haben.“ Zum SPD-Antrag merkte die Ratsfrau an: „Prüfen ist was sehr Kluges“, zumal die Politik nur auf sachgerechten Grundlagen vernünftig entscheiden könne.

„Wir wollen ebenfalls, dass geprüft wird“, bekräftigte Hartmut Post für die CDU. Er verwies auf einen Zusatzantrag seiner Fraktion: „Uns geht es auch um die Stundensätze, die mit den Mitgliedsgemeinden abgerechnet werden. Wir wollen wissen, ob sie wirklich ausreichen oder ob Geld aus der Samtgemeindeumlage dazugegeben werden muss, wenn beispielsweise ein Loch in einer Straße in Dünsen zu flicken ist.“

Der CDU liege zugleich daran, das Thema nach ordentlicher Prüfung wirklich abschließend zu beraten. Es könne nicht sein, dass „alle paar Jahre“ die gleiche Debatte geführt werde. „Das bringt Unruhe unter den Mitarbeitern mit sich.“

Post konnte sich eine weitere Alternative vorstellen, die vielleicht in Betracht käme; die ließe sich in zwei Telefonaten des Samtgemeindebürgermeisters mit seinen Amtskollegen Jens Kuraschinski (Wildeshausen) und Ralf Spille (Dötlingen) sondieren. Post dachte konkret an eine etwaige Kooperation mit den Bauhöfen der Nachbarkommunen. „Vielleicht haben die ja Maschinen, die wir nicht haben – und umgekehrt. Maschinenparks werden immer moderner und teurer. Da muss man überlegen, ob es sich lohnt, für einen Bauhof ein bestimmtes Gerät anzuschaffen.“

Als Output einer Prüfung oder Vorprüfung schwebte Götz Rohde (Grüne) indes „schon ein bisschen mehr“ vor als das Ergebnis zweier Telefonate.

Horst Hackfeld (HBL) nannte die Arbeit des Samtgemeindebauhofes „hervorragend“, trat dafür ein, ihn in seiner jetzigen Form beizubehalten und sah in den Beschäftigten vor Ort ein großes Plus. Er war der Debatten über kommunale Zusammenarbeit offenkundig überdrüssig.

Die meisten Aufträge erledige der Bauhof für die Samtgemeinde, erläuterte Amtshof-Chef Herwig Wöbse. „Wir sind verwaltungsseitig mit Arbeitsleistung, Organisation und Strukturen sehr zufrieden“, pflichtete er Hackfeld bei. Zwar habe es schon mal „suboptimal“ gelaufene Dinge gegeben; in den vergangenen Jahren habe sich der Bauhof aber auch aufgrund einer Strukturveränderung „sehr gut etabliert“. Die Arbeitsabläufe seien „runder geworden“. Es gebe „klare Vorgaben und klare Regeln“. Die im SPD-Antrag enthaltene Behauptung, wonach die im allgemeinen Marktgeschehen übliche Kundenzufriedenheit nicht erreicht werde, konnte Wöbse „für den Auftraggeber Samtgemeinde“ nicht bestätigen. Was die Mitgliedskommunen angehe, so nehme der Flecken den Bauhof besonders stark in Anspruch, auch für die arbeitsintensive Grünbeetpflege (der Anteil der anderen sieben Gemeinden am Auftragsvolumen liege bei unter zehn Prozent). „Aus Harpstedt habe ich aber keine großen Unzufriedenheiten wahrgenommen“, sagte Wöbse.

Kritik gebe es bestenfalls, wenn ein Auftrag etwas länger liegen bleibe, weil wichtigere vorrangig abgearbeitet würden. „Darauf haben wir in der Vergangenheit reagiert und den Stellenplan um eine Stelle erweitert“, erläuterte Wöbse. Wiederholt seien auch Krankheitsvertretungen eingestellt worden. Die zu leistende Arbeit habe insgesamt zugenommen.

Der Standpunkt des Verwaltungschefs: Wenn die Politik einen (noch) leistungsfähigeren Bauhof wünscht, müsste sie den Stellenplan entsprechend erweitern. Und wenn die Verwaltung prüfen soll, dann seien die Prüfinhalte klar zu benennen. Die Abgabe der Bauhof-Aufgaben sei schließlich etwas anderes als interkommunale Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“. Wöbse weiter: Sei eine „ausführliche Vorprüfung“ gewünscht, „werden wir nach meiner Einschätzung nicht genügend Personalkapazitäten im eigenen Haus haben“; die Samtgemeinde müsste folglich „wohl auf ein Beratungsunternehmen zurückgreifen“.

Dass der SPD-Antrag auch vor dem Hintergrund der prekärer werdenden Haushaltslage zu sehen ist, brachte Saskia Kamp (SPD) zum Ausdruck: „Wir müssen nicht nur schauen, was wir uns leisten wollen, sondern auch, was wir uns noch dauerhaft leisten können.“ Der Rat habe den Antrag zum Bauhof im Übrigen erst zum zweiten Mal auf dem Tisch. „Ich möchte allen hier Mut machen, die Dinge diesmal auszudiskutieren.“ Das sei in der früheren Beratung eben gerade nicht geschehen.

Wichtig sei die Prüfung, welche Leistungsstärke der Bauhof habe und welche in der Samtgemeinde gebraucht werde. Kamp: „Das heißt: Welche Aufgaben kommen jedes Jahr auf die Liste und müssen abgearbeitet werden? An welchen Stellen können wir sie gut erfüllen, und wo geben wir sie ab an andere?“ In Richtung Mitarbeiter beteuerte die Ratsfrau: „Wir haben überhaupt nicht die Idee, dass Stellen verloren gehen.“ Wenn die Samtgemeinde eine Übertragung an den KommunalService anstrebe, dann müsse die Stoßrichtung sein, alle Bauhofbediensteten weiter zu den bisherigen Konditionen zu beschäftigen.

Der Rat befürwortete – wie berichtet – eine Prüfung der Bauhof-Effizienz auf Antrag von Marko Kleinert (CDU). Ob die Verwaltung mit diesem allgemein gehaltenen, eher unscharf umrissenen Auftrag etwas anfangen kann, bleibt nun abzuwarten.

Von Jürgen Bohlken

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Hefezopf und Rüblikuchen: So wird Ostern richtig fluffig

Hefezopf und Rüblikuchen: So wird Ostern richtig fluffig

Meistgelesene Artikel

Ex-Werkvertragsarbeiter suchen Wohnraum

Ex-Werkvertragsarbeiter suchen Wohnraum

Ex-Werkvertragsarbeiter suchen Wohnraum
Asphalt-Rowdys in Oldenburg: Illegales Autorennen endet mit Unfall

Asphalt-Rowdys in Oldenburg: Illegales Autorennen endet mit Unfall

Asphalt-Rowdys in Oldenburg: Illegales Autorennen endet mit Unfall

Kommentare