Franz Robert Czieslik freut sich auf den Poetry Slam in seinem Skulpturenpark

„Marlene wird das Ding rocken“

Mit ihren 79 Jahren gilt sie als Deutschlands älteste Poetry-Slammerin: Marlene Stamerjohanns aus Wilhelmshaven. - Foto: Peter Schrade

Gross Ippener - Von Jürgen Bohlken. Das gab’s im Harpstedter Raum noch nie: Der Poetry Slam, mit dem der Bildhauer und Satiriker Franz Robert Czieslik am Sonntag, 14. August, ab 15 Uhr in seinem Skulpturenpark in Groß Ippener aufwartet, ist samtgemeindeweit der erste Dichterwettstreit dieser Art. Rund ein Dutzend Autoren schicken sich dann an, mit dem Vortrag von Texten aus eigener Feder beim Publikum zu punkten. Die Zuhörer wiederum schlüpfen in die Rolle der Juroren. Ein Thema gibt Czieslik, der zusammen mit Joshka Kuty aus Bremen moderiert, nicht vor.

Poesie und Performance kommen beim Poetry Slam zusammen. Wer in der Szene Erfolg haben will, muss nicht nur originell und unorthodox schreiben, sondern die eigenen Texte auch so lebendig, authentisch und mit passender Mimik und Gestik präsentieren, dass sie die Zuhörer in den Bann ziehen.

Für Franz Robert Czieslik, der selbst als Franz Zehnbier „slammt“, liegt der Reiz vor allem darin, sich mit der deutschen Sprache zu beschäftigen und mit ihren Möglichkeiten zu spielen. Die deutschsprachige Poetry-Slam-Szene gilt mittlerweile als die weltweit zweitgrößte.

Die „Dichterschlacht“ entfaltet ihre Magnetwirkung auf alle Generationen. „Ich erlebe es immer wieder, dass sich 16- oder sogar schon 14-Jährige vor ein paar 100 Leuten auf die Bühne stellen“, erzählt Czieslik. Er selbst kam fast dazu wie die redensartliche Jungfrau zum Kind.

„Ich war neugierig darauf, als ich mir vor drei Jahren in Oldenburg eigentlich nur einen Open-Air-Slam anschauen wollte. Ich hatte allerdings einen eigenen Text dabei und bin dann sozusagen regelrecht auf die Bühne geschubst worden“, erinnert sich der 50-Jährige an ein Schlüsselerlebnis. Mittlerweile kennt er viele andere Slammer persönlich.

Das Publikum ist die große Unbekannte

„Das Publikum ist von Abend zu Abend sehr verschieden“, weiß er. Es lasse sich nie prognostizieren, welcher Wettbewerber oder Text gut ankomme oder gar nicht. Selbst ein Slammer, der in einer Brauerei über das Reinheitsgebot sinnierte, hätte den Sieg damit noch keineswegs in der Tasche, meint Czieslik schmunzelnd. Ihm selbst gehe es nicht in erster Linie ums Gewinnen, sondern darum, Botschaften zu transportieren.

Als Kunstfigur Franz Zehnbier begibt er sich gern auf politisches Terrain, aber genauso oft führen ihn die literarischen Pfade, auf denen er wandelt, nach Absurdistan. Dann treibt ihn das Verlangen um, über den alltäglichen Wahnsinn zu philosophieren und Aberwitziges satirisch zu überhöhen. Sein Anliegen: „Ich will den Mitmenschen und der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.“ Seinen bislang „tollsten“ Poetry Slam erlebte Czieslik nach eigenem Bekunden im ausverkauften „Pumpwerk“ in Wilhelmshaven.

„Vor rund 400 Zuhörern sind die Wettbewerber auf die Bühne getreten. Annika Blanke war mit dabei. Die Oldenburgerin nimmt unter den Slammern in Niedersachsen eine absolute Spitzenstellung ein. Das Publikum hat die Debütanten aber genauso gefeiert wie sie“, erinnert sich der Bildhauer und Satiriker.

Ein Kuriosum erlebte er in Ostwestfalen. Nur vier Slammer mischten aufgrund diverser kurzfristiger Absagen mit. Am Ende aber gab es zwei Sieger und zwei zweite Plätze. „Die Leute haben sich von allen fast gleich gut unterhalten gefühlt“, entsinnt sich der 50-Jährige.

Manche Poeten lesen vom Blatt ab; andere tragen frei vor. Franz Zehnbier alias Franz Robert Czieslik gesteht ein, dass ihm der Zettel in der Hand ein Stück weit Sicherheit gebe. In den Wettbewerben habe er nämlich grundsätzlich Lampenfieber. Gestalte er hingegen eine eigene Lesung, sei er zumeist „ganz locker“.

In der Poetry-Szene fühlt sich Czieslik ausgesprochen wohl. „Wer neu dazu stößt, erfährt ganz viel Sympathie. Jeder profitiert von dem Austausch unterein-ander. Die Slammer lernen sich nicht nur kennen, sondern auch schätzen“, sagt er. Komme ein Beitrag mal nicht so gut an, reagierten die anderen Wettbewerber, denen das im Normalfall eben auch schon passiert sei, für gewöhnlich mit Verständnis, Aufmunterung und Trost. Müsse einer auf die Bühne, werde er freundschaftlich von seinem Vorgänger „abgeklatscht“ – wie auf dem Fußballplatz bei der Auswechslung eines Spielers.

Für den eigenen Slam, den Czieslik organisiert, hat er das „Line up“ schon so gut wie komplett. Als Teilnehmer erwartet er Hauke Schradde (Delmenhorst), Klaus K. Urban (Hannover), Sven Ludewig, Eberhard Kleinschmidt (Braunschweig), Jana Streich (Bremen), Eva Matz (Bremen), Conni Fauck (Rotenburg) „Kizuki“ (Braunschweig), Stefan Jaschek (Delmenhorst), „Credo“ und Regina Rode. Hinzu gesellt sich Marlene Stamerjohanns als „Special Guest“. Die 79-Jährige aus Wilhelmshaven gilt als Deutschlands älteste Slammerin. Sie startet außer Konkurrenz. Czieslik ist überzeugt: „Sie wird das Ding rocken.“

Der Poetry Slam fällt bei schlechtem Wetter übrigens nicht aus. Regnet es, verlagert sich das Geschehen in die „Schün Rustika“ des Gasthauses Wülfers, das ohnehin den gastronomischen Part übernimmt. Die Eintrittskarte wird fünf Euro kosten. Ein Vorverkauf ist geplant und soll etwa zehn Tage vor dem Termin anlaufen.

Die Tickets werden in Harpstedt bei Papierwaren Beuke und im Bücherlädchen zu bekommen sein.

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