Marktbesuch aus Familiensicht: Stau im Stöberparadies

Wohin nur mit all‘ den Schnäppchen?

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Am Vormittag herrscht am Hökermarkttag schon dichtes Gedränge in Colnrades Straßen – mehr als 20 000 Schnäppchenjäger pilgern jedes Jahr in das 900-Seelen-Dorf.

Colnrade - Von Anja Nosthoff. Wer noch nie auf dem Hökermarkt in Colnrade war, der verpasst vielleicht das Geschäft seines Lebens. Das gilt für Beschicker und Besucher. Nicht umsonst pilgern schließlich jedes Jahr am 3.Oktober mehr als 20000 Schnäppchenjäger in das 900-Seelen-Dorf, in dem rund 400 bunt gemischte Standbetreiber ihre Flohmarktwaren feil bieten.

Bereits ein Jahr im Voraus sind stets schon die begehrten Standplätze vergeben, denn unter den Händlern geht das Sprichwort um: „Wenn du hier nichts verkaufst, dann schaffst du es auch sonst nirgends.“

So mischten also auch wir uns unter die Schnäppchenjäger, und das mit „Kind und Kegel“ – will heißen mit Kleinkind und Baby. Damit waren wir in guter Gesellschaft: Inmitten der Stöberstände stieß man auf staunende Kinderaugen, wo man ging und stand. So manch ein Buggy oder Kinderwagen erwies sich als praktisches Transportmittel für ergatterte Schnäppchen. Wer von den Stöpseln kein Gefährt unter sich hatte, der blieb besser an Mamas oder Papas Hand: Bereits am späten Vormittag drängten sich so viele Menschen in Colnrades Straßen, dass man sich nur allzu leicht aus den Augen verlor.

Erster Blickfang war der große Kran, der wieder und wieder eine Gondel voller Marktbesucher hoch über die Dächer von Colnrade zog, von wo die Schwindelfreien den Ausblick auf das rege Flohmarkttreiben unter ihnen genossen. Das Dorf zur Hökermarkt-Stoßzeit muss von der luftigen Höhe aus gesehen Ähnlichkeit mit einem Ameisenhaufen haben. Mit dem Beobachten des Kranfahrers und des steten Weges der Gondel von unten nach oben und wieder zurück hätte unser Dreijähriger sich stundenlang beschäftigen können. Da uns jedoch längst das Flohmarktfieber gepackt hatte, zog es uns erst einmal weiter – vorbei an Trödel, Antiquitäten, Kleidung, Werkzeug und Massen an Kinderspielzeug.

Aber auch Pflanzenverkäufer, ein Obststand, Imbiss- und Getränkestände, Spider-Trampoline und Kinderkarussells luden zu botanischen, kulinarischen Genüssen oder zum Austoben ein.

Nachwuchstalente

und Hökerprofis

Passend zur Jahreszeit verbreiteten an vielen Ecken leuchtend orange Kürbisse schon etwas Halloween-Feeling. Wer Fisch liebt, der musste trotz langer Schlange am Stand des Colnrader Fischereivereins halten, um sich mit Huntefischfrikadellen oder Räucherforellen einzudecken.

Ebenso viel Spaß wie das Stöbern machte das Zuschauen beim Feilschen. Ein junges Mädchen, das gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Brüdern den Familienstand betreute, erwies sich als echtes Nachwuchstalent unter den Hökerprofis. Ihr Mund schien nicht mehr still stehen zu wollen, sie pries mit Feuereifer ihre Waren an. Auch als eine Schnäppchenjägerin ihr bereits längst das Ja-Wort gegeben hatte, zählte sie noch die vielen Vorteile der schicken Ledertasche auf, die kurz darauf die Besitzerin wechselte.

Während wir mit guten Vorsätzen und einem Einkaufszettel voller praktischer Kinderkleidung im Kopf gekommen waren, erfuhren wir auf dem Hökermarkt bald, was wir wirklich brauchten. Denn wer kann schon darauf verzichten, sich einen kleinen Kindheitstraum zu erfüllen, wenn er einem vom Flohmarktstand entgegen leuchtet? Jedenfalls merkten wir schnell, dass das Leben ohne den bunten Diabolo und den glitzernden Jonglierteller kaum noch Sinn machen würde. Nach kurzer, gutwilliger, allerdings nicht ganz gelungener Artistikvorführung der Standbetreiberin wanderte das erste Geld aus unserem Portemonnaie und das Zirkusspielzeug in unsere Einkaufstasche.

Klar, dass unser Großer an mindestens jedem zweiten Stand etwas fand, was er wohl hätte gebrauchen können. Anfassen und ausprobieren war zum Glück eigentlich überall erlaubt – einige Standbetreiber erwiesen sich sogar als besonders kinderfreundlich und hatten regelrechte Spielteppiche für den Schnäppchenjägernachwuchs eingerichtet.

Je näher es auf die Mittagszeit zuging, desto enger wurde es zwischen den Ständen. Während einige Marktbesucher ihren Unmut darüber lautstark kundtaten, ließen andere sich durch die Menschenmassen nicht die Laune verderben. Zurück zum Parkplatz ging es dann eben im Stop-and-Go-Trödeltempo. Dort warteten übrigens noch zwei der größten Hökermarkt-Herausforderungen auf die erfolgreichen und vollbepackten Schnäppchenjäger. Hatte man sein Auto erst einmal wiedergefunden – nun wissen wir, welche Vorteile die eigens eingerichteten Shuttle-Busse haben – galt es noch, die ergatterten Schnäppchen mitsamt Kind und Kegel auch darin zu verstauen.

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