Malteser-Interviewserie

Stefanie Rodowski: „Herzinfarkte legen in der Pandemie keine Pause ein“

Sie lehrt nicht nur selbst Erste Hilfe, sondern koordiniert auch die Kurse: Stefanie Rodowski.
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Sie lehrt nicht nur selbst Erste Hilfe, sondern koordiniert auch die Kurse: Stefanie Rodowski.

Harpstedt – Schon seit ihrem 14. Lebensjahr hält Stefanie Rodowski den Maltesern in Harpstedt die Treue. Mittlerweile ist sie 27, arbeitet hauptamtlich als Rettungssanitäterin auf der Rettungswache an der Freistraße – und ist, wie sie sagt, „fix zur Stelle, wenn die Bürger die 112 wählen“. Ehrenamtlich fungiert sie zusätzlich im Bereich der Ersten Hilfe als „Leiterin Ausbildung“, verrät sie im Interview.

Frage: Wie bist du, Stefanie, darauf gekommen, Ausbilderin zu werden?

Stefanie Rodowski: Ganz klassisch. Über den Schulsanitätsdienst, kurz: SSD. Der lief damals übrigens noch als AG, und zwar unter der Leitung von Christian Brand – immer mittwochs in der siebten Stunde. Gern erinnere ich mich an diese Zeit zurück. Für mich war schon sehr früh klar, dass ich etwas mit Erster Hilfe und Rettungsdienst machen möchte. An der damaligen Haupt- und Realschule Harpstedt gab es eben diese Arbeitsgemeinschaft, die den Grundstein dafür legen sollte. Vom SSD ging es ohne Umwege in die Malteser-Jugend und dann ins Ehrenamt. Als Einsatzsanitäterin war ich auf Festivals oder im Weserstadion, um dort Sanitätsdienst zu leisten. Irgendwann sprach mich Sven Strahlendorff an, ob ich nicht Lust hätte, Erste-Hilfe-Ausbilderin zu werden. Gesagt, getan.

Frage: Was macht dir an dieser Aufgabe Spaß?

Stefanie Rodowski: Mein Wissen und meine Erfahrungen an die Teilnehmer weiterzugeben und zu wissen, dass sie gut geschult zurück in ihren Alltag gehen. Man steht im stetigen Austausch und lernt übrigens als Ausbilderin auch viel von den Teilnehmenden.

Frage: Welche Hürden gibt es aktuell – coronabedingt?

Stefanie Rodowski: Bei uns in Harpstedt findet zur Zeit leider gar keine Erste-Hilfe-Ausbildung statt. Die Gesundheit und das Wohl aller stehen klar im Fokus.

Frage: Was bedeutet Erste Hilfe für dich?

Stefanie Rodowski: Dass jemandem in einer schwierigen oder gar lebensbedrohlichen Lage geholfen wird. Das kann vom einfachen Trösten bis hin zur Reanimation wirklich alles sein. Man muss sich bewusst machen, dass es auch in der Coronazeit noch die „ganz normalen Notfälle“ gibt. Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Verkehrsunfälle legen in der Pandemie keine Pause ein. Sie bleiben alltäglich. Wichtig zu wissen: Man macht nur etwas falsch, wenn man nichts macht. Hinschauen, aktiv helfen – das ist das Stichwort.

Frage: Jeder sollte in Erster Hilfe geschult sein?

Stefanie Rodowski: Ja. Unbedingt einen Kurs besuchen und regelmäßig auffrischen! Nur so schwinden Berührungsängste, und Erlerntes wird immer wieder vertieft. Im Grunde bleiben die Maßnahmen gleich; sie werden aber im Laufe der Zeit oft vereinfacht – und sind damit auch einfacher für den Teilnehmer umsetzbar.

Frage: Wie stehen Familie und Freunde zu deiner Aufgabe?

Stefanie Rodowski: Sie sind stolz auf mich und greifen sogar auf meine Kenntnisse und Fähigkeiten zurück. Das wiederum macht mich sehr glücklich.

Frage: Gab es schon kuriose Ereignisse im Kurs?

Stefanie Rodowski: Etwas wirklich Merkwürdiges ist da noch nicht passiert. Die Teilnehmer aber machen auf ihre Weise jeden Erste-Hilfe-Kurs einzigartig.

Frage: Wer nimmt für gewöhnlich teil?

Stefanie Rodowski: Zumeist Führerscheinanfänger. Wir bieten aber auch Kurse für Firmen an, die dann von der jeweiligen Berufsgenossenschaft getragen werden. Dazu kommen regelmäßig Kindernotfall-Kurse. Dort sitzen Erzieher oder werdende Eltern. Man kann sagen: Insgesamt ist vom Teenager bis zum Rentner alles vertreten.

Frage: Sind dir außergewöhnliche Teilnehmer im Gedächtnis geblieben?

Stefanie Rodowski: Ich erinnere mich an eine tolle Rentnergruppe aus Harpstedt und umzu, die mal wieder Lust auf einen Erste-Hilfe-Lehrgang hatte. Die Damen und Herren hatten den letzten Kurs in den 1970er-Jahren absolviert und waren total begeistert, was es seither alles „Neues“ gibt. Das beste Beispiel dafür ist der AED, der automatisierte externe Defibrillator.

Frage: Nimmst du weitere Aufgaben innerhalb der Malteser-Gliederung wahr?

Stefanie Rodowski: Ja. Neben der regulären Erste-Hilfe-Ausbildung bin ich als Ausbildungsleiterin tätig. Das Koordinieren der Kurse und der Ausbilder sind da die Hauptaufgaben.

Frage: Wünsche für die Zukunft?

Stefanie Rodowski: Ich wünsche mir, dass sich mehr Leute ein Herz fassen und den Schritt ins Ehrenamt wagen. Das lässt sich – zumindest nach meiner Erfahrung – auch mit Familie und Beruf verbinden.

Frage: Und trotzdem bleibt Freizeit übrig?

Stefanie Rodowski: Ja, ich kann auch noch anderen Interessen nachgehen. In meiner Freizeit bin ich im Kanuverein aktiv und regelmäßig mit dem Kajak auf der Weser unterwegs. Außerdem fahre ich viel Rad und treibe Kraftsport. Die Fotografie ist eine weitere Leidenschaft.

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