Männer erhalten alten Brauch

Am Neujahrstag klingeln in Austen die Teufelsgeiger

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Gut gelaunt: Die Männer der Dorfgemeinschaft Austen machten sich am Dienstag auf den Weg.

Austen – Wie alt der Brauch genau ist, kann in der Runde keiner sagen. Wie er einmal entstanden ist, auch nicht. Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Beim traditionellen Neujahrssingen in Austen geht es um Gemeinsinn und gute Laune. Und das haben 15 Männer aus dem kleinen Ort bei Colnrade am Dienstag unter Beweis gestellt.

„Das gab es schon nach dem Ersten Weltkrieg“, sagt Helmut Schröder. Der Senior ist nun seit rund 45 Jahre mit dabei, wenn die männlichen Einwohner von Haus zu Haus ziehen und den Bewohnern jeweils ein frohes neues Jahr wünschen. Dazu singen sie das Austener Neujahrslied und „spielen“ auf der Teufelsgeige, einer Art großen Rassel. Falls sich noch andere Musikanten finden, dürfen sie gerne dazu beitragen. In diesem Jahr bereichert ein Akkordeon das Orchester. Danach werden die Sänger zu einem Bier und einen Korn eingeladen – mit Ausnahme beim ersten und letzten Haus, das die Gruppe ansteuert.

Denn begonnen wird der Tag stets bei Kaffee und Kuchen, beendet bei etwas Deftigem, Suppe oder Broten etwa. Die Gruppe findet sich ganz ungezwungen zusammen. „Wir treffen uns immer um halb drei an der Bushaltestelle“, erläutert Burghard Otto. Frauen sind bisher nicht zugelassen. Das „erste Haus“ in der Besuchsreihe wechselt von Jahr zu Jahr. Diesmal sind Inge und Manfred Hense die Gastgeber. Nach der scheppernden Darbietung laden sie die Sänger in einen schön hergerichteten Anbau ein. Dort warten bereits Torten, Kuchen und Kaffee auf sie. Das Besondere an dieser Station: Direkt an ihr Haus haben Henses Tochter Ilona Pfänder und ihr Schwiegersohn Kai angebaut – und diese sind somit die Nummer zwei auf der Liste der 14 Häuser des Ortes. Beide teilen sich den Anbau, in dem die Neujahrssänger nun sitzen.

Inge und Manfred Hense (rechtes Foto) begrüßten die Sänger herzlich.

Nach einem weiteren Lied – die Gastgeberin darf sich als Gegenleistung für die freundliche Bewirtung eine Nummer aus der eigens erstellten Austener Liederfibel aussuchen – kommt der Wunsch nach einem ersten Bier auf. Doch, so will es die Tradition, das gibt es frühestens an der zweiten Station. Also begeben sich die Sänger kurzerhand noch einmal wenige Schritte „weiter“, sprich: vor die Tür. Dort singen sie abermals das Neujahrslied, nun aber für die Pfänders.

„Beim ersten Mal ist es am schwierigsten, doch das wird mit jedem Mal besser“, weiß Schröder zu berichten und lacht. Und daher hat natürlich auch niemand die drei Strophen geübt. Damit es beim Aufwärmen nicht zu gemütlich wird, hat stets einer aus der Gruppe eine Pfeife dabei: Nach einem Signalton macht sich der Neujahrschor flugs wieder auf den Weg. Denn immerhin ist die Runde durch Austen lang. Rund sechs Kilometer liegen vor ihnen – und noch ein Dutzend Einkehrstationen. In Colnrade wird der Brauch ebenfalls gepflegt. Beide stünden aber in keinem Zusammenhang, sagt Schröder. „Außerdem haben die nur eine Strophe“, weiß der Rentner. Das Austener Lied hat deren drei. „Heil, Heil der Nachbarschaft, in treuer Bruderschaft, seid froh und eins“, heißt es da.

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