Startrompeter setzt nur wenige Glanzpunkte

Güttler lässt teils irritiertes Publikum zurück

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Eine gewisse Publikumsferne lag in der Natur der Dinge. Thomas Irmen, Martin Strohhäcker und Ludwig Güttler (v.l.) mussten zwingend auf der Empore spielen, weil die Kirchenorgel nun mal kein mobiles Instrument ist. Für viele Zuhörer blieben sie daher bis kurz vor Schluss weitgehend unsichtbar.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. In der Chemie zwischen Maestro und Auditorium lag einiges im Argen. Darüber konnten am Mittwochabend selbst tosender Beifall und Fußgetrampel am Ende des Meisterkonzertes in der Harpstedter Christuskirche nicht hinwegtäuschen. Ludwig Güttler, Trompeter und Hornist von internationalem Rang, ließ ein zumindest in Teilen irritiertes Publikum zurück. Das offenbarte sich hinterher in Reaktionen.

Kein persönliches Wort zur Begrüßung und zum Abschied, keine einleitende Erläuterung zur Auswahl der Werke von Barock bis Romantik, stattdessen zwischenzeitlich die freundliche, aber bestimmte Bitte an die rund 120 Zuhörer, sich den Applaus im Interesse des Spannungsbogens und der Konzertdramaturgie doch bis ganz zum Schluss aufzusparen: Der mit Preisen überhäufte und für sein Engagement als Motor des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche zu Recht gerühmte und geehrte Ludwig Güttler ließ nicht die Spur von Nähe zu.

Mit seiner Unnahbarkeit und seinem streng traditionellen Verständnis, wie Alte Musik zu transportieren sei, eckte der 75-jährige Künstler im beschaulichen Harpstedt an. Das Klatschen zweier Hände an der falschen Stelle quittierte er mit den Worten: „Wir spielen das noch zu Ende.“ An der Frage, ob hier Humor durchblitzte, schieden sich die Geister.

Hinzu kam: Güttler gestand sich selbst vergleichsweise wenig Anteil am Programm zu, das er mit Martin Strohhäcker (Orgel) und Thomas Irmen (Trompete, Corno da Caccia) darbot – zu wenig, um seine ganze Brillanz und Klasse zur Geltung bringen zu können. Wirklich kraftvoll strahlend entfaltete sich sein Spiel allerdings im Konzert für zwei Corni da Caccia und Orgel von Johann David Heinichen (1683–1729) sowie im Konzert D-Dur für zwei Trompeten und Orgel von Henry Purcell. Erhabene Momente voller Harmonie zwischen den beiden Blechbläsern trugen das Konzert – streckenweise. Sie blieben zu selten.

Thomas Irmen erwies sich an diesem Abend indes in der Phrasierung als ein Güttler absolut ebenbürtiger Solist. Und Martin Strohhäcker? Bei ihm folgte Licht auf Schatten. Zu Beginn, in Präludium und Fuge fis-Moll von Dietrich Buxtehude, sowie in der nachfolgenden Sonata c-moll für Trompete und Orgel von Jean Baptiste Loeillet (1680–1730) haderte er geradezu mit der Führerorgel in der Christuskirche, und sogar vereinzelte hörbare Misstöne ließen sich vernehmen. Strohhäcker schien, so der erste Eindruck, Friedrich Kircheis, den er an den Manualen vertrat, nicht das Wasser reichen zu können. Doch dann die überraschend virtuose Wendung: Das Allegro maestoso aus der Sonate D-Dur für Orgel (op. 65 Nr. 5) von Felix Mendelssohn-Bartholdy kam imponierend majestätisch daher. Hier und auch in anderen Passagen setzte Strohhäcker dicke Ausrufezeichen.

Nach anderthalb Stunden und einer Mini-Zugabe endete ein Güttler-Konzert, in dem, etwas lapidar ausgedrückt, „zu wenig Güttler drin war“ – bei zu viel Distanz zum Publikum. Ein gewisser Abstand lag allerdings wegen fehlenden Sichtkontaktes schon in der Natur der Dinge: Der Konzertgenuss blieb zumindest für die Zuhörer, die unten saßen, ein rein akustischer, zumal der Organist – und mit ihm auch „das Blech“ – zwingend auf der Empore spielen mussten.

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