Bürger sollen am 9. März urteilen / Ziel ist ein Zukunftsfahrplan für die Samtgemeinde

Wo liegen Dünsens Stärken und Schwächen?

Vorreiter: Als erster Gastgeber der Initiative „Unser Dorf – unsere Zukunft“ fungiert Dünsens Bürgermeister Hartmut Post. Er hofft auf ein volles Haus. Foto: Boh

Dünsen – Was macht mein Dorf lebenswert? Wo hat es ausbaufähiges Potenzial? Was fehlt und wo sind Defizite? Die Chance, an der Erarbeitung eines Wegweisers für die Zukunft ihrer Wohngemeinde aktiv teilzuhaben, bekommen die Dünsener am Montag, 9. März. Während einer um 19 Uhr im „Landhaus Dünsen“ beginnenden Bürgerversammlung sollen sie die Stärken und Schwächen ihres Dorfs konkret benennen. Die einzelnen Punkte werden dann den Rubriken Infrastruktur, Umwelt/Natur/natürliche Ressourcen, Verkehr/Mobilität, Gastgewerbe/Handel/Handwerk, Tourismus/Sehenswürdigkeiten, Kultur/regionale Identität, Sport/Bewegung/Gesundheit, Bildung/Soziales sowie Management/Marketing zugeordnet.

Unter dem Motto „Unser Dorf – unsere Zukunft“ ist allerdings keine Diskussion geplant. Vielmehr sollen die Einwohner in einem Ideenrunde ihre Sichtweise zu der Frage kundtun, was sie an Dünsen schätzen und wo sie Handlungsbedarf sehen. Die Stärken und Schwächen werden verschlagwortet, an Wände gepinnt, dies wiederum abfotografiert und online gestellt. Per E-Mail besteht im weiteren Verlauf für die Bürger die Chance, Ergänzungen vorzunehmen.

Die Aktion soll in allen Kommunen laufen

Diese Bestandsaufnahme bleibt aber nicht auf Dünsen beschränkt. Entsprechende Analysen des dörflichen Ist-Zustands folgen, so zumindest der Plan, nach und nach auch in den anderen sieben Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Harpstedt. In einem zweiten Schritt könnten in weiteren Bürgerversammlungen oder Arbeitskreisen auf Basis der herausgearbeiteten Ergebnisse Maßnahmenkataloge entwickelt und die einzelnen Vorhaben nach Notwendigkeit sowie zeitlichem und monetärem Realisierungsaufwand eingestuft werden. Gelingt das, käme als Ergebnis ein „Fahrplan“ heraus, der Kommunalpolitikern, lokaler Wirtschaft und Vereinen einen gangbaren Weg in die dörfliche Zukunft aufzeigt. Wobei es bei der Abarbeitung dieses „Wegweisers“ natürlich Sinn ergeben würde, die dringlichen Vorhaben, die sich ohne großen Aufwand realisieren ließen, zuerst anzugehen.

Der Flecken Harpstedt hat einen solchen Prozess vor Jahren schon einmal angeschoben und in Kooperation mit der Volkshochschule ein Leitbild entwickelt. Diese Aktion habe sich aber, bedauert Frank Müller, in einer Ideensammlung erschöpft. Der 56-Jährige will mehr. Er sieht auch die Chance, Kräfte zu bündeln, statt jeweils „sein eigenes Süppchen zu kochen“. Er wünscht sich, dass es gelingen möge, die Samtgemeinde mit zukunftsfähigen Maßnahmen und Events besser zu vermarkten. Obendrein trügen Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger nach Überzeugung des Unternehmers dazu bei, der Politikverdrossenheit etwas entgegenzusetzen.

Mit der Aktiven Werbegemeinschaft, der Müller vorsitzt, habe die Initiative „Unser Dorf – unsere Zukunft“ nichts zu tun, betont der Harpstedter. Ein Zusammenhang bestünde schon eher mit seinem Zweitwohnsitz in Carolinensiel (Landkreis Wittmund). Dort trug Müller in der Arbeitsgruppe „Verkehr und Mobilität“ zur Entwicklung eines Leitbilds unter Federführung des Experten Enno Schmoll aus Wilhelmshaven bei. Der Harpstedter staunte nicht schlecht über die vielen Projekte, die bis heute in die Tat umgesetzt worden sind, oft mithilfe von spontaner ehrenamtlicher Unterstützung. „Das hat mich sehr beeindruckt.“

Müller überzeugte Politik und Verwaltung

Das Carolinensieler Erfolgsmodell zumindest im Ansatz auf die Samtgemeinde zu übertragen, lag für ihn nahe. Seine Überzeugung: „Wenn die Verantwortlichen in jedem Dorf mitziehen, kann dabei etwas Gutes herauskommen.“ Zunächst hatte Müller die Fraktionen des Fleckenrats und die Verwaltung im Amtshof mit seinem Anliegen konfrontiert, später dann die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden. Zu denen, die von Anfang an zustimmend bis euphorisch reagiert hätten, zählten der Erste Samtgemeinderat Ingo Fichter („Er gehört zu den treibenden Kräften und brennt für die Sache“) sowie die Bürgermeister Hartmut Post (Dünsen), Klaus Stark (Kirchseelte) und Willi Beneke (Winkelsett). Mittlerweile begrüßten Repräsentanten anderer Mitgliedsgemeinden die Initiative ebenfalls. Gleiches gelte für Amtshof-Chef Herwig Wöbse.

In Dünsen zu starten – das hält Ideengeber Müller für ideal. Das Dorf habe einiges zu bieten. Spontan fallen dem 56-Jährigen die lokalen Unternehmen, die ehemalige Muna als geschichtsträchtige Sehenswürdigkeit, die Gastronomie und die Veranstaltungsreihe „Kultur am Glockenturm“ ein. Heimatverein und Bürgerstammtisch zeigten: Dünsen habe aktive Einwohner. Müller ist sich darüber im Klaren, dass es im Auge des Betrachters liegt, was als Stärke oder Schwäche eingestuft wird. „Nehmen wir als Beispiel das Unternehmen Meiners Saaten. Da gibt es sicherlich Stimmen, die sagen, das sei ein innovatives Unternehmen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – aber vielleicht auch solche, die sich einfach an der Optik der großen Gebäude stören.“

Bei den Bestandsaufnahmen wird neben dem gastgebenden Bürgermeister auch die Spitze der Samtgemeindeverwaltung auf dem Podium vertreten sein. „Das ergibt Sinn. Denn viele Themen liegen eben nicht in der Zuständigkeit der Mitgliedsgemeinden. Schulen und Kindergärten sind beispielsweise Samtgemeindesache“, erläutert Müller. Er ermuntert die Dünsener, den Termin am Montagabend unbedingt wahrzunehmen. Denn von einem guten Start hänge es schon ein Stück weit ab, ob diese Aktion der Samtgemeinde und der Mitgliedsgemeinde-Bürgermeister erfolgreich weitergehen könne.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hochsommerliche Hitze stellt sich ein

Hochsommerliche Hitze stellt sich ein

Tierische Begegnungen in Badeseen

Tierische Begegnungen in Badeseen

Vogelbeobachtung ist nicht nur etwas für Nerds

Vogelbeobachtung ist nicht nur etwas für Nerds

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz

Meistgelesene Artikel

Luft nach oben, Hunger nach mehr

Luft nach oben, Hunger nach mehr

Mehr Aufgaben – aber nicht mehr Personal

Mehr Aufgaben – aber nicht mehr Personal

Dachstuhlbrand löst Großeinsatz aus

Dachstuhlbrand löst Großeinsatz aus

Kommentare