Verlagerung der glutenfreien Produktion als Option

Langfristig eine zweite Harries-Mühle in Ippener?

Den Informationshunger des parteilosen Samtgemeindebürgermeisterkandidaten Yves Nagel (rechts) zum Harries Schälmühlenwerk stillten Geschäftsführer Florian Harries (Mitte) und dessen Vater Heinz-Dieter (links).
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Den Informationshunger des parteilosen Samtgemeindebürgermeisterkandidaten Yves Nagel (rechts) zum Harries Schälmühlenwerk stillten Geschäftsführer Florian Harries (Mitte) und dessen Vater Heinz-Dieter (links).

Groß Ippener – Steht vielleicht in zehn oder 15 Jahren eine zweite Harries-Mühle in Groß Ippener? Diese Frage kann Unternehmer Florian Harries noch nicht mit einem Ja oder Nein beantworten. Die glutenfreie Nährmittelproduktion langfristig von Stuhr-Moordeich nach Ippener zu verlagern, ist für ihn aber eine Option, die er im Auge behält. 

Die „Kinderkrankheiten“ sind überwunden; der Jahresumsatz am immer noch neuen Produktionsstandort im Gewerbegebiet an der A1 hat binnen drei Jahren von 25 auf 29 Millionen Euro netto und mengenmäßig sogar von 35. 000 auf 85. 000 Tonnen zugelegt: In erster Linie aus Hafer stellt die Harries Schälmühlenwerk GmbH & Co. KG in Ippener konventionell vorwiegend Flocken, aber auch Kleie und Grütze für die weiterverarbeitende Industrie her. Die Beschäftigtenzahl ist von knapp 20 auf 58 angewachsen. Tendenz: weiter steigend.

Bei der alten Harries-Mühle in Stuhr-Moordeich standen die Maschinen nur vorübergehend still – für knapp zwei Jahre. Hier trägt die Stuhrer Nährmittel GmbH seit der Wiederinbetriebnahme des Werks mit umgerüsteter Technik neuen Markttrends zu allergenfreier Gesundheitskost und Superfood Rechnung. Komplett glutenfrei stellt die (inzwischen 15-köpfige) Belegschaft im Dreischichtbetrieb Getreideflocken und andere Nährmittel aus Hafer, Buchweizen, Hirse, Sorghum, Quinoa, Amaranth oder Teff her. Die jährliche Verarbeitungsmenge bewegt sich zwischen 10. 000 und 15. 000 Tonnen.

Bürgermeisterkandidat sucht das Gespräch

Dass der Platz in Groß Ippener angesichts der erfreulichen Geschäftsentwicklung schon wieder knapp wird, verschwieg Florian Harries (36), Geschäftsführer in beiden Unternehmen, nicht, als er zusammen mit seinem Vater Heinz-Dieter den parteilosen Samtgemeindebürgermeisterkandidaten Yves Nagel empfing. Der Gast kam, um sich zu informieren.

Wir investieren jetzt gerade noch einmal knapp zwei Millionen Euro in zusätzliche Produktionsanlagen und Maschinentechnik, um die Verarbeitungskapazitäten weiter – bis auf nahezu 100 .000 Tonnen – anzuheben.“

Florian Harries

„Wir stoßen hier mit unserem Gebäude und der installierten Anlagenleistung tatsächlich an eine Grenze, können uns momentan aber nicht weiter vergrößern. Das ist bei uns kurzfristig, also auf die nächsten paar Jahre gesehen, noch nicht im Hinterkopf. Mittel- oder langfristig wird das aber bestimmt ein Thema werden“, sagte der 36-jährige Gastgeber.

Bedarf an Erweiterungsfläche

„Wir werden hoffentlich bis Ende des Jahres die Endausbaustufe des Unternehmens in Ippener erreichen. Wir investieren jetzt gerade noch einmal knapp zwei Millionen Euro in zusätzliche Produktionsanlagen und Maschinentechnik, um die Verarbeitungskapazitäten weiter – bis auf nahezu 100 .000 Tonnen – anzuheben“, erläuterte Florian Harries.

Bedarf bestehe zunächst an einer angrenzenden Erweiterungsfläche für Lager- und Produktionszwecke. Die in die fernere Zukunft gerichteten Überlegungen gehen weiter – nämlich dahin, vielleicht den Standort des glutenfrei produzierenden Moordeicher Mühlenbetriebs zusätzlich nach Groß Ippener zu verlagern, obgleich das derzeit eine Option ist, die keineswegs bereits konkret Gestalt angenommen hat.

Gewerbliche Bauflächen sind im Flächennutzungsplan ausgewiesen; eine etwaige Gewerbegebietserweiterung aber steht und fällt letztlich mit der Verkaufsbereitschaft der Eigentümer (Landwirte). Florian Harries fühlt sich mit dem Schälmühlenwerk in Groß Ippener sehr gut aufgehoben. Ihm liegt es nach eigenem Bekunden völlig fern, Druck auf die Gemeinde aufzubauen, um Expansionsabsichten durchsetzen zu können. „Das ist einfach nicht meine Art“, bekräftigte er im Gespräch mit Yves Nagel.

Nicht nur Hafer wird verarbeitet

Die räumliche Distanz zwischen konventioneller und glutenfreier Produktion sei im Übrigen praktikabel und unproblematisch. Gleichwohl will Harries den Bau einer zweiten (kleineren) Mühle in Ippener als mögliches Zukunftsziel nicht aus den Augen verlieren. Dafür bedürfte es nach seiner Einschätzung einer Fläche in einer Größenordnung von „10.000 Quadratmetern aufwärts“.

Im Industriegebiet an der A1 verarbeitet das Schälmühlenwerk neben Hafer zu einem kleineren Teil (insgesamt etwa 10 .000 Tonnen) Gerste, Roggen, Weizen, Dinkel, Emmer (eine Urform des Weizens) und Triticale. Schwierigkeiten mit der Nachbarschaft gebe es nicht, so Florian Harries. Betriebslärm dringe wegen der durchdachten gebäudetechnischen Konstruktion und der guten Dämmung kaum nach außen.

EEG-Umlagen-Befreiung soll fallen

Ein Problem, das nach Überzeugung von Harries der gesamten Mühlenindustrie und sogar der Ernährungsbranche insgesamt sehr zusetzen wird, liegt dem 36-Jährigen indes aktuell schwer im Magen: „Die Befreiung von der EEG-Umlage soll für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch, zu denen auch wir mit knapp sieben Millionen Kilowattstunden jährlich zählen, gekippt werden.“ Die absehbaren Folgen wären eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit auf internationalem Parkett und eine Verteuerung der Lebensmittel hierzulande – auf Kosten der Endverbraucher. Harries befürchtet für die eigenen industriell gefertigten Produkte eine drei- bis fünfprozentige Preissteigerung als Folge des Wegfalls der Befreiung von der EEG-Umlage.

Unternehmenskultur in vierter Generation

Sein Urgroßvater Bernhard Harries hatte die Unternehmensgründung 1912 in Moordeich vollzogen, allerdings nicht dort, wo inzwischen ausschließlich glutenfrei produziert wird. Die Harries-Mühle blieb in etwa bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs ein Futterbetrieb, ehe sie sich aufsplittete: Florian Harries’ Großvater baute an der Moordeicher Landstraße 1 ein neues Mühlenwerk, eine nicht primär auf Tierfutter, sondern stärker auf Lebensmittel ausgerichtete Hafermühle. Der Schwager führte den ursprünglichen Betrieb weiter.

Auch die Banken spielten mit

Zurück in die jüngere Vergangenheit: Vor sechs Jahren deutete sich der Neubau in Groß Ippener an – mit dem Erwerb des Betriebgsgrundstückes inklusive Lagerhalle und Bürogebäude. Florian Harries hatte damals vor der Frage gestanden, ob er in die unternehmerischen Fußstapfen von Urgroßvater, Großvater und Vater treten will. „Ich habe mir das von Anfang an zugetraut. Glücklicherweise haben dann auch die Banken bei der Realisierung des neuen Schälmühlenwerks mitgespielt“, sagte er im Gespräch mit Yves Nagel.

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