Lange Planung, kurze Bauzeit

Malteser weihen die neue Rettungswache am alten Standort offiziell ein

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Diözesanseelsorger Pater Karl Gierse segnete auch den noch recht neuen Rettungswagen. Der Malteser-Ortsbeauftragte Patrick Peters und Rettungswachenleiter Georg Rehaag nahmen Geschenke zur Einweihung des Neubaus entgegen, darunter Präsentkörbe von Samtgemeinde/Flecken und der Feuerwehr Harpstedt. Bild unten in der Mitte: Landrat Carsten Harings (r.) überraschte die Malteser mit der Ehrengabe des Landkreises Oldenburg in Form eines symbolträchtigen Bildes. Foto unten rechts: Nachbar Hans-Peter Hellbusch (rechts – mit Georg Rehaag) überreichte ein Fotobuch, das den Abriss der alten und die Entstehung der neuen Rettungswache dokumentiert.

Harpstedt - Von Juergen Bohlken. „Wir haben zwei Jahre geplant, aber nur zehn Monate gebaut“, verriet Diözesan- und Bezirksgeschäftsführer Frank Rieken während der Einweihung der neuen Malteser-Rettungswache in Harpstedt. Die lange und „recht holprige“ Planungsphase erklärte er einerseits damit, dass der Architekt mit einem eng abgesteckten Budget klarkommen musste; andererseits entpuppte es sich als echte Herausforderung, das Gebäude so zu konzipieren, dass es auf das rund 1 600 Quadratmeter (qm) große Grundstück am alten Standort (Freistraße 22) passte.

Das Ergebnis hat kaum noch etwas gemein mit der bisherigen, seit 1995 genutzten und nunmehr abgerissenen Dienststelle. Geschweige denn mit den bescheidenen Anfängen des Malteser-Rettungsdienstes in Harpstedt vor 30 Jahren (1989) auf gerade mal 16 qm im alten Feuerwehrhaus an der Burgstraße.

Die moderne neue, 120 qm große Fahrzeughalle bietet Stellflächen für den Harpstedter Rettungswagen und einen Reserve-RTW für den gesamten Landkreis. Darin fanden sich am Mittwoch neben Maltesern auch Nachbarn, Johanniter, Rotkreuzler, Feuerwehr- und Polizeikräfte sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung zur Einweihungsfeierstunde ein.

Die Ausstattung des Neubaus, der im Sommer mit einem Tag der offenen Tür vorgestellt wird, entspricht allen gesetzlichen Vorgaben – auch hinsichtlich der Trennung von „reiner“ und „unreiner“ Dienstkleidung. Hell und freundlich kommen sowohl die Rettungswache im Erdgeschoss (150 qm) als auch das dem Ehrenamt vorbehaltene Obergeschoss (120 qm) inklusive Ausbildungsraum daher. Ein Generalunternehmen hat den Bau realisiert. Ohne den persönlichen Einsatz des früheren Rettungswachenleiters Sven Strahlendorff, der für die Malteser die Bauleitung übernahm, „hätten wir dieses Projekt aber nicht gemanagt gekriegt“, gestand Frank Rieken und überreichte als Dankeschönpräsent einen Gutschein für ein Whiskey-Tasting. Die „geistigen Getränke“ darf Strahlendorff zusammen mit Kollegen genießen.

Von den Baukosten, etwa 750 000 Euro, entfällt ein Drittel auf die ehrenamtlich genutzten Räume; diesen Anteil muss der Malteser-Verband aufbringen. Während des Abrisses der alten Wache und der Neubauphase durfte sich der Rettungsdienst im Kreisjugendzeltplatzgebäude einquartieren. „Das war wirklich gut“, sagte Rieken. Die Malteser hätten auch schon mit ganz anderen Provisorien leben müssen. Die Inbetriebnahme des Neubaus am 9. März sei reibungslos über die Bühne gegangen – mal abgesehen vom „falschen Ton“, den die Türklingel produzierte.

Die Malteser wollen ihre – früher mal sehr aktive – ehrenamtliche Gliederung neu beleben; dafür sind nun die räumlichen Voraussetzungen geschaffen. Als weitere konkrete Ziele nannte Rieken die Etablierung einer Schnell-Einsatz-Gruppe und die Wiedereinführung sozialer Dienste. „Wir werden schauen, wie sich das entwickelt. Wir haben aber noch einiges in Harpstedt vor.“

Ein Dankeschön richtete Rieken an Michael Rehberg und Sven Strahlendorff, die in schweren Zeiten „die Fahne hochgehalten“ hätten. Ebenso an den aktuellen Ortsbeauftragten Patrick Peters. Der habe gewissermaßen gesagt: „Okay, ich nehme die Fahne an.“

Die Entscheidung für Abriss und Neubau nannte Landrat Carsten Harings „mutig“ und „absolut richtig“. Der Landkreis Oldenburg sei sich der Bedeutung der Arbeit der Malteser – insbesondere „für die Schwächeren in unserer Gesellschaft“ – sehr bewusst. Für die Wiederbelebung der ehrenamtlichen Gliederung wünschte Harings „ein gutes Gelingen“. Das Engagement, „dass Sie hier an den Tag legen“, sei für den Landkreis von großer Bedeutung, „denn es sichert den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“ Dieser Einsatz verdiene Respekt. Und eben gerade nicht Respektlosigkeit, die viele Rettungskräfte leider inzwischen erführen. Verbale Verunglimpfungen oder sogar körperliche Übergriffe verurteilte der Landrat unter Beifall scharf. „Das ist Irrsinn, was da draußen passiert!“ Die sozialen Netzwerke seien nur mittelbar verantwortlich für den Mangel an Respekt, denn letztlich sitze vor jedem PC und Smartphone ein Mensch, „Jeder entscheidet selbst, was er wie, wann und wo von sich gibt. Und auch, ob er einen Rettungseinsatz unterstützt, Platz für die Retter macht und Unfallopfern hilft – oder ob ihm sensationsheischende Fotos wichtiger sind.“

„Wir wissen den Wert der Rettungswache sehr zu schätzen“, bekräftigte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Schon die Einrichtung vor 30 Jahren in Harpstedt sei eine weise, von den Ärzten sehr beförderte Entscheidung gewesen. Die Samtgemeinde sei zwar nicht sehr einwohnerstark, aber eine Flächengemeinde. Das bedeute in Notfällen mitunter lange Wege für die Retter. Mit den Schulsanitätern hätten die Malteser einen starken, „sehr aktiven Außenposten an unserer Oberschule in Harpstedt“, vergaß Wöbse nicht zu erwähnen. Ebenso würdigte er die gute Verzahnung aller Akteure im Rettungswesen.

Im Moment werde viel über die örtlichen Supermärkte und ihre Pläne diskutiert, spielte Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder auf ein aktuelles Thema an. Er persönlich halte es aber für viel wichtiger, „dass wir im Ort eine Rettungswache haben“. Und direkt an die Malteser gewandt, betonte der Bürgermeister: „Ihr seid immens wichtig für Harpstedt.“

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