Rund 200 Romane finden Aufmerksamkeit in der Koems-Saalstube / Interner Kreis diskutiert regelmäßig über Schmöker

Landfrauen-Literaturbörse weckt Leselust

Der Lesekreis der Landfrauen stellte während der Literaturbörse selbst gelesene „Schmöker“ vor. Linde Wessel (rechts) aus Dünsen weckte mit einem während der Veranstaltung in der Koems-Saalstube gelesenen Auszug aus dem Roman „Das Lügenhaus“ von Anne B. Ragde Interesse bei den Zuhörerinnen.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenHARPSTEDT/HEILIGENRODE · Der farbenfrohe Einband des Romans „Die Maharani“ von Gita Mehta fällt Heike Kastens in Auge, und der Klappentext spricht sie an. Sie erwägt, das Buch zu kaufen. „Das könnte mich interessieren“, sagt die Landfrau.

Belletristik dominiert auf den Büchertischen in der Saalstube des Koems. Rund 200 ausgelesene Romane, allesamt in einem einwandfreien Zustand, haben Mitglieder des Landfrauenvereins Harpstedt-Heiligenrode dort für ihre – von Helga Lehmkuhl organisierte – dritte Literaturbörse zusammengetragen. Schriftstellerinnen sind unter den Verfassern der „Schmöker“ klar überrepräsentiert. Doch zwischen Leonie Ossowski, Elke Heidenreich und Sandra Lüpkes fällt ein „alter Bekannter“ ins Auge, ein Klassiker der Moderne und heute noch Gegenstand so mancher Deutschstunde: Max Frisch mit seinem Roman „Stiller“. Ein großes Sortiment an Kinderliteratur rundet das Angebot ab. Gabi Trojan hat diverse Karl-May-Bände aus dem Jahr 1957 mitgebracht. Die resultieren aus dem Fundus ihrer 2008 verstorbenen Mutter.

Nach einer gemütlichen Kaffee- und Kuchenrunde nutzen die rund 20 anwesenden Landfrauen ausgiebig die Chance, in den „Schmökern“ zu blättern. Ausgemusterte Romane finden neue Besitzer – durch Tausch oder Erwerb zu Schnäppchenpreisen von maximal drei Euro pro Exemplar. „Ich habe die Hälfte meiner mitgebrachten Bücher verkauft“, vermeldet Renate Jürgens aus Dünsen nach Ende der Börse. Sie gehört dem 2004 auf ihre Initiative hin gegründeten Landfrauen-Lesekreis an, der einmal im Monat, immer am letzten Montag um 19 Uhr, im „Bücherlädchen“ von Ilse zur Hellen in Harpstedt tagt, um jeweils über ein von allen Mitstreiterinnen zuvor gelesenes Buch zu diskutieren. Nein, so bier-ernst wie im Fernsehen, wie früher im „Literarischen Quartett“, gehe es dabei nicht zu, verraten die Damen.

Gleichwohl dienen die im Schnitt anderthalb Stunden dauernden Treffen dem Meinungsaustausch und offenbaren immer wieder überraschende Sichtweisen. „Das Schöne ist, dass man sich gern überzeugen lässt, zu einem Buch zu greifen, das man sonst nie gelesen hätte“, weiß Renate Jürgens. Zehn Landfrauen gehören zum „Stamm“ des Lesekreises, der die Literaturbörse in Harpstedt nutzt, um bereits intern besprochene „Schmöker“ vorzustellen. Aktuell hat die Runde sich des Romans „Die Attentäterin“ von Yasmina Khadra angenommen. Renate Jürgens spricht der Stoff an. „Äußerst interessant“, urteilt sie. Es geht darin um den jüdischen – in Tel Aviv lebenden – Chirurgen Amin Jaafie, der vom Tod seiner Frau bei einem Attentat erfährt. Doch damit nicht genug: Die geliebte Gattin soll den Anschlag selbst verübt haben. „Sie ist von palästinensischen Extremisten anheuert worden. Ihr Mann hat davon nichts mitbekommen“, erzählt Jürgens. Er beginne dann, nach den Hintergründen und Motiven zu forschen. „Enorm spannend“ findet die Dünsenerin die Geschichte.

Mitunter zieht es den Lesekreis übrigens auch ins Kino oder ins Theater, um zu begutachten, ob die Verfilmung eines gelesenen Romans oder eine Aufführung mit dem Buch mithalten kann. So schauten sich die belesenen Landfrauen nach der Lektüre von Jane Austens „Sinn und Sinnlichkeit“ auch die Leinwand-Adaption an. In sehr guter Erinnerung ist Renate Jürgens eine Vorstellung von Theodor Fontanes „Effi Briest“ als Marionettenstück im Oldenburger „Laboratorium“ geblieben. „Total schön. Das hätte ich nicht gedacht“, sagt sie.

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