Labor stellt 29 Milligramm pro Liter in einer Delmewasser-Probe fest, die Stefan Wachholder gezogen und eingereicht hat

„Lafu“ staunt über hohen Nitratgehalt

Dieses von Stefan Wachholder geschossene Foto sei leider „nicht aussagekräftig“, bedauerte Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft.

HARPSTEDT -  29 Milligramm Nitrat pro Liter Delmewasser in einer Probe, die Stefan Wachholder gestern im Beisein von Michael Grohe am Hotel „Zur Wasserburg“ in Harpstedt entnommen hatte, stellte das „Lafu“ in Delmenhorst fest. Das Labor nennt das eine „außerordentlich hohe Kontamination“. Das Untersuchungsergebnis entspreche „fast dem dreifachen Wert der Güteklasse II“ und stelle eine „erhöhte Belastung“ dar, die „unter normalen Bedingungen nicht zu erwarten“ sei. Ein „Zusammenhang mit einer Gülle-Einbringung auf die umgebenden Flächen und heftigen Regenfällen könnte eine nachvollziehbare Erklärung sein“, schlussfolgert das „Lafu“.

Das Labor hat nach eigenem Bekunden noch nie einen solch hohen Nitratwert im Zuge eigener Untersuchungen an Delme, Welse oder auch Dummbäke analysiert. Größtenteils bewegten sich die gemessenen Werte unter zehn Milligramm pro Liter.

Seit 50 Jahren wohne er nun schon nahe der Delme, aber eine derartig braune Brühe wie dieser Tage habe er in dem Fluss nie zuvor bemerkt, sagte Stefan Wachholder, stellvertretender Fleckenbürgermeister. In einer Sitzungspause war er am Mittwoch beim Hotel „Zur Wasserburg“ auf das trübe, stark braun verfärbte Delmewasser aufmerksam geworden. Ein Foto davon postete er in der geschlossenen facebook-Gruppe „Weltstadt Harpstedt“. Er hielt es für wahrscheinlich, dass starker Regen Gülle von frisch gedüngten Ackerflächen in den Fluss gespült hatte, bevor sie in den Boden einsickern konnte. Ein kurzer Kommentar, den Wachholder seinem facebook-Foto hinzufügte, reichte, um zornige Landwirte auf den Plan zu rufen. „Seht euch mal diese braune und schäumende Brühe in unserer schönen Delme an! Ob so viel Gülle gut ist für das kleine Bächlein?“, hatte er kritisch hinterfragt. Es sei keineswegs seine Absicht gewesen, Landwirte zu diffamieren. „Ich wollte nur auf ein für mich offensichtliches unglückliches Zusammenwirken von Düngung und Starkregen hinweisen“, so Wachholder gegenüber unserer Zeitung. Angesichts der Anfeindungen ließ er die Sache nicht auf sich beruhen. Er wollte nun Gewissheit. Daher nahm er nach Rücksprache mit dem „Lafu“ in Delmenhorst selbst eine Wasserprobe aus der Delme, füllte sie in eine vorschriftsmäßig gereinigte, desinfizierte Flasche und brachte sie zu dem Labor in die Delmestadt. Die bräunliche Verfärbung sei noch zu sehen, aber nicht mehr so stark wie an den Tagen zuvor gewesen.

Die Analyse kostete 80 Euro. „Das ist es mir wert gewesen“, sagt Wachholder. Den Nitratgehalt konnte das „Lafu“ noch im Verlauf des gestrigen Tages bestimmen. Ein aussagekräftigeres Indiz für eine etwaige Güllebelastung ist aber die Anzahl der Fäkalkeime. Dieses Ergebnis bekommt Wachholder „am Montag oder Dienstag“.

Braunes Wasser muss übrigens nicht zwingend auf Gülle-Eintrag zurückzuführen sein. Mitunter, bei höheren Fließgeschwindigkeiten, ist es nur ein Ergebnis aufgewirbelten Flussbodens. Nach dieser Art von Trübung mutete das Delmewasser aber in Wachholders Augen nicht an. „Ich weiß als Angler, wie der Fluss normalerweise in allen vier Jahreszeiten aussieht, weil ich selbst dort oft sitze“, betont er.

Als andere mögliche Ursache für Wasserverfärbungen kommt generell Eisenocker (Eisenhydroxid) in Betracht. Im Internet kursieren diverse Fotos von derart belasteten Gewässern. Das Wasser scheint auf diesen Bildern geregelrecht zu „rosten“. Wachholder konnte nicht glauben, dass Eisenocker die von ihm beobachtete Trübung verursacht hat, zumal der dafür typische Rotstich in den Brauntönen fehlte.

Die Kreiszeitung/Wildeshauser Zeitung mailte sein Delme-Foto gestern sowohl dem Ochtumverband als auch der zuständigen Behörde beim Landkreis Oldenburg. Die Aufnahme sei leider „nicht aussagekräftig“, bedauerte Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft. Eine Mitarbeiterin werde der Sache gleichwohl unverzüglich nachgehen und gegebenenfalls auch eine Probe ziehen, versprach er.

Hahn hätte sich gewünscht, dass seine Behörde oder die Polizei unmittelbar nach Wachholders gemachter Beobachtung eingeschaltet worden wäre. Wenn es tatsächlich eine Belastung gegeben habe, dann sei davon vielleicht nicht mehr viel feststellbar. Der Amtsleiter sollte sich irren. „Nicht viel“ waren in diesem Fall besagte 29 Milligramm Nitrat pro Liter.

Im Unterschied zu Wachholder hatte Hahn zunächst auf Verockerung als Ursache für das ungewohnt braune Wasser getippt. Dieses Problem sei ja gerade auf dem Flussabschnitt zwischen Harpstedt und Horstedt bekannt. Erwähnung findet es im Gewässerentwicklungsplan (GEP) für die Delme aus dem Jahr 2013. Darin heißt es: „Die seit einigen Jahrzehnten in Zunahme begriffene Ockerfracht ist eine wesentliche, den Gesamtzustand der Delme beeinträchtigende Größe. Als Auslöser (...) kommen sowohl Luftsauerstoff (aus der Absenkung von Grundwasserständen) als auch Nitratsauerstoff (aus den Nitratgehalten des Bodens) in Betracht.“ Letzteres bedeutet: Auch zwischen Düngung und Verockerung gibt es einen Zusammenhang. Die in der Delme „akkumulierte Ockerfracht“ unterliegt laut GEP jahreszeitlichen und witterungsabhängigen Schwankungen. In dem Fluss wirkten sich die Eisenverbindungen „stark negativ, teilweise katastrophal, auf die aquatischen Lebensgemeinschaften aus“. Bereits in geringer Konzentration wirkten sie giftig auf die Tierarten im Gewässer. Durch Sauerstoffzehrung und chemische Versauerung beeinträchtigten die Ockerfrachten die Wasserqualität. Sie könnten toxische Schwermetalle „mobilisieren“ sowie durch Oxidüberzüge auf Atmungsorganen der Tiere und auf Blättern „die Atmung beziehungsweise Photosynthese erheblich behindern“.

Lange Rede, kurzer Sinn: Sowohl Gülle als auch Ockerfrachten sind in Fließgewässern unerwünscht. Auf die noch ausstehenden Ergebnisse der Keimzahl-Untersuchung des „Lafu“ kommt unsere Zeitung zurück.

Von Jürgen Bohlken

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