Kunstpartisanen zu Gast in Groß Ippener

Auf alten Werbebannern malen die Brüder Boleslaw und Kazimierz Jankowski (von links) mit Acryl- und Abtönfarben.
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Auf alten Werbebannern malen die Brüder Boleslaw und Kazimierz Jankowski (von links) mit Acryl- und Abtönfarben.

„Partisanen der Kunst“, so nennen sich die Bremer Brüder Boleslaw und Kazimierz Jankowski. Sie arbeiten und wohnen derzeit auf Einladung von Franz Robert Czieslik im Skulpturenpark Groß Ippener. Dort stehen ihnen drei riesige Banner und viel Farbe zur Verfügung.

Groß Ippener – „In der Idylle der Natur“, formuliert Kazimierz Jankowski, leben er und sein Bruder Boleslaw derzeit. Auf Einladung des Bildhauers Franz Josef Czieslik sind die beiden Künstler aus Bremen Anfang August zeitweise aufs Land gezogen – in den Skulpturenpark Groß Ippener.

Dort haben sie sich bereits gut eingerichtet: Die Bänke, die normalerweise unter dem kleinen Unterstand beim Eingang des Geländes stehen, haben sie weggeräumt, um Platz zu schaffen. Denn die Bremer Brüder malen in ihrem Sommeratelier im großen Format: Auf ehemaligen Werbebannern, mehr als mannshoch, arbeiten sie mit Farbe, Rolle und Pinsel. Das erste Bild sei schon fertig, erklärt der Ältere, der 72-jährige Boleslaw. „Es ist ein bisschen klassisch: der Hintergrund ist enzianblau, die Wiese ist grasgrün“, erklärt sein zwei Jahre jüngerer Bruder. Zu sehen sind die beiden Männer selbst, und zwar in einer Art Comic-Stil, der an die polnischen Figuren Lolek und Bolek erinnern soll. Sie sind die Stars einer polnischen Trickfilmserie aus den 60er-Jahren und gelten dort als nationales Kulturgut.

Für die Brüder hat dieser Bezug eine große Bedeutung. Ihre polnischen Eltern seien während des Nationalsozialismus in Arbeitslager verschleppt worden, berichtet Kazimierz Jankowski. Nach dem Krieg fürchteten sie die Rache ihrer Landsleute und wollten emigrieren – während es der Vater nach Kanada schaffte, blieb die Mutter mit den beiden Söhnen in Bremen. Viele Angehörige der Familie, die als Partisanen kämpften, seien von den Deutschen standrechtlich erschossen worden. So kommen die Brüder nicht nur zu der Inspiration durch polnische Kinderserien, sondern auch zu ihrem Beinamen „Partisanen der Kunst“.

Die Brüder malen mit Pinsel und Rolle

Auf dem ausgerollten Großformat jedoch gibt es keine düsteren Flecken. Kazimierz Jankowski hat sich mit einer Gitarre in der Hand porträtiert, sein Bruder steht neben ihm. „Was zur Kunst alles dazugehört: Poesie, Freude, Leidenschaft“ sei auf dem Bild zu sehen, erläutert der 70-jährige jüngere Bruder. Sterne, Blumen und Schmetterlinge sind zu erkennen. Sie sind mit dem Pinsel gemalt, genauso wie die Gesichter der beiden Figuren. Für den Rest haben die Bremer eine Farbrolle verwendet. „Jeder steht für sich“, erklärt Kazimierz Jankowski den Bildaufbau. „Der Respekt vor der Andersartigkeit ist wichtig.“

Seit gut 20 Jahren sind die Brüder gemeinsam künstlerisch aktiv. Während Boleslaw jahrzehntelang beim Blaumeieratelier, einem inklusiven Kunstprojekt in Bremen, aktiv gewesen sei, habe er Kunst studiert und zahlreiche Einzelausstellungen sowie Performances gehabt. Auch eine CD hat der 70-Jährige mit der Band „Walk the line“ aufgenommen.

Wenn die Zeit ihres Sommerateliers im Skulpturenpark zu Ende ist, wollen die Brüder Jankowski ihre großformatigen Werke dort zwischen den Bäumen hängend präsentieren. Zudem planen sie eine kleine musikalische Aufführung. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun: Das zweite Banner, das die beiden gespendet bekommen haben, ist gerade erst grundiert worden. Mindestens zwei Farbschichten sind dafür nötig. Aber: „Bis zum 5. September ist ja noch viel Zeit.“

Öffnungszeiten

Der Skulpturenpark Groß Ippener ist wie gewohnt täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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