Tapa-Abende, Kochkurse und Verkostung

Gläserne Orangerie: Kulinarischer Erlebniswert im Essgarten

Frits und Heike Deemters großer Traum, die Orangerie als gastronomischer Mittelpunkt ihres Essgartens in Barjenbruch, hat Gestalt angenommen. - Foto: Bohlken
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Frits und Heike Deemters großer Traum, die Orangerie als gastronomischer Mittelpunkt ihres Essgartens in Barjenbruch, hat Gestalt angenommen.

Barjenbruch - Von Jürgen Bohlken. Im Deemterschen Essgarten in Barjenbruch wird’s kulinarisch: Die gläserne Orangerie nimmt im Mai den Betrieb auf. An Himmelfahrt können Ausflügler das imposante „Gewächshaus“, das künftige gastronomische Zentrum der Anlage, selbst ab 14 Uhr begutachten. Der Eintritt ist frei. Heike und Frits Deemter bitten aber darum, mit dem Fahrrad zu kommen. „Sonst gibt’s nämlich ein Parkplatzproblem.“

Der WC-Bereich ist fertiggestellt. Gekocht werden kann fortan auf zwei Gasherden. Geschirrspüler und einige Küchenmöbel lassen noch ein bisschen auf sich warten. Ansonsten fehlt Heike und Frits Deemter nichts mehr für die Orangerie, wo sie künftig Gäste mit extravaganten Gaumenfreuden – auch aus mitunter vorschnell als ungenießbar verschmähten Wildpflanzen – verwöhnen wollen.

Die Buchungen kommen Schlag auf Schlag. Landfrauen, Rotarier, Kegelclubs – alle wollen eine Führung durch den Essgarten mit einer Verkostung verbinden. Sogar die erste Hochzeitsgesellschaft hat sich bereits angemeldet. „Ausnahmsweise übernehmen wir in diesem Fall das Kochen“, sagt Frits Deemter. Generell sei das allerdings nicht für solche und ähnliche Gesellschaften leistbar; sie könnten die Orangerie zwar buchen, müssten das Catering aber selbst organisieren.

In geplanten Kochkursen mit den Landfrauen sollen die Teilnehmer Gerichte kennenlernen, die sich aus den im Essgarten gedeihenden Pflanzen zubereiten lassen. Das schließt übrigens genießbare Zierpflanzen mit ein. „Viele Leute haben eigentlich einen Gemüsegarten, ohne es zu wissen“, so Frits Deemter. „Kamelienblüten sind beispielsweise essbar. Oder auch das Grün und die Knospen von Taglilien.“ Ab zehnköpfige Gruppen können online Essgarten-Führungen mit kleiner kulinarischer Kostprobe buchen. Für Paare, Familien und Freundeskreise gibt es monatliche Tapa-Abende; für Mai und Juni allerdings sind diese Events schon ausgebucht.

Der Japanknöterich lässt sich „zähmen“

Dem kulinarischen Teil bei den Tapa-Abenden geht jeweils eine Führung voraus. Die Gäste erfahren, welche Pflanzen, zu Häppchen verarbeitet, sie anschließend verzehren. Was genau in die Tapas kommt, ist saisonal bedingt. „Im Moment wäre beispielsweise Bärlauch angesagt“, weiß Frits Deemter.

Er wird es sein, der in der Orangerie vorwiegend am Herd steht. Damit knüpft er an eine alte Leidenschaft an: Zusammen mit anderen Studenten hat er früher beim gemeinsamen Kochen viel experimentiert – mit dem Ziel. „etwas, das du gar nicht kennst, zu einem guten Geschmack zu verhelfen“.

Genau das sei nun auch die Herausforderung im Essgarten. „Mit der Zeit lernst du, was sich miteinander kombinieren lässt“, spricht der 56-Jährige aus Erfahrung.

Seiner Frau Heike fällt dazu der Japanknöterich ein: „Eine gefürchtete invasive Pflanze, die auch bei uns wächst. In Japan knabbern Kinder die jungen Sprossen wie Sauerampfer. Es hat lange gedauert, bis wir herausgefunden haben, dass sich der Japanknöterich ,zähmen’ lässt.“ Von den Deemters ausgetüftelte Rezepte zollen dieser Pflanze inzwischen kulinarisch Tribut. Gleiches gilt für den von Hobbygärtnern als Landplage verteufelten Giersch. Der findet sich etwa in Blätterteigtaschen wieder.

Frits Deemter erzählt von einer „feinen Gesellschaft“, die er und sein Sohn Loek einst ganz bewusst im Unklaren über ein für sie zusammengestelltes, komplett auf Giersch basierendes Vier-Gänge-Menü ließen. Aus gutem Grund: Die Gäste sollten völlig vorurteilsfrei kosten und genießen. „Da kannst du ihnen natürlich nicht den ersten Gang als ,Giersch-Pampe’ anpreisen. Wir haben deshalb absichtlich klangvolle französische und spanische Namen für die Speisen gewählt“, erzählt der 56-Jährige und lächelt verschmitzt. Auf Nachfragen, was das denn da auf den Tellern sei, hieß es nur: „Ihr sprecht doch wohl alle ein bisschen Französisch. Oder?“ Erst nach dem Essen seien die Gäste „aufgeklärt“ worden.

„Essen ist etwas Emotionales“

In Seoul gelte Giersch übrigens als „feines Gemüse“ und werde für „fünf Euro pro Kilo in Supermärkten verkauft“ – diese Information stammt von einer koreanischen Gruppe, die Frits Deemter bescheinigte, „reich“ zu sein – eine Anspielung auf den im Barjenbrucher Essgarten reichlich vorhandenen Giersch, der sich in Südkorea wohl trefflich „versilbern“ ließe.

„Essen ist etwas Emotionales“, weiß Frits Deemter. Reizvolles Ambiente, nette Leute – solche Faktoren beeinflussten das Urteil darüber, ob etwas gut oder schlecht schmecke. Essen mit phantasievoll verarbeiteten Kräutern, Früchten, Blüten, Blättern und Sprossen aus eigener Ernte in einem stilvollen „Gewächshaus“, umgeben von teils exotischen Pflanzen und einem Hochteich – dafür steht die Deemtersche Orangerie.

In der „Werder-Waffel“ stören die Kräuter nicht

Bei den Speisen, die kredenzt werden, spiele die Namensgebung schon eine Rolle, sagt Frits Deemter. So werde eine Kräuterwaffel, als „Werder-Bremen-Waffel“ angepriesen, für Schüler doch gleich viel schmackhafter.

Auch bei den Essgarten-Führungen sei gerade im Umgang mit Jugendlichen Kreativität gefragt. Irgendwo hingescheucht werden, etwas anschauen müssen – das war Frits Deemter früher selbst verhasst. „Ich hatte eine Museumsallergie“, verrät er. Deshalb verbindet er seine eigenen Führungen von Schulklassen durch den Essgarten stets mit Spaß, um einen Erlebniswert zu erzielen. „Ich hänge etwa Brokkoli in einen Baum – und ein Glas Nutella in einen anderen“, erzählt er. „Die Schüler kichern und wundern sich, beginnen aber schnell darüber nachzudenken, wo wohl welches Erzeugnis herkommt. Da fangen die Hirne von ganz allein an zu arbeiten.“

Weitere Informationen, auch zu den einzelnen buchbaren Angeboten, gibt’s im Internet.

http://essgarten.de

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