Roland Maier Holzknecht will weiteren Bau verhindern

Künstler sieht sein Projekt durch Windpark in Spradau gefährdet

Sein Rolandshof-Projekt in Kellinghausen sieht Roland Maier Holzknecht durch den in Spradau geplanten Windpark massiv bedroht. Archivfoto: Bohlken

Kellinghausen/Spradau - Von Jürgen Bohlken. Sein Rolandshof-Projekt in der Gemeinde Winkelsett sieht Roland Maier Holzknecht durch das Windparkvorhaben in Spradau qualitativ massiv bedroht. Sollten tatsächlich vier Anlagen mit 206,93 Metern Gesamthöhe in direkter Nachbarschaft kommen (sowie zusätzlich zwei kleinere), wäre das nach seiner Ansicht das Aus für sein Konzept: Der Kunsterzieher, Kunsttherapeut, Maler und Bildhauer mit doppelter Staatsbürgerschaft hat – nach langjährigem Wirken in der Schweiz – auf einem erworbenen Anwesen in Kellinghausen einen Ort für Menschen erschaffen, die in kreativer Arbeit Erholung suchen – und derzeit auch noch finden. Dafür aber braucht es Ruhe. Eine solche Oase ließe sich mit Lärmimmissionen und Schlagschatten von Rotoren in 600 bis 1000 Metern Entfernung schwerlich vereinbaren – auf diesem Standpunkt steht zumindest Roland Maier Holzknecht, der Eigentümer des Rolandshofes. Ein schriftlicher Einspruch seinerseits gegen das Windparkvorhaben liegt dem Bauordnungsamt des Landkreises seit knapp zwei Wochen vor.

Der Traum, beispielsweise einmal Markus Stockhausen mit einem „Klang-Workshop aus der Stille“ nach Kellinghausen einzuladen, würde durch die Errichtung der Windräder ad absurdum geführt, argumentiert der Einwender in einer Stellungnahme, die er unserer Zeitung zukommen lassen hat. Auch die Durchführung von Veranstaltungen mit unverstärkter Live-Musik könnte er sich wohl abschminken, wenn „ein unablässiges, fremdbestimmtes, rhythmisches Rauschen“ den „Puls der Musiker“ störte.

Gedanken macht er sich ebenso über die Landschaftsmaler, die „Zuflucht zu einem der wenigen naturbelassenen Orte suchen“. Dass sie „zwischen Hochspannungsmasten und Riesenwindtürmen“ Erholung und Muße auf dem Rolandshof finden könnten, bezweifelt der Künstler stark. Eine Frau, die an Epilepsie leidet, werde gewiss „nicht mehr kommen können“, ist er sich sicher. Schon wenige Minuten „Lichtflimmern“ (deutlich weniger als durch den Windpark zu erwarten), könnten ausreichen, um einen epileptischen Anfall auszulösen. Eine andere Frau leide an Übersensibilität gegenüber Elektrosmog und habe auf dem Rolandshof einen der wenigen Orte gefunden, an dem die Strahlung derzeit „noch so schwach ist, dass sie damit leben kann“. Roland Maier Holzknecht prognostiziert: „Sie wird hier auch nicht mehr sein können.“ Jedenfalls nicht, wenn der Windpark tatsächlich Gestalt annehmen sollte. „Leider geht bereits der Bau der 380-kV-Hochspannungsleitung genau an der Grundstücksgrenze vorbei“, bedauert der Künstler. Zusammen mit dem Windpark würde die Doppelbelastung „für alle Bewohner und Gäste des Hofes unerträglich“, befürchtet er. Prinzipiell sei gegen Windräder zur Gewinnung alternativer Energie ja nichts einzuwenden. Allerdings sei mittlerweile augenscheinlich jegliches Maß verloren gegangen. „Die Natur, welcher wir angehören, wird missbraucht und ohne jede Rücksicht übergriffig vergewaltigt. Kaum ist es in der norddeutschen Tiefebene noch möglich, ungehindert seinen Blick über die Weite der Landschaft schweifen zu lassen. Massenweise schossen die Masten aus dem Boden und bringen der Profitgier ihren Zoll. Nachts flimmert die gesamte Landschaft mit Tausenden von Blinklichtern wie das Rotlicht von Sankt Pauli. Weder Mensch noch Tier kommt wirklich tief zur Ruhe“, äußert sich der Künstler kritisch. Er hat im Übrigen schon um Unterstützermails an skulpturgraphik@ gmail.com gebeten, um zu erreichen, dass die Windräder nicht gebaut werden, damit der Rolandshof weiterhin „zu kulturellen, heilenden wie erholsamen Projekten zur Verfügung steht“.

Zu den sieben bereits in Spradau existierenden Anlagen sollen sechs weitere hinzukommen. Das streben die Bürgerwind Winkelsett GmbH & Co. KG sowie die Zweite Spradau Wind GmbH & Co. KG an. Momentan wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung (samt Öffentlichkeitsbeteiligung) nachgeholt, deren Fehlen Anwohner nach landkreisseitiger Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung beanstandet hatten. Einwendungen sind noch bis zum 23. Mai möglich. Ein Erörterungstermin, bei dem die Einwender zu Wort kommen, folgt am 26. Juni, 14 Uhr, im Kreishaus in Wildeshausen. Die Entscheidung, ob und – wenn ja – wie gebaut werden darf, könnte nach aktueller Lage der Dinge rund vier Wochen später fallen.

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