Kriegszeugen vom Kartoffelacker 

Verborgen unter Feldsteinen: Geschosshülse und Aufschlagzünder

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Aufmerksamen Augen nicht entgangen: diese Geschosshülse mit deutlichen Zündspuren.

Hölingen - Von Christian Hannig. Bei der Kartoffelernte anfallende Feldsteine, die an der Hunte bei Hölingen bis zur weiteren Verwendung zwischengelagert werden, bergen oft überraschende Funde in sich. Aufmerksame Augen haben in den Steinhaufen schon Fossilien oder bäuerliche Kulturgegenstände entdeckt, auch Keramik und altes Delfter Porzellan. Ebenso Gewichte. Eins davon trägt sogar den Namen des Erbauers des ersten deutschen Eisenpfluges von 1850. Jener kreative Geist hieß Rudolph Sack, machte als erfolgreicher Maschinenbauunternehmer von sich reden und lebte von 1824 bis 1900.

Zu den besonderen Funden inmitten der Steine zählt ferner ein Hufeisen von ungewöhnlicher Form mit erkennbaren Resten eines Wappens. Mit solchen Eisen wurden sicher keine gewöhnlichen Ackergäule beschlagen – eher schon Pferde aus königlichem oder fürstlichem Besitz.

Nach Abschluss der diesjährigen Kartoffelernte brachte die Sondierung des Feldsteinhaufens erneut sehr Überraschendes zutage: Deutlich sichtbar ragte eine Geschosshülse heraus. Der Einschlag im Bereich des Zünders verriet, dass es sich – zum Glück – nicht um „scharfe“ Munition handelte. Eine Vermessung der Hülse ergab: Sie ist einer Flugabwehrkanone zuzuordnen, wie sie die Firma Rheinmetall als „Flak 30“ für die Deutsche Wehrmacht und den Einsatz im Krieg entwickelte.

Dieses rostige Stück entpuppte sich als Aufschlagzünder für Sprenggeschosse der leichten Feldhaubitze.

Erheblich schwieriger gestaltete sich die Identifizierung eines anderen Fundstücks. An dem Objekt, das zunächst anmutete wie ein rostiges Stück Eisen, fiel eine dornartige Verlängerung auf. Die Reinigung mit einer Bürste ließ indes ein anderes Metall durchschimmern: Ein Kern aus Messing offenbarte sich in dem etwa 500 Gramm schweren Gebilde. Nunmehr sichtbare Vertiefungen nährten einen ersten Verdacht...

Beim Reinigen mit der Bürste offenbarte sich der Messingkern des Zünders.

Sprengstoffexperten wurden gesucht und nahmen sich der Sache an. Eine in der Nähe von München ansässige Spezialfirma bekam Fotos des Fundes mit Maßangaben übermittelt. Die Antwort der „EMC Kampfmittelbeseitigungs GmbH“ bestätigte den Anfangsverdacht: Bei dem Objekt handelt es sich um den deutschen Aufschlagzünder „Typ 1“. Der kam laut Expertise im Zweiten Weltkrieg für Sprenggeschosse der leichten Feldhaubitze zum Einsatz.

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