Besuchs- und Betretungsverbot stellt den Albertushof vor große Herausforderungen

Kreativität wird mit Solidarität belohnt

Die früh eingeläuteten Schutzmaßnahmen haben sich bislang bewährt: Noch hat sich niemand auf dem Albertushof mit dem Coronavirus angesteckt, und noch zeigt niemand Infizierungssymptome. Die Mitarbeiterschaft sowie die geistig behinderten Bewohner wünschen sich sehnlichst, weiterhin gesund zu bleiben. Fotos: Albertushof

Groß Ippener – Das wegen der Coronakrise verfügte Besuchs- und Betretungsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen trifft den Albertushof in Groß Ippener hart – und stellt ihn vor große Herausforderungen. Umso erfreuter sind die Beschäftigten des Behindertenwohnheims mit Tagesförderung, wie gut es allen Beteiligten gelingt, das Leben Tag für Tag mit viel Gemeinsinn zu meistern. Dabei erfährt die Einrichtung eine ausgesprochen ermutigende Welle der Solidarität.

Völlig überraschend kam dieser Tage ein Anruf der Gartenbaufirma Coldewey. Das Delmenhorster Unternehmen, zu dem auch eine Baumschule gehört, kündigte dem Albertushof eine große Lieferung Frühlingsblumen „gegen den Corona-Blues“ an. Als Geschenk. Als Spende für die Menschen mit Behinderung, die auf dem Albertushof leben, aber ebenso für die engagierten Kräfte, die dort arbeiten.

„Coldewey musste – wie viele andere auch – den Verkauf von Blumen und Pflanzen aufgrund der Coronapandemie vorerst einstellen. Um die Frühlingsblüher jedoch nicht verkommen zu lassen, kamen die Inhaber auf die charmante Idee, sie an gemeinnützige Einrichtungen zu verschenken. Davon haben wir profitiert“, erzählt Einrichtungsleiterin Susanne Jaekel.

Das ganze Wochenende über hätten die Menschen auf dem Albertushof sämtliche Rabatten und Beete bepflanzt. Das Ergebnis macht Jaekel glücklich: „Es ist wunderbar bunt und frühlingshaft hier“, schwärmt sie und ergänzt: „Wir liegen ohnehin sehr idyllisch am Rande der Wildeshauser Geest. Angesichts der vielen Blumen muss man einfach gute Laune haben – dem Coronavirus zum Trotz!“

Doch das kann nach Jaekels Worten nicht über die schwere Zeit hinwegtäuschen, die momentan die Bewohner durchleben. „Die Beschränkung sozialer Kontakte trifft Menschen mit Behinderung doppelt hart, da ihre Teilhabe ohnehin nicht selbstverständlich ist“, weiß die Einrichtungsleiterin.

Zu den Hauptaufgaben der Fachkräfte gehört es derzeit, den geistig behinderten Bewohnern den Ernst der Situation einfühlsam zu verdeutlichen. „Wir arbeiten viel mit einfacher Sprache, Bildkarten und Piktogrammen. Besonders wichtig ist der Erhalt der Tagesstruktur, denn die gibt Halt und Stabilität“, betont die Einrichtungsleiterin. Die vorsorgliche Schließung der Tagesförderstätten und Werkstätten habe den Alltag der Albertushof-Bewohner total verändert, verschweigt sie nicht. „Gesellige Anlaufpunkte sind geschlossen und alle Freizeitangebote auf Eis gelegt. Niemand darf das Gelände verlassen, das zum Glück groß und gut ausgestattet ist“, bringt Jaekel die Sachlage auf den Punkt.

Lobend unterstreicht sie die Kreativität der Mitarbeitenden in Zeiten der Krise. Besonders erfreulich: Ideenreichtum wird mit Solidarität belohnt. Davon berichtet Caro Hollwedel, die einen Aufruf in der Facebookgruppe „Wir sind Berne“ startete: „Ich fragte nach ungenutzten Materialien wie DVDs, Spielen, Malsachen, Büchern, Puzzles und dergleichen. Nicht im Traum hätte ich die große Resonanz erwartet, die folgte“, sagt sie. Um die zahlreichen kleinen Spenden für den Albertushof in Empfang nehmen zu können, vereinbarte die Mitarbeiterin einen Sammelpunkt an einer Bushaltestelle im Elsflether Ortsteil Huntebrück. Dort lagen dann Tag für Tag gut erhaltene Bücher, Spiele und DVDs, die Caro Hollwedel und ihre Kinder einsammelten, sodass sie jetzt den Bewohnern des Albertushofes zur Verfügung stehen.

„Es ist schön, zu sehen, wie das Gemeinschaftsleben nun in erster Linie in den Wohngemeinschaften stattfindet“, findet Susanne Jaekel. „Hier wird zusammen gekocht und gebacken. Musik und Spiele stehen verstärkt auf dem Programm. Ein bisschen länger schlafen können auch alle.“

Der Albertushof, so vermeldet Jaekel am Rande, suche übrigens noch junge Erwachsene, die nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren möchten. „Wir zahlen 658 Euro plus Sozialversicherung“, erläutert die Einrichtungsleiterin. Alles Nähere ist unter der Rufnummer 04221/926 211 oder per Mail zu erfragen.

Bewerbungsgespräche würden wegen der Kontaktsperre aktuell über Skype geführt, erläutert Jaekel.

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