AUS DEM GERICHT 20-Jähriger richtet in Klein Köhren knapp 40 000 Euro Schaden an / Trunkenheitsfahrt?

„Kopflos“ nach Unfall geflüchtet: Vier Monate Fahrverbot

Nur noch Schrottwert: Der Leihwagen wurde bei dem Unfall schwer beschädigt.
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Nur noch Schrottwert: Der Leihwagen wurde bei dem Unfall schwer beschädigt.

Klein Köhren/Wildeshausen – Jugendsünden hat ja jeder begangen, aber das ist schon ein starkes Stück: Ein 20-jähriger Autofahrer krachte im April 2019 durch einen Grundstückszaun in Klein Köhren, richtete einen Schaden von knapp 40 000 Euro an und machte sich dann einfach aus dem Staub. Die Sache fand jetzt ein juristisches Nachspiel: Das Amtsgericht Wildeshausen verurteilte den jungen Mann, der nun in der Kreisstadt lebt, wegen Unfallflucht zu einem viermonatigen Fahrverbot.

Außerdem muss er sich mit Unterstützung des Vereins „Brücke“ mit seinen Taten auseinandersetzen. Zur Unfallflucht kam nämlich noch das Vortäuschen einer Straftat hinzu. Des Weiteren werden die Geschädigten, die Leihwagenfirma Sixt und die Hausbesitzerin, wohl den Schaden gegenüber dem Angeklagten geltend machen. Der Wildeshauser war geständig; er räumte beide Vorwürfe ein. Zur Sache an sich wollte er sich aber persönlich nicht äußern. Stattdessen verlas sein Verteidiger eine Erklärung. Gemeinsam mit Freunden sei der 20-Jährige mehrere Stunden auf einer privaten Feier in Beckeln gewesen, um dann gegen 3 Uhr mit dem Auto zurückzufahren. Dabei habe er in einer scharfen Linkskurve in Klein Köhren die Kontrolle über den Wagen, einen Škoda Superb, verloren und den Zaun durchbrochen. Im Vorgarten eines Hauses sei der Wagen zum Stehen gekommen.

Durch den Unfall geschockt, habe sein Mandant unüberlegt gehandelt und sei „kopflos“ in Richtung Harpstedt gerannt, wo er bei einem der beiden Mitfahrer übernachtet habe. Unterwegs habe er seine Mutter angerufen und berichtet, das Auto sei gestohlen worden. Letzteres war im Sinne des Gesetzes das Vortäuschen einer Straftat, denn die Hausbesitzerin rief natürlich die Polizei. Die Beamten fanden recht schnell, wer das Auto geliehen hatte. Erst standen die sie bei der Mutter des Angeklagten vor der Tür, dann bei dessen Kumpel, wo er übernachtet hatte. Und der 20-Jährige erzählte die gleiche Räuberpistole, die er schon seiner Mutter aufgetischt hatte.

Über diese Erklärung hinausgehende Nachfragen der Richterin oder des Staatsanwalts lehnte der Angeklagte – beziehungsweise dessen Verteidiger – ab. Allerdings stand durchaus im Raum, ob es sich nicht um eine Trunkenheitsfahrt gehandelt haben könnte. Denn die Polizisten hatten den Angeklagten „pusten“ lassen und am Morgen nach der Tat einen Atemalkoholwert von 0,32 Promille ermittelt. Allerdings verzichteten sie auf die Entnahme einer Blutprobe; insofern tat die Räuberpistole des jungen Mannes durchaus ihren Dienst, auch wenn die Beamten sie später durchschauten.

Vor Gericht wurde einer der Beifahrer zum Genuss von Alkohol auf der Party befragt. Erst sagte er, er selbst habe gar nichts getrunken, dann war die Rede von zwei, drei, vier Bier. Alle anderen hätten Schnaps konsumiert. Außer dem Angeklagten. „Soweit ich es gesehen habe, hat er nichts getrunken“, sagte der 19 Jahre alte Zeuge und blieb auch dabei. Wie es zu den 0,32 Promille am Morgen nach der Feier gekommen war, blieb während der Verhandlung offen. Interessant in diesem Zusammenhang: Der Angeklagte versuchte noch, sich über einen anderen Kumpel ein Alibi für die Unfallfahrt zu besorgen. Das belegten Chat-Protokolle zwischen den beiden.

Der Staatsanwalt forderte die Entziehung der Fahrerlaubnis für ein Jahr. „Sie waren alkoholisiert“, stand für ihn fest. „Wir wissen allerdings nicht, wie stark.“ Außerdem sei es nur dem Zufall geschuldet gewesen, dass bei dem Unfall niemand verletzt wurde. Der Verteidiger betonte derweil: „Wir haben keine Informationen zu einem Nachtrunk.“

Die Richterin beließ es dann bei vier Monaten ohne „Lappen“. Sie gestattete eine Ausnahme: Der Angeklagte darf währenddessen ein Mofa benutzen, damit seine Ausbildung nicht gefährdet wird. Möglicherweise kann er sich ja für diesen Zeitraum ein motorisiertes Zweirad leihen. Nur vielleicht dann doch besser nicht bei Sixt...  bor

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