Kontrastreiches für die Seele

Tango-Konzert in der Harpstedter Christuskirche

Bereiteten dem Publikum in der Kirche einen bezaubernden Nachmittag und Abend: Juan María Solare und Gudrun Zelle. - Foto: aro

Harpstedt - Wer am späten Sonntagnachmittag argentinischem „Tango picante“ in der Harpstedter Christuskirche lauschte, entging zum einen der großen Hitze und erlebte zum anderen ein großartiges Programm mit Melodien zwischen traurig-verzweifelt und lustig-frech. Juan María Solare und Gu-drun Zelle verstanden es, die im Tango verschmelzenden kulturellen Einflüsse auf den Punkt zu bringen. Sie kehrten eindrucksvoll die Universalität dieser die Seele ansprechenden Fusion von Musik, Gesang, Tanz und Geschichte nach außen.

Der in Buenos Aires geborene, seit 25 Jahren in Deutschland und aktuell in Bremen lebende Pianist Solare komponiert auch selbst, wobei ihn Kontraste wie Süden und Norden, Tradition und Moderne, Kraftvolles und Zartes besonders faszinieren. Als Dirigent leitet er die Bremer Orchestergemeinschaft sowie das Tangoorchester der Universität Bremen. Er bereicherte das Konzert in Harpstedt mit fünf Eigenkompositionen, die – wie viele andere seiner etwa 555 Stücke in den Genres Tango und Neoklassik – auf Spotify, Deezer oder Youtube zu hören sind. Von seinen knapp 20 digitalen Alben sind zwei auf CD gepresst worden. Die Harpstedterin Gudrun Zelle singt seit ihrer Jugend. Sie begeisterte sich früh für internationale Musik, die sie auf Reisen in Asien und Amerika kennenlernte. Seit sechs Jahren singt sie im Orquesta no típica an der Uni Bremen und in der Tanz-Band Tango on tiento (mit Max Peschek) sowie dem Bremer Community Tango Orchester. Zusätzlich erhält sie seit drei Jahren Einzelcoaching im Tango-Gesang.

Als erste Darbietung bekamen die Besucher „Buscándote“ zu hören – und danach „La uva“ (die Traube), eine selbstironische Geschichte einer einseitigen Liebe. Solare spielte im Anschluss das energiegeladene, dicht komponierte „We never close“. Bei der „Balada para un loco“ (Ballade für einen Verrückten) wurde der Text in deutscher Sprache gesprochen.

Während einer Pause bot der Freundes- und Förderverein der Christuskirche Wein und Kaltgetränke an. Weiter ging es mit „Milonga del ángel“ von Solare, der diesmal allerdings Orgel spielte. „Sie müssen sich unbedingt auf Youtube sein spektakuläres Orgel-Video dazu ansehen!“, ermunterte Zelle die Zuhörer nach der Einlage.

„Si soy así“, eigentlich von einem Mann gesungen, servierte die Sängerin in einer umgedichteten Variante über die Mona Lisa. Das Lied „Yo soy María“ (Ich bin María) aus der Astor-Piazzolla-Oper „María de Buenos Aires“ hat bereits 50 Jahre auf dem Buckel. Schon auf Deutsch präsentiert, kam die Arie beim Publikum fantastisch an – als Zugabe in spanischer Sprache vorgetragen, erntete sie brandenden Applaus.

„Im Gepäck hatten wir heute durchaus ernstere Themen mit auftauchenden Problemen, aber natürlich auch viele Liebeslieder“, so Zelle. Da die beiden Künstler aufeinander eingespielt sind, bedurfte es für das Konzert keiner besonders zeitaufwendiger Proben.

• Freunde der klassischen Musik können sich schon mal einen Termin in ihren Kalender eintragen: Am 24. März kommenden Jahres wird die Bremer Orchestergemeinschaft ab 17 Uhr ein Gastspiel in der Christuskirche geben; geplant ist dann die Uraufführung eines Klavierkonzertes von Juan María Solare. - aro

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