Harpstedter Schiedsmann Heinz-Jürgen Greszik entlastet die Gerichte

Aus Konflikten stabile Beziehungen entwickeln

Schiedsmann Heinz-Jürgen Greszik. - Foto: Petzold

Harpstedt - Von Phillip Petzold. Beleidigung, Bedrohung und Sachbeschädigung, aber auch Überhang von Bäumen und Sträuchern – solcher Konflikte nimmt sich Heinz-Jürgen Greszik ehrenamtlich an. Der Pensionär ist seit 2014 Schiedsmann der Samtgemeinde Harpstedt.

„Meine Arbeit zielt darauf ab, die Ziele der Konfliktparteien gemeinsam zu erreichen. Ohne Gewinner oder Verlierer“, erläutert Greszik. Das ganze Schiedsverfahren ist darauf ausgerichtet, dass sich die Streitenden einvernehmlich einigen und damit eine belastbare Basis für einen dauerhaften Frieden schaffen. Solche Vereinbarungen sind für den Schiedsmann das schönste Ergebnis. Im vergangenen Jahr ist ihm dies in drei von fünf Fällen auch gelungen. „Es geht dabei um ein hehres Ziel: ein gutes Miteinander auf Dauer“, erklärt der 68-Jährige.

Werde ein Streitfall vor Gericht verhandelt, verhärteten die Fronten nämlich rasch. Außerdem stehe am Ende eines Verfahrens ein eindeutiger Verlierer da, was die Akzeptanz beeinträchtigte.

Streiten beispielsweise Nachbarn miteinander, die Tür an Tür wohnen, führten Gerichtsprozesse oft dazu, dass ihr Verhältnis dauerhaft vergiftet wird. Um das zu vermeiden verfolgt die Streitbeilegung durch Schiedspersonen einen ganzheitlichen Ansatz: „Es geht darum, die Wurzeln eines Streits zu erkennen und dort anzusetzen. Denn die gehen häufig tiefer als der aktuelle Streit“, erzählt Greszik.

Wird eine Vereinbarung getroffen, ist diese 30 Jahre gültig und auch vollstreckbar. Schließlich haben sich beide Parteien einvernehmlich darauf verständigt. Eine Schiedsperson entscheidet nämlich nichts, sondern lenkt lediglich den Verständigungsprozess. Wie die Übereinkunft schließlich aussieht, liegt ganz in den Händen der Kontrahenten.

Doch nicht alle Auseinandersetzungen enden mit einer Vereinbarung. Bei sogenannten „Tür- und Angelfällen“ führt der 68-Jährige getrennte Vermittlungsgespräche und versucht, dadurch die Situation zu entspannen. „Verbindliche Verfahren sind mir allerdings lieber“, sagt Greszik. „Dabei ist die Zuverlässigkeit höher.“

Nach zwei Jahren im Amt ist der ehemalige Kommunalbeamte fest von den Vorteilen des Schiedsamtes überzeugt: „Die Gerichte sind oft überlastet und Verfahren auch deutlich teurer.“ Doch nicht alle belasteten Beziehungen seien für ein Schiedsverfahren geeignet – Ehen und Arbeitsverhältnisse werden dort nicht verhandelt.

Eine Schlichtung kostet nie mehr als 100 Euro. Ausgaben für Porto und Fahrtkosten bekommen Schiedspersonen erstattet, außerdem erhalten sie eine Aufwandsentschädigung. Gewählt werden sie auf fünf Jahre vom Rat der Gemeinden. Diese sind in Niedersachsen dazu verpflichtet, Schiedsämter zu unterhalten. Diese Institutionen gab es schon ab 1827 in Preußen. Auf die damalige Verordnung geht auch das heute geltende Gesetz zurück.

Weitere Informationen gibt es im Internet.

www.harpstedt.de

www.schiedsamt.de

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