Serie: Mit Klimawandel umgehen

Wegen des Klimawandels: Ochtumverband in Harpstedt will zukünftig Wasser auffangen

Pegel im Blick: An der Delme in Harpstedt steht eine der Messlatten, an denen der Ochtumverband den Wasserstand ablesen kann.
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Pegel im Blick: An der Delme in Harpstedt steht eine der Messlatten, an denen der Ochtumverband den Wasserstand ablesen kann.
  • Katia Backhaus
    vonKatia Backhaus
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Eine wichtige Aufgabe des Ochtumverbands ist es, dafür zu sorgen, dass Regen- und Hochwasser in die Nordsee abfließen. Doch auf einmal ist nicht zu viel, sondern zu wenig Wasser das Problem – vor allem in den heißen und trockenen Sommern. Wie geht der Verband damit um?

Auswirkungen des Klimawandels: Ochtumverband bestätigt „inzwischen weniger Nährstoffe in Gräben“

Harpstedt – Nur wenige hundert Meter trennen das Ufer der Delme im Flecken Harpstedt vom Sitz des Ochtumverbands an der Danziger Straße. Er ist dafür zuständig, dass das Wasser im benachbarten Flüsschen in Bewegung bleibt, beobachtet dessen Pegel und bewirtschaftet seine Böschungen. Erst vor Kurzem, berichtet Geschäftsführer Matthias Stöver, habe ein Hochwasser die Delmeniederung am Hotel „Zur Wasserburg“ bis zu 40 Zentimeter überflutet. Das ist kein Problem, die Gegend ist Überschwemmungsgebiet. Doch es zeigt, dass der Verband mit zu viel als auch mit zu wenig Wasser umgehen können muss.

Der Fokus liege inzwischen stärker darauf, das Wasser zu halten, erläutert Stöver. Im 479 Quadratkilometer großen Verbandsgebiet, das von der Weser über Delmenhorst bis nach Twistringen und Bassum reicht, gibt es ein weit verzweigtes Netz von Flüssen, Bächen und Gräben, die das Land vor Überschwemmung schützen sollen. Damit das gelingt, müssen sie möglichst frei gehalten werden. Pflanzen, die im Wasser wachsen oder sich von den Böschungen in die Gräben ausbreiten, sind ein mögliches Hindernis für den Abfluss. Das ist bei Hochwasser wichtig. Doch zugleich sorgt der Klimawandel für sinkende Pegelstände.

Eine praktische Konsequenz daraus sei, dass der Ochtumverband die Mahd deutlich nach hinten verschoben und reduziert habe, sagt Stöver. Noch vor zehn Jahren sei sowohl am Sommeranfang als auch im Herbst gemäht sowie hinderliches Grün aus Bächen und Flüssen entfernt worden. Inzwischen fingen sie damit erst Ende August oder Anfang September an. Diese Verschiebung habe damit zu tun, dass inzwischen weniger Nährstoffe in den Gräben landeten und das Wachstum des Grüns damit geringer sei. Doch vor allem gehe es darum, dass etwa Regen langsamer Richtung Nordsee abfließt und mehr davon versickern kann.

Ochtumverband will überschüssiges Wasser auffangen - Speicherung im Rückhaltebecken ausgeschlossen

Gleichzeitig könne der Verband nicht einfach alles wuchern lassen: Denn die Pflanzen verbrauchten Sauerstoff, den andere Organismen in den Gewässern zum Überleben bräuchten. Auch Teile des Grünschnitts, der bei den Arbeiten an Böschung und Ufer anfiele, lande unvermeidlich im Graben und müsse dort abgebaut werden – ein weiterer Prozess, der dem bei Hitze sowieso sauerstoffarmen Wasser den wichtigen Nährstoff entzieht. Deshalb vermeide der Ochtumverband nun auch die Mahd an besonders heißen Tagen. Gegen Niedrigwasser könne er jedoch nichts tun: „Das können wir nur feststellen.“ Erst kürzlich wertete der Ochtumverband den Klosterbach im Bassumer Gebiet mit verschiedenen Maßnahmen auf.

Was muss in Zukunft geschehen? „Es geht ein Stück weit darum, dass wir das Wasser, das überschüssig ist, versuchen aufzufangen“, sagt Stöver. Viele tausend Millionen Liter flössen sonst einfach so in die Nordsee ab. Zwar habe der Verband ein Rückhaltebecken, das bis zu 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen könne – doch das liege normalerweise trocken und soll im Notfall Überflutungen vermeiden. Es einfach als Speicher zu nutzen, sei keine Option: „Dann haben wir keinen Hochwasserschutz mehr.“ Und auch der sei wichtig. Denn der Klimawandel bringe nicht nur Trockenheit im Sommer, sondern auch viel Regen im Winter mit sich.

Serie: Mit Klimawandel umgehen

Folge 4: Der Ochtumverband

Ein heißer und trockener Sommer ist zu erwarten – der dritte in Folge. Die aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes deuten darauf hin: Der April 2020 war der zweittrockenste April in Deutschland seit 1901, in Niedersachsen fiel nur etwa ein Drittel des Regens, der zwischen 1981 und 2010 herunterkam. Auch der Mai gehört zu den Top Ten der trockensten Vergleichsmonate in Deutschland seit 1901.

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