TenneT-Infozentrum zu 380-kV-Leitungsbau

EKIZ-Eröffnung für 30. Juni ins Auge gefasst

Auch Erdkabel zum Anfassen hält das Infozentrum in Klein Henstedt bereit. Die Eröffnung ist nach Angaben von TenneT-Bürgerreferent Oliver Smith für den 30. Juni avisiert. Bis dahin kann das EKIZ online besucht werden.
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Auch Erdkabel zum Anfassen hält das Infozentrum in Klein Henstedt bereit. Die Eröffnung ist nach Angaben von TenneT-Bürgerreferent Oliver Smith für den 30. Juni avisiert. Bis dahin kann das EKIZ online besucht werden.

Klein Henstedt/Ganderkesee/St. Hülfe – Wann ist die 380-kV-Leitung von Ganderkesee zum St. Hülfer Neufeld fertiggestellt? Was gibt es demnächst im Erdkabel-Informationszentrum (EKIZ) in Klein Henstedt zu sehen? Und wann wird es überhaupt eröffnet? Solche und weitere Fragen hat Oliver Smith, Bürgerreferent bei der Übertragungsnetzbetreiberin TenneT, im Interview mit unserer Zeitung beantwortet.

Frage: Die Arbeiten an der 380-kV-Höchstspannungsleitung von Ganderkesee zum St. Hülfer Neufeld machen sichtbare Fortschritte. In der Samtgemeinde Harpstedt ist der Verlauf komplett oberirdisch. Lässt sich eine Inbetriebnahme der Leitung absehen, Herr Smith?

Smith: Geplant ist sie jetzt fürs erste Quartal 2023. Ein erster Erdkabelabschnitt führt – ausgehend vom Umspannwerk Ganderkesee – bis zur Kabelübergangsanlage (KÜA) Ganderkesee-Süd. Dort schließt ein Stück Freileitung an. Dann folgt ein weiterer Erdkabelabschnitt, der wiederum von der KÜA Havekost bis zur KÜA Klein Henstedter Heide reicht.

Frage: Letztere wird nun gebaut?

Smith: Die Baufeldfreimachung ist im Gange. Da sieht man im Moment aber noch nicht sehr viel.

Frage: Die Kabelübergangsanlagen sollen mit Blick auf ihren Flächenverbrauch recht imposante Baukörper sein. Trifft das zu?

Smith: Ihre Größe hängt davon ab, wie sie technisch ausgerüstet sein müssen. In Dickel-West mussten wir etwas größer bauen als bei Klein Henstedt, weil wir dort eine gewisse Blindleistungskompensation haben: Wir benötigen Technik, um Lastenflüsse besser steuern zu können. Das dient sowohl der Betriebssicherheit als auch der Sicherheit des Stromflusses.

Frage: Wie viel Erdkabel wird auf der rund 60 Kilometer langen Trasse verlegt?

Smith: 13 Kilometer. Zusätzlich zu den beiden Abschnitten auf Ganderkeseer Gemeindegebiet gibt es einen dritten von Dickel-West bis direkt ins Umspannwerk St. Hülfe.

Frage: Wie viele Kabelübergangsanlagen brauchen Sie? Vier?

Smith: Ja. Eigentlich benötigt man am Anfang und am Ende eines Erdkabelstücks jeweils eine. Macht sechs bei drei Kabelabschnitten. Wegen der beiden Umspannwerke reduziert sich das auf vier.

Da reden wir jedenfalls nicht von Verlustraten um 20 oder auch nur zehn Prozent.“

Oliver Smith

Frage: Sind mit den KÜA sowie dem teils ober- und teils unterirdischen Leitungsverlauf nicht erhebliche Stromverluste verbunden?

Smith: Das hält sich in Grenzen. Da reden wir jedenfalls nicht von Verlustraten um 20 oder auch nur zehn Prozent. Man muss aber betonen, dass wir uns bei der Trasse Ganderkesee–St. Hülfe, auf der Drehstrom-Höchstspannungsebene, in einem Pilotprojekt bewegen, was Erdkabel angeht.

Frage: Es hätte doch auch die Option HGÜ gegeben, also die Möglichkeit der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Während der langwierigen Planverfahren ist davon aber nie etwas in der Öffentlichkeit zu hören gewesen. Warum kam diese Alternative nicht in Betracht?

Das ist eine recht komplexe Gemengelage.“

Oliver Smith

Smith: Wir haben in Deutschland ein Drehstromnetz. Auch in den Haushalten kommt final Drehstrom an, wenngleich er klassischerweise als Wechselstrom bezeichnet wird. Darauf basiert also letztlich unser ganzes Grundnetz mit den eingebundenen Umspannwerken, die von der höchsten Spannungsebene bis ins Ortsnetz heruntertransformieren. Der Vorteil dabei: Wir können Stromflüsse steuern. Wir haben bei Weitem nicht so viele Gleich- wie Drehstromverbindungen. HGÜ ist sozusagen eine Ergänzung und findet bei sehr langen Strecken Anwendung. Bekannte Beispiele dafür sind der SüdLink der TenneT, der längs durch die Republik läuft, und A-Nord von Amprion zwischen Emden und Meerbusch-Osterath in Nordrhein-Westfalen. Mit dem B-Korridor* wird es zukünftig ein weiteres Gleichstromprojekt der TenneT geben. Das alles sind Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Da haben wir keine Umspannwerke und verteilen die Energie auch nicht. Heißt: Zwischen Punkt A und Punkt B passiert mit Ausnahme der reinen Stromdurchleitung nichts.

Frage: Welche TenneT-Pilotleitungsprojekte sind schon in Betrieb?

Smith: Das ist eine recht komplexe Gemengelage. Wilhelmshaven–Conneforde läuft. Dörpen/West–Niederrhein steht in den Startlöchern. Dort muss die Amprion noch anschließen. Was die Leitung Emden/Ost–Conneforde angeht, so sind zumindest Teile des Projekts in Betrieb. Das war mal eine 220-kV-Bestandsleitung. Die wurde im Zuge von Netzertüchtigung und Neubau dann auch mit Erdkabelabschnitten versehen. Die alte Leitung wird nach jetzigen Plänen Anfang 2022 zurückgebaut. Weil die Erdkabeltechnologie auf der Höchstspannungsebene nach wie vor ein Novum ist, müssen wir sie unter betriebs-, wartungs- und sicherheitstechnischen Aspekten testen. Dabei reicht es aber keineswegs aus, die einzelne Leitung isoliert für sich zu betrachten. Man muss immer das Netz „mitdenken“.

Information in Form von erklärenden Videos, anschaulichen Grafiken und Modellen mit Einblicken auch in die Bauarbeiten zur Einbettung des Erdkabels im Gelände verspricht Übertragungsnetzbetreiberin TenneT.

Frage: Ist der „Freileitungsabschnitt Nord“, also der Leitungsteil, der innerhalb der Samtgemeinde Harpstedt durch die Gemeinden Prinzhöfte, Winkelsett und Colnrade verläuft, inzwischen fertiggestellt?

Smith: Ja, und der südlich anschließende ist gerade im Bau. Da haben wir mittlerweile zwischen 60 und 70 Prozent Fertigstellung erreicht.

Das EKIZ, das wir entwickelt hatten, ist nun von Dankern nach Klein Henstedt ,rübergewandert‘.“

Oliver Smith

Frage: In Klein Henstedt, Kehrtau 2, hat die TenneT ein Erdkabel-Informationszentrum zum Leitungsbauprojekt Ganderkesee–St. Hülfe eingerichtet, das „erklärende Videos, anschauliche Grafiken und interessante Modelle“ verspricht, allerdings vorerst wegen Corona nur online besucht werden kann. Dieses EKIZ, so die Abkürzung, war aber eigentlich für ein anderes Projekt kreiert worden. Handelt es sich also um eine Art Wanderausstellung?

Smith: Ja, so könnte man das bezeichnen. Was hier zu sehen ist, stammt von unserem 380-kV-Leitungsbauprojekt Dörpen/West-Niederrhein, das – zumindest seitens der TenneT – inzwischen abgeschlossen ist. Das EKIZ, das wir dazu entwickelt hatten, ist nun von Dankern nach Klein Henstedt „rübergewandert“.

Frage: Was konkret gehört an „greifbaren“ Exponaten dazu?

Smith: Natürlich Erdkabel im Querschnitt. Ferner eine Muffe, die zwei Kabelstücke zusammenführt. Aber ebenso auch Freileitungsexponate. Zumal Freileitung und Erdkabel auf der 380-kV-Trasse Ganderkesee–St. Hülfe, auf die das EKIZ Bezug nimmt, ja Hand in Hand gehen.

Frage: Für wie lange hat die TenneT das Gebäude in Klein Henstedt angemietet?

Smith: Bis in das Jahr 2023 hinein – für die Dauer des Leitungsbauprojektes. Das EKIZ hat sich für uns als eine tolle Sache herausgestellt. Als gute Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die projektbezogene Fragen haben. Das Erdkabel-Informationszentrum dient als Plattform für die Begegnung von Eigentümern und Landnutzern der beanspruchten Flächen, ebenso für Verbände, Verwaltungen und die Politik sowie alle anderen Interessenten. Es gibt verschiedene Abteile mit Schauwänden. Veranschaulicht wird etwa, wie ein Freileitungsanschluss mit Kabelübergangsanlage und ein Erdkabelgraben aussehen. Die Rohrverlegung per Horizontal-Spülbohrverfahren** ist ein weiteres Thema, das wir ebenfalls erklären. Dazu muss man wissen, dass 380-kV-Erdkabel nicht einfach so unter der Erde verlegt, sondern in Leerrohre eingezogen wird. Das erleichtert Instandsetzungen deutlich, sollten sie erforderlich sein.

Über die Corona-Verordnungen hinaus, die für die Landkreise gelten, haben wir als Übertragungsnetzbetreiber besondere Sicherheitsanforderungen einzuhalten.“ 

Oliver Smith

Frage: Ab wann werden dieser Blick hinter die Kulissen, die Infos aus erster Hand und die Technologie zum Anfassen direkt vor Ort erlebbar sein? Oder schlichter formuliert: Wann macht das EKIZ auf?

Smith: Wir haben den 30. Juni im Visier. Wir besprechen das Thema gerade intern. Vielerorts wird schon gelockert und geöffnet. Der Raum, in dem sich unsere Ausstellung befindet, ist aber relativ begrenzt. Wir hatten daher darüber nachgedacht, vielleicht schrittweise zu öffnen und eventuell zunächst nur Zweiergruppen einzulassen. Das genaue Konzept müssen wir zusammen mit unserer Arbeitssicherheit erarbeiten. Über die Corona-Verordnungen hinaus, die für die Landkreise gelten, haben wir als Übertragungsnetzbetreiber nämlich auch besondere Sicherheitsanforderungen einzuhalten. Das erklärt sich mit der Systemrelevanz der Energieversorgung.

*Anmerkung der Redaktion: Zwei Erdkabel-Verbindungen sollen ab 2030 Windstrom aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen transportieren.

** Anmerkung der Redaktion: Bei diesem Verfahren ohne Grabenaushub bohrt die Spülbohranlage zwischen zwei Gruben einen unterirdischen Kanal. Den anfallenden Boden spült eine Spezialflüssigkeit aus dem Bohrloch. Im zweiten Schritt werden zu verlegende (Leer-)Rohre an das Ende des Bohrgestänges geschraubt und rückwärts eingezogen.

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