Wegen Nötigung vor Gericht

Klassenfahrt endet in Tränen: Quad-Fahrer müssen sich verantworten

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Vor dem Amtsgericht Wildeshausen wurde wegen Nötigung verhandelt. 

Wildeshausen/Prinzhöfte - Es war ein warmer Tag im September vergangenen Jahres, als eine Klassenfahrt in der Gemeinde Prinzhöfte in Tränen endete. Drei Grundschulklassen hatten sich im Schullandheim „Große Höhe“ eingemietet. Die Kinder spielten auf einer Sandfläche, als unvermittelt zwei Quad-Fahrer aus einem schmalen Weg auftauchten. Was dann passierte, war am Montag Gegenstand einer Verhandlung vor dem Wildeshauser Amtsgericht, die mit Geldauflagen für die zwei Männer endete, die sich wegen Nötigung zu verantworten hatten.

Die beiden 41 Jahre alten Delmenhorster mit den vierrädrigen Geländefahrzeugen schilderten, dass sie sich verirrt hatten. „Wir wussten nicht, wo wir sind“, sagte einer der Männer, der vor Gericht das Reden für das Duo übernahm. Sie seien zufällig auf die Sandfläche gestoßen und hätten viele Kinder gesehen. „Wir wollten uns orientieren und sind einmal um die Kinder herumgefahren“, erzählte er weiter. Anschließend habe man einen Ausweg gefunden und sei weggefahren. Von Tränen bei den Mädchen und Jungen wollen die beiden nichts mitbekommen haben. „Die Kinder liefen lachend auf uns zu“, so der wortführende Delmenhorster.

Die zwei 34 und 27 Jahre alten Lehrerinnen der Drittklässler schilderten das Geschehen allerdings ganz anders. „Die Quads sind durch die Schüler gefahren“, sagte die 34-Jährige. „Ich bin aufgesprungen und hatte sofort heulende Kinder im Arm.“ Die Mädchen und Jungen seien „total verängstigt“ gewesen, ergänzte die 27-jährige Pädagogin. Wie schnell genau die beiden Männer unterwegs gewesen waren, vermochte keine der beiden Frauen präzise einzuschätzen. Schneller als Schrittgeschwindigkeit, waren sie sich allerdings einig.

Klassenfahrt sollte mit Kinderdisco und Pizzaessen enden

Nach ein paar Minuten war der Spuk vorüber und keines der Kinder verletzt worden. Die Lehrerinnen beruhigten ihre Schützlinge, die sich am letzten Abend der Klassenfahrt auf eine Kinderdisco und Pizzaessen gefreut hatten. Jetzt aber hatten viele Angst, dass sie „sterben und Mama und Papa nie wieder sehen“, sagte die 27-Jährige.

Auch der Leiter des Schullandheims war von Motorgeräuschen alarmiert zur Sandfläche geeilt. „Es war ein Bild des Chaos“, berichtete er dem Gericht von schreienden sowie weinenden Kindern. Er rief die Polizei und wartete auf deren Eintreffen.

Doch die Beamten ließen offenbar auf sich warten, und rund 20 Minuten später hörte der 49-Jährige die inzwischen verklungenen Motorgeräusche wieder. „Warum kommen die zurück?“, fragte er sich und befürchtete, dass die Männer den Kindern schaden würden. Er ging den Geräuschen entgegen und begegnete den Quads auf einem schmalen Weg. Er ließ sie zum Schein passieren, sprühte den Fahrern dann aber Pfefferspray ins Gesicht und flüchtete.

Herbergsleiter greift zum Pfefferspray

Die beiden Männer waren total überrascht, hatten Schwierigkeiten, sich zu orientieren, und Schmerzen. Sie schlugen sich zum Tagungshaus Mikado durch, wo sie ihrerseits die Polizei riefen. Die Beamten ermittelten, legten den Vorwurf der Körperverletzung gegen den 49-Jährigen aber zu den Akten. Wohl, weil es sich um eine Notwehrsituation gehandelt habe.

Das Gericht stand vor einer verworrenen Situation, da sich die Aussagen stark widersprachen. In einem nicht öffentlichen Rechtsgespräch einigten sich alle Parteien schließlich auf die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 800 und 600 Euro gegen die beiden Fahrer. „Sollten Sie mal wieder auf einem Quad unterwegs sein, meiden Sie Kinder“, gab die Richterin den beiden Delmenhorster noch mit auf den Weg.

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