Selbstverteidigung für Jungen / Viele Ferienspaßaktionen sind schon gelaufen

Klare Botschaften zu ernsten Themen

Helm und Protektoren dienten dazu, das Verletzungsrisiko im Skate- und Longboardkurs zu minimieren.
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Helm und Protektoren dienten dazu, das Verletzungsrisiko im Skate- und Longboardkurs zu minimieren.

Harpstedt – Die meisten Sommerferienspaßaktionen in der Samtgemeinde Harpstedt sind schon wieder Geschichte. Für den August verbleibt ein kleines Restprogramm.

Sportlich ging es kürzlich in der Harpstedter Delmeschule zu, wo Andrea Ney einen Selbstverteidigungskurs für Jungen leitete. Gemeinsam mit ihrem Unterstützer Paul Nienaber brachte sie zehn Teilnehmern im Alter von sieben bis zehn Jahren verschiedene Techniken bei. Los ging es mit einem abstandswahrenden Aufwärmprogramm. Karateübungen folgten, unter anderem das „dreiseitige Modell“. Gerade die räumlichen Karategriffe seien gut für das Gehirn, so Ney. „Die Jungs lernen zudem strukturierte Techniken – aber nur, um sich bei Bedarf wehren zu können“, betonte sie. In ihrer Arbeit mit Jugendlichen geht es ihr nicht ums Kämpfen, sondern vielmehr um die Selbstbehauptung in konfliktbehafteten Situationen.

Dazu passte ein im Kurs erarbeitetes Rollenspiel zum Thema Rassismus. Die Kernfragen dabei lauteten: „Wie gehe ich damit um, wenn jemand aufgrund seiner Hautfarbe gemobbt wird? Und wie würde ich mich selbst als Ausgegrenzter fühlen?“ Die Botschaft kristallisierte sich nach einigen Diskussionen heraus: „Sei gastfreundlich zu Menschen mit einer anderen Hautfarbe! Spreche eine Einladung aus, um Vorurteile abzubauen!“

Im weiteren Verlauf stand ein kleines Theaterstück zu einem richtig brisanten Thema auf dem Programm: sexuelle Übergriffe auf Kinder. Hier zeigte Andrea Ney altersgerecht – und ohne Angst zu erzeugen – mögliche und ratsame Auswege auf.

Zwischendurch tobten sich die Jungen draußen, auf dem Platz vor der Schule, bei einigen Spielen aus. Nach rund vier Stunden zogen sie ein durchweg positives Fazit. Tetje (7) fand die Spiele und die Karateübungen toll. Malik (7) hatte nach eigenem Bekunden bei aller Ernsthaftigkeit der Themen sehr viel Spaß. Dabei habe er sich doch eigentlich nur während der Ferien die Zeit vertreiben wollen. Für William (10) stand im Vordergrund, Techniken zu erlernen, um sich im Ernstfall verteidigen zu können. Moritz (7) fand die Selbstverteidigungseinheiten richtig cool. Für den zehnjährigen Justus war die Kursteilnahme keine Premiere. „Das erste Mal habe ich mitgemacht, weil Freunde von mir dabei waren. Danach, weil es mir sehr viel Spaß macht, und jetzt, weil ich weiß, wie ich mich wehren kann“, klang er in seinem Fazit schon richtig erwachsen.

Wie bremse ich richtig auf dem Board?

Das Wichtigste für Andrea Ney ist nach eigenem Bekunden, dass „jeder Junge gesehen und bestärkt wird“. Die Kursleiterin war voll des Lobes: „Es haben heute großartige, wunderbare Jungen mitgemacht“, schwärmte sie – in der tiefen Überzeugung, „viel Wissen“ vermittelt zu haben. Gefördert worden sei der Kurs seitens der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Harpstedt, Martina Wöbse.

Szenenwechsel: Voller Erwartung haben sich dieser Tage sechs Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren Protektoren und Helme übergestreift. Im Sommerferienspaß „Skate- und Longboard“ für Anfänger und Fortgeschrittene auf der „Busstraße“ zwischen den Harpstedter Schulen brachte ein Trainer der Skateschule „M  &  M Skating“ aus Bremerhaven ihnen coole Manöver und Tricks bei.

Doch auch hier ging es nicht ganz ohne einen „theoretischen Überbau“. Zunächst stand das Vermitteln der Grundtechniken auf dem Programm. Dazu gehören die richtige Körperhaltung und die Fußstellung. Sodann lernten die Kiddies, wie sie richtig Schwung geben und Kurven fahren. Vor allem aber bekamen sie erklärt, wie sie unfallfrei bremsen, was durchaus ein bisschen knifflig ist und Übung erfordert. Das Wichtigste dabei: Nach der Schwungphase den Fuß absetzen, schleifen lassen und dadurch zum Stehen kommen.

Der Aspekt, beim Skate- und Longboarden die Sicherheit auf den Straßen nicht zu gefährden, spielte im Kurs eine wesentliche Rolle. Gleichwohl blieb der Spaß keineswegs auf der Strecke, ganz im Gegenteil: Vorgeführte Tricks probierten die „Skate- und Longboarderinnen“ sogleich aus. Begeisterung sprach aus dem Resümee der Schwestern Alma (9) und Ida (12): „Mit hat das Wettrennen auf verschiedene Arten sehr viel Spaß gemacht – entweder mit Händen und Füßen angeschoben oder im Sitzen“, sagte Alma. Für Ida war der Kurs kein Neuland. Obgleich sie einiges schon kannte, konnte sie dem Ferienspaß viel abgewinnen: „Das Üben der Bremstechnik, einfaches Fahren und dabei lenken sowie neue Tricks waren cool. Wir haben auch den Unterschied zwischen Skate- und Longboard erfahren. Das Skateboard ist lauter, schwerer zu fahren und zu lenken. Das Longboard ist eher für Strecken geeignet, breiter, hat weichere Rollen und fährt dadurch leiser. Praktisch. Wie für mich gemacht!“

Von Anja Rottmann

Der Eindruck mag täuschen: Im Selbstverteidigungskurs für Jungen ging es keineswegs nur um Abwehrtechniken.

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