Klapperschlange würgen und mit Nasshorn in die Wüste

Schauspieler Christian Schliehe präsentiert Texte von Heinz Erhardt

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Schauspieler Christian Schliehe ist zwar schlanker als das Original, hat Heinz Erhardts Werk aber verinnerlicht. 

Dünsen - Von Anja Rottmann. Hätten die Zuschauer die Augen geschlossen und nur gelauscht, wäre so manchem am Freitagabend in der Zufluchtskirche in Dünsen nicht gleich klar gewesen, ob der 1979 verstorbene Kabarettist und Komiker Heinz Erhardt nun wirklich auf der Bühne steht. Der Bremer Schauspieler Christian Schliehe verstand es meisterhaft, in die Rolle des beliebten Humoristen zu schlüpfen.

Bei genauem Hinsehen zeigte sich auch eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Schliehe und Erhardt – Frisur, Stimme und vor allem das Markenzeichen des Kabarettisten: die schwarze Hornbrille, alles war vorhanden. Der einzige optische Unterschied war Schliehes schlanke Gestalt.

Den rund 70 Zuschauern wurden ernste und urkomische Lieder und Texte, Sinniges zum Schmunzeln und Tiefsinniges zum Nachdenken geboten. Schüttelreime wie „Er würgte eine Klapperschlang, bis ihre Klapper schlapper klang“ sowie „Nur Wasser braucht der Vierbeiner, der Mensch, der findet Bier feiner“ sorgten für wahre Lachsalven.

Das Lied „Linkes Auge blau, rechtes Auge blau“ – im bekannten Swing-Sound der 1950-er und 60-er Jahre mit einer Tanzeinlage à la Erhardt vorgetragen „attackierte“ das Zwerchfell der begeisterten Besucher. Gestik und Sprache ähnelten dem Original sehr – nicht fehlen durfte der bekannte Spruch „Was bin ich doch heute wieder für ein Schelm“.

Schliehe reist mit seinen Programmen bundesweit, allerdings nicht südlicher als Düsseldorf. „Damit meine Stimme dem Originalton von Heinz Erhardt sehr nahe kommt, bedarf es schon sehr viel Übung. Die Proben, um das Programm auswendig zu können, nehmen einige Monate in Anspruch – aber wenn es dann sitzt, dann bleibt es auch“, plauderte der Bremer aus dem Nähkästchen. Besonders angenehm sei es gewesen, „dass ich heute eine Gastspielversion ohne großen technischen Aufwand auf die Bühne bringen konnte“.

In späteren Jahren habe Erhardt auch kritische Sachen geschrieben wie das Gedicht „Die Flecke“ – welches an diesem Abend ebenfalls noch zu Gehör kam. Unvergessen auch sein Werk: „Ein Nasshorn und ein Trockenhorn spazierten durch die Wüste. Da stolperte das Trockenhorn und‘s Nasshorn sagte: Siehste!“

Schliehe hat den Anspruch, seinem Publikum ein vollendetes Programm zu bieten: „Manche können jedes Wort mitsprechen – da muss schon alles sauber und korrekt klingen.“ Als Zugabe präsentierte er „Der Urwald“ und „Es scheint so“ – nach rund zwei Stunden endete seine Hommage an Erhardt, die von den begeisterten Zuhören mit viel Beifall für seine tolle Leistung honoriert wurde.

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