Öffnung der Betreuungseinrichtungen

Kita-Öffnung am Montag: Harpstedter Bürgermeister zweifelt an Vorstellungen des Kultusministeriums

Knapp 100 Kinder sollen ab Montag wieder die Kita „Waldburg“ besuchen. 
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Knapp 100 Kinder sollen ab Montag wieder die Kita „Waldburg“ besuchen. Foto: GH
  • Katia Backhaus
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Kinder können wieder täglich mit ihren Freunden spielen, Vorschulkinder haben die Gelegenheit, sich auf den Wechsel zu Schule vorzubereiten: So stellt sich Landeskultusminister Grant Hendrik Tonne die Ausweitung des Kita-Betriebs ab Montag vor. Doch die Praxis sieht weniger rosig aus.

  • Ab Montag dürfen alle Kinder in die Kitas zurückkehren
  • Doch es müssen auch weiterhin coronabedingte Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden
  • Eine Harpstedter Kita tut sich mit dem Konzept des Niedersächsischen Kultusministeriums jedoch schwer

Kita-Öffnung in Harpstedt: Vorhandene Notgruppen sollen aufgefüllt werden

Harpstedt – „Die Kinder können wieder regelmäßig mit ihren Kita-Freundinnen und -Freunden spielen und ihre Erzieherinnen und Erzieher sehen“, skizzierte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne in einer Pressemitteilung seine Vorstellung davon, wie es in den Kitas ab Montag zugehen soll. Knapp zwei Wochen Zeit hatte das Land den Trägern vor Ort gegeben, um die Vorbereitungen für eine Rückkehr aller Kinder in die Betreuungseinrichtungen zu treffen. Diese Zeit sei auf „ausdrücklichen Wunsch der Kommunen“ hin gewährt worden, teilte das Ministerium weiter mit.

Den Beteiligten vor Ort ist klar, dass die Lage ab der kommenden Woche nicht so unkompliziert und positiv sein wird, wie die Aussagen des Ministers es versprechen. Es beginnt damit, dass längst nicht alle Kinder auf bekannte Gesichter treffen werden. Das liegt an der Vorgabe, dass es möglichst wenig Durchmischung geben soll. „Die vorhandenen Notgruppen werden aufgefüllt“, erläutert Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Da bei der Wiederöffnung zunächst nur fünf Kinder pro Gruppe zulässig waren, mussten bereits in den vergangenen Wochen einige Mädchen und Jungen eine andere Einrichtung besuchen als normalerweise. Um nun weiterhin die Kontakte zu begrenzen, soll das vorerst nicht rückgängig gemacht werden.

Kita-Öffnung in Harpstedt: Hygienevorgaben gelten auch weiterhin

„Gerade im Kindergartenbereich sind einigen Eltern nur Plätze an einem anderen Standort angeboten worden“, sagt Wöbse. „Es kann dann auch nach Kirchseelte, Beckeln oder Colnrade gehen.“ Hinzu komme, dass in der „Waldburg“ im Flecken nur drei von regulär fünf Kindergartengruppen à 26 Kinder plus eine Krippengruppe geöffnet werden könnten – die räumliche Situation lasse keine weitere Ausweitung zu. Das bestätigt Karin Böse, die als Erzieherin dort arbeitet und Leiterin May-Britt Tatzel derzeit vertritt. Ab Montag sollen 78 Über- und 15 Unter-Dreijährige betreut werden. Der Spielplatz auf dem Gelände sei in vier Bereiche aufgeteilt worden, um die Mädchen und Jungen auf Abstand zueinander zu halten. Damit es keinen Ärger gebe, werde täglich gewechselt, erklärt sie. „Wir können die Kinder nicht immer nur im Schaukelbereich haben.“

Auch beim Thema Bringen und Abholen müssten Vorkehrungen getroffen werden: Die Eltern sollen bereits jetzt mehrere Eingänge nutzen. Zudem fragten die Erzieherinnen, wann sie morgens kommen wollten, um einen großen Ansturm zu vermeiden, berichtet Böse. Den Vorgaben nach sollen die Kinder allein in den Gruppenraum gehen, „aber das können wir nicht von allen verlangen“, findet die Erzieherin – vor allem mit Blick auf die, die seit Mitte März zu Hause betreut wurden oder aus einer anderen Einrichtung kommen. Bürgermeister Wöbse steht den neuen Entwicklungen deutlich kritisch gegenüber. „Wir sind Getriebene des Ministerwunsches, und wenn was schiefgeht, haben wir die Verantwortung“, sagt er. Das Land habe bei den Eltern eine große Erwartung geweckt, die Umsetzung unter den weiterhin geltenden Hygienevorgaben aber den Gemeinden überlassen. Ab Montag gibt es zudem eine neue Corona-Verordnung, die das Land Niedersachsen beschlossen hat.

Er habe zwar Verständnis für die Notlage der Mütter und Väter, aber keines für die Tatsache, dass die Vorgaben für die Grundschulen deutlich restriktiver sind als für die Kitas. „Wenn man das mal fachlich anguckt, ist das überhaupt nicht plausibel“, sagt Wöbse. Die älteren Kinder würden nur in halber Klassenstärke unterrichtet, ihnen stünden größere Räume zur Verfügung und sie seien eher als die Kleinen in der Lage, Abstand voneinander zu halten. Doch diese sollten nun wieder mit 25 anderen ihren Tag verbringen.

Kita-Öffnung in Harpstedt: Nach dreiwöchiger Schließzeit sollen alle Kinder in Regelgruppen zurückkehren

Die ungleichen Vorgaben beträfen auch das Personal: „Wir haben nicht wie die Schulen die Möglichkeit, unsere Risikogruppen-Mitarbeiterinnen zu Hause zu lassen.“ Das sei in der Samtgemeinde etwa jede fünfte Kraft, schätzt Wöbse. Zwar habe das Land die Option geschaffen, dass nur eine Betreuungsperson eine Fachkraft sein müsse – doch auch an nicht ausgebildetem Personal mangele es in Harpstedt.

Immerhin: „Das ist jetzt eine Regelung für fünf Wochen“, bis zur dreiwöchigen Schließzeit in den Sommerferien. Die sei in diesem Jahr in der Samtgemeinde einheitlich, um danach einen Neustart zu ermöglichen, erklärt Wöbse. Dann sollen alle Kinder laut aktueller Planung wieder in ihre Regelgruppen zurückdürfen. Es könnte also noch eine Weile dauern, bis die Mädchen und Jungen ihre Freunde und Erzieherinnen wiedersehen.

Alle Kinder in der Samtgemeinde Harpstedt sollen ab Montag wieder einen Betreuungsplatz bekommen. Die Einrichtungen sind täglich von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Die Kommune hat laut Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse entschieden, kein Mittagessen anzubieten, weil dies zusätzliche Anforderungen an das Personal und die Schutzmaßnahmen stellen würde.  kab

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