Natur kann grausam sein

Kirchseelter Storchennachwuchs hat nicht lange überlebt

Einer der Weißstörche, die in Kirchseelte nisten. Die Einwohner bekommen die Vögel nicht sehr oft zu sehen und erkundigen sich schon nach ihrem Verbleib.
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Einer der Weißstörche, die in Kirchseelte nisten. Die Einwohner bekommen die Vögel nicht sehr oft zu sehen und erkundigen sich schon nach ihrem Verbleib.

Kirchseelte – Über Weißstorchennachwuchs, der durchkommt, hätte sich wohl ganz Kirchseelte gefreut. Aber es hat nicht sein sollen.

Tatsächlich hatte das Storchenpaar, das bei der Familie Brinkmann ein nach Expertenratschlägen gebautes Nest bezog, gebrütet. Im Mai seien Küken geschlüpft, berichtet Tobias Brinkmann. Er geht aufgrund eigener Beobachtungen von mindestens vier Jungvögeln aus. Zwei davon seien gut zu erkennen gewesen, als die Elterntiere sie gefüttert hätten. Leider sei dem Nachwuchs aber nur eine sehr kurze Lebenszeit vergönnt gewesen. Schon nach ein paar Tagen seien die Tiere gestorben.

Kronismus kommt bei Störchen vor

Den Grund kennt Tobias Brinkmann nicht. Er vermutet einen witterungsbedingten Zusammenhang. Futtermangel käme allerdings auch in Betracht: Der Nachwuchs braucht viele Kleinsttiere. Mangelt es daran, kommt es vor, dass die Storcheneltern die eigenen Küken töten. Kronismus wird dieses Verhalten genannt, das aus Futtermangel oder Stress infolge von Kämpfen resultieren kann. Der Ausdruck geht auf den griechischen Titan Kronos zurück. Der nämlich fraß seine Kinder auf.

„Mein Nachbar Christian Lau hat eine Drohne. Damit haben wir das Nest überprüft, als die Altstörche weggeflogen waren.

Tobias Brinkmann

„Mein Nachbar Christian Lau hat eine Drohne. Damit haben wir das Nest überprüft, als die Altstörche weggeflogen waren“, erzählt Tobias Brinkmann. Ein genauerer Blick auf die Bilder deutet auf mögliche Überreste der toten Storchenküken hin. Natur kann grausam sein.

Einwohner aus Kirchseelte hatten schon vermutet, die imposanten Vögel seien komplett weg, und sich auf Facebook in der Gruppe „Kirchseelter Dorf-Schnack“ nach ihrem Verbleib erkundigt.

„Altstörche“ sind noch da

Das Storchenpaar sei noch da, weiß Tobias Brinkmann. Es nutze sein Domizil nun aber offenkundig als Übernachtungsnest. Die Alttiere kehrten für gewöhnlich erst am späten Abend in der Dämmerung, um 22.30 Uhr herum, dorthin zurück und seien schon „früh morgens wieder unterwegs“.

Mit nochmaligem Nachwuchs ist in diesem Jahr nicht zu rechnen. Weißstörche hätten eine „Jahresbrut“; normalerweise gebe es kein Nachgelege, lässt sich der Fachliteratur entnehmen.

Warum das so ist, kann sich Tobias Brinkmann denken: Für Küken aus einer zweiten Brut- und Schlupfphase wäre die Zeit, sich zu entwickeln, vermutlich zu knapp, zumal es im Herbst auf „große Reise“ gen Süden gehe, ahnt er.

Seine Familie hofft nun, dass 2022 neuer Nachwuchs kommt – und überlebt. Für Kirchseelte wäre das schon eine kleine Sensation, zumal sich selbst viele ältere Einwohner nicht erinnern können, wann zuletzt Weißstörche im Dorf genistet haben.

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