Kirchseelter rüsten sich für Waldbrände

Klaus Grubert und seine Kameraden haben mit dem Löschrucksack bislang nur geübt. Fotos: Backhaus

Flächenbrände trafen im Sommer 2019 vor allem die Gemeinden Kirchseelte und Beckeln. Das lässt sich dem Jahresbericht der Freiwilligen Feuerwehren in der Samtgemeinde Harpstedt entnehmen. In Kirchseelte gibt es nicht nur ein für Waldbrände geeignetes Fahrzeug, sondern auch einen Löschrucksack.

VON KATIA BACKHAUS

Kirchseelte – Ein Feld, auf dem sich kleine Flammen langsam ausbreiten. Ein Wald, in dem es im Unterholz knistert, und zwar nicht, weil dort ein Tier auf Futtersuche ist, sondern weil ein Feuer die kleinen Äste knacken lässt: In Fällen, in denen ein Flächenbrand noch in der Entstehung begriffen ist, soll der Löschrucksack zum Einsatz kommen, den die Kirchseelter Feuerwehr schon seit einiger Zeit nutzen kann.

Klaus Grubert, der dortige Ortsbrandmeister, sieht in der Tasche eine sinnvolle Ergänzung des bereits vorhandenen Waldbrandfahrzeugs. Der Wagen ist in der Samtgemeinde einzigartig. Mit ihm sei es aufgrund der großen Entfernung des Aufbaus zum Boden bereits möglich, besser an Flammen heranzukommen, die auf Feldern oder an Waldrändern lodern, erklärt der 57-Jährige. Der Löschrucksack sei sozusagen für die letzten Meter gedacht.

In den beiden großen Fächern der schwarzen, mit neonfarbenen Streifen abgesetzten Tasche befinden sich zwei aufgerollte D-Schläuche inklusive Strahlrohr. Außen ist zusätzlich ein Verteiler angeschnallt, der das Wasser des C-Schlauchs in die kleineren Schläuche leitet. Außerdem gibt es Platz für einen Mundschutz und eine Wasserflasche.

Wenn es nicht möglich sei, ohne größere Gefährdung näher an einen Brand heranzufahren, weil etwa der Wind zu drehen drohe, sei der Rucksack hilfreich, erläutert Grubert. Die kleinen Schläuche ermöglichten es den Feuerwehrleuten, sich in einem Radius von bis zu 60 Metern zu bewegen.

Einer der Vorteile: Die Ausrüstung ist deutlich leichter als in der größeren Variante. „Die C-Schläuche haben ein gewisses Gewicht, wenn man im Unterholz oder auf dem Feld unterwegs ist“, weiß der 57-Jährige.

Flexible Handhabung in unwegsamem Gelände

Zudem lässt sich die Ausrüstung des Löschrucksacks flexibel handhaben: Die Schläuche können entweder aneinander geschlossen oder einzeln verwendet werden. „Dann können wir in zwei Richtungen jeweils 30 Meter weit gehen“, erklärt der Ortsbrandmeister. Auch wenn die Wassermenge, die vor Ort zur Verfügung stehe, gleich sei, sei es so möglich, sie punktgenauer und damit effektiver zu verteilen. So reiche der Flüssigkeitsvorrat aus dem Wagen länger aus.

„Es ist der richtige Weg, sich vorzubereiten“, findet Grubert. Denn die immer häufiger auftretenden und schlimmer werdenden Vegetationsbrände, verursacht durch eine Kombination aus Hitze, Trockenheit und Zündfunken, seien natürlich ein Thema. Mithilfe der neuen Ausrüstung, aber auch im Austausch mit anderen Feuerwehren versuchten die Kameraden, Strategien für den Umgang damit zu entwickeln. Neben dem Klimawandel blieben die Menschen der entscheidende Faktor: „Man kann die Leute nur darauf aufmerksam machen, dass sie im Wald nicht rauchen und auch zu Hause beim Grillen aufpassen“, sagt Grubert.

Klar sei aber, dass sich der Löschrucksack nur für bestimmte Situationen eigne. Denkt Grubert an die Bilder von den Waldbränden in Australien, ist ihm klar: „Da muss ich mit dem Rucksack sicher nicht losziehen.“ In Kirchseelte sei die Tasche bislang nur zu Übungszwecken eingesetzt worden, berichtet der 57-Jährige – trotz des heißen Sommers im vergangenen Jahr.

Ob das waldbrandtaugliche Fahrzeug noch mit weiteren speziellen Ausrüstungsgegenständen ausgestattet werden soll, ist nach Angaben von Klaus Grubert offen. Es gebe zum Beispiel Wasserrucksäcke, in denen – je nach Modell – um die 20 Liter Löschflüssigkeit transportiert werden könnten. Ein Anfang ist gemacht. Gleichwohl hofft der Ortsbrandmeister, den Löschrucksack im besten Fall nie einsetzen zu müssen.

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