Kinderbuch von Anke Rüdebusch

Von fallenden Tropfen, die flügge werden

„Der schöne Regentag“ heißt das auch für Erwachsene geeignete Kinderbuch aus der Feder von Anke Rüdebusch (3.v.l.) aus Mahlstedt, das Bernd Oeljeschläger (links) verlegt hat. Die künftige Leiterin der Samtgemeindebibliothek in Harpstedt, Cornelia Geerken (2.v.l.), und Grundschulkonrektor Woldemar Schilberg (rechts) haben es schon gelesen und können die Lektüre mit stilistisch stimmigen Illustrationen von Petra Rader wärmstens empfehlen. Für 15 Euro ist das Buch im stationären Handel zu haben; optional ist es online bestellbar (isensee.de).
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„Der schöne Regentag“ heißt das auch für Erwachsene geeignete Kinderbuch aus der Feder von Anke Rüdebusch (3.v.l.) aus Mahlstedt, das Bernd Oeljeschläger (links) verlegt hat. Die künftige Leiterin der Samtgemeindebibliothek in Harpstedt, Cornelia Geerken (2.v.l.), und Grundschulkonrektor Woldemar Schilberg (rechts) haben es schon gelesen und können die Lektüre mit stilistisch stimmigen Illustrationen von Petra Rader wärmstens empfehlen. Für 15 Euro ist das Buch im stationären Handel zu haben; optional ist es online bestellbar (isensee.de).

Mahlstedt – Es regnet. Die Tropfen müssen sich entscheiden, wo sie landen wollen. In einem Fluss? An durstigen Bäumen? Im Blumenbeet? Ein besonders vorwitziges „Kind“ aus der „Mutterwolke“ bleibt an einer Fensterscheibe hängen, durch die gerade ein Junge blickt. Finn heißt er. Der Regen hindert ihn daran, draußen zu spielen. Anke Rüdebusch aus Mahlstedt hat daraus die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft kreiert – und Verleger Bernd Oeljeschläger ihr Manuskript herausgebracht.

Das Ergebnis, ein Kinderbuch mit dem Titel „Der schöne Regentag“, von Petra Rader aus Varel stilistisch stimmig illustriert, ist im Verlag Isensee Culturcon erschienen und ab sofort für 15 Euro zu haben – entweder im stationären Handel, auch bei Schreibwaren Beuke in Harpstedt, oder online.

Mädchen und Jungen im Kita- oder Grundschulalter nehmen die auf 32 Seiten geschilderte Handlung als Geschichte wahr, in der sich ein Regentropfen und ein Junge anfreunden. Erwachsene, die an der Lektüre ebenfalls Gefallen finden können, eröffnen Metaphern einen ganz anderen Zugang: Die Wolke steht für die Mama, die loslassen muss, und jeder Tropfen für ein flügge gewordenes Kind auf der Suche nach dem eigenen Weg. Als Mutter hat Anke Rüdebusch selbst erlebt, was sie da schildert.

Als sie Bernd Oeljeschläger auf einer Festivität begegnete, nahm sie all ihren Mut zusammen und sprach ihn an: „Ich hab’ da was geschrieben...“ Der Verleger erwiderte, sie dürfe ihm ihr Manuskript gern schicken, aber er werde es knallhart bewerten.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, weil Anke Rüdebusch aus der Perspektive eines Kindes vom Loslassen, von Freundschaft, einem zu Ende gehenden Lebensabschnitt und Neuanfängen erzählt. Damit spricht sie eben auch Erwachsene an. Das hat mich überzeugt.“

Verleger Bernd Oeljeschläger

Im Wissen um das sehr herausfordernde Genre Kinderbuch machte Oeljeschläger der Autorin zunächst keine allzu großen Hoffnungen auf eine Veröffentlichung. Seine anfängliche Skepsis wich dann aber beim Lesen.

„Ambivalente“ Zielgruppe

„Mir hat die Geschichte gut gefallen, weil Anke Rüdebusch aus der Perspektive eines Kindes vom Loslassen, von Freundschaft, einem zu Ende gehenden Lebensabschnitt und Neuanfängen erzählt. Damit spricht sie eben auch Erwachsene an. Das hat mich überzeugt“, sagt Oeljeschläger. Und zwar dermaßen, dass er sogar die wirtschaftlichen Risiken in Kauf nahm, die mit Buchveröffentlichungen für „ambivalente“ Zielgruppen einhergehen.

Dem Verleger imponierte, wie viel Fantasie und Sinn für Dramaturgie die nicht hauptberuflich, sondern aus reiner Leidenschaft schreibende Autorin in das einfließen ließ, was sie zu Papier brachte – übrigens ganz klassisch, nämlich zunächst handschriftlich. Oftmals schrieb Anke Rüdebusch zu später Stunde. Fiel ihr nichts ein, legte sie den Text beiseite und nahm ihn später wieder zur Hand. Daher vermag sie kaum einzuschätzen, wie lange sie wirklich an dem Skript gearbeitet hat. Als sie anfing, sei ihr das Ende keineswegs schon klar gewesen. Ihre eigene Wahrnehmung: „Die Geschichte ist mir geschenkt worden. Sie war einfach da.“

Skalpell statt Axt

Das Lektorat übernahm der Verleger. Die Autorin gab Oeljeschläger zu verstehen, bei der Nachbearbeitung des Textes möge er, bildlich gesprochen, doch tunlichst das Skalpell statt der Axt anlegen: „Ich habe ihm von Anfang an gesagt, dass aus der Veröffentlichung nichts wird, wenn er zu viel ändert und herausstreicht.“

Einem Text den letzten Schliff zu geben, sei für beide Seiten ein schmerzhafter Prozess, aber durchaus machbar, „wenn man auf einer Wellenlänge liegt“, weiß der Verleger. „Und das“, so ergänzt er, „war hier der Fall.“

Wie muss ein Kinderbuch illustriert sein, damit die Zielgruppe es liebt? In der Erwartung, auf diese Frage eine Antwort zu finden, hatte Oeljeschläger mal seinem eigenen Sohn diverse bebilderte Veröffentlichungen vorgelegt. Er hoffte, aus den Reaktionen Schlüsse ziehen zu können. Das Experiment machte ihn nicht schlauer. Der Junge habe alle Nase lang etwas anderes gut gefunden; „da gab es kein Prinzip, keine Systematik“, erzählt Oeljeschläger schmunzelnd.

Ich habe Bernd Oeljeschläger von Anfang an gesagt, dass aus der Veröffentlichung nichts wird, wenn er zu viel ändert und herausstreicht.“

Autorin Anke Rüdebusch

Für die Bebilderung von „Der schöne Regentag“ hatte er zunächst eine andere Illustratorin im Visier gehabt, die für sehr präzise und dabei zugleich verspielte Arbeiten steht. „Die Zusammenarbeit hat nicht geklappt“, verrät er. Petra Rader entpuppte sich aber keineswegs als zweite, sondern als goldrichtige Wahl; ihre aquarellartigen Illustrationen sagten Verleger und Autorin zu.

In einer Auflage von 500 gedruckten Büchern hat es „Der schöne Regentag“ nun auf den Markt geschafft. Auch die Bibliothek in Harpstedt hat schon ein Exemplar erworben. Sowohl Cornelia Geerken, die in wenigen Tagen die Büchereileitung übernehmen wird, als auch Grundschulkonrektor Woldemar Schilberg finden Text und Illustrationen stimmig und gelungen. Der stellvertretende Schulleiter fragte zusätzlich seine eigene achtjährige Tochter nach ihrem Urteil. Schilberg: „Sie hat gesagt, das sei eine wirklich schöne Geschichte.“ Er selbst entdeckte im Verhalten der Regentropfen eine zusätzliche Botschaft, die aber eher am Rande einfließt: „Mal Quatsch machen, mal Fünfe gerade sein lassen, gemeinsam frei sein und mal einfach nur in den Tag hineinleben – das kann auch sinnvoll sein.“

Das Schöne im Kleinen

Das Buch ermuntere zusätzlich dazu, das „Schöne in den kleinen Dingen zu sehen“, findet Cornelia Geerken – wie eben „in einem Regentropfen, der an der Scheibe herunterläuft“. Der Aspekt des Loslassens und des Neubeginns erschließe sich Erwachsenen unmittelbar, Kindern hingegen zwar sicher nicht sofort, wohl aber in der Zukunft, wenn sie das Buch mal wieder zur Hand nähmen. „Es ist wirklich gut zu lesen. Und die aquarellierten Illustrationen passen geradezu perfekt zum Regen“, urteilt Geerken.

Anke Rüdebusch hat nach eigenem Bekunden bereits sehr viele positive Rückmeldungen auf die Bilder bekommen. Die Illustratorin habe wiederum sie als Autorin ermutigt, an einer Fortsetzung zu arbeiten. Ob daraus etwas wird, bleibt abzuwarten. „Ich habe schon ein bisschen geschrieben, aber mit Gewalt funktioniert das nicht“, weiß die Mahlstedterin.

Die Eckdaten im Überblick

Anke Rüdebusch, „Der schöne Regentag“ , 32 Seiten, Hardcover, erschienen bei Isensee Culturcon, ISBN 978-3-7308-1817-6, 15 Euro.

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