Kinder baten Kanadier in radebrechendem Englisch um Süßes: „Billy, have you chocolate for me?“

Groß Köhren - Aus den Kindheitserinnerungen eines Spielkameraden von Heinz Nienaber aus Groß Köhren: „1945 hieß es plötzlich, die Kanadier seien schon in Twistringen. Wir Kinder mussten in der Wohnung bleiben. Ich konnte vom Wohnzimmer aus die Straße, die Delmebrücke und die Scheune von Martens sehen. Plötzlich kam ein Panzer angefahren. Wir rannten in den Keller von Siemering, wo wir zu der Zeit wohnten. Einige Kanadier kamen die Treppe herunter und fragten uns, ob doch deutsche Soldaten oder Waffen da wären. Wir verneinten das und durften wieder nach oben in unsere Wohnungen gehen, das Haus aber nicht verlassen. Eine Ausgangssperre wurde verhängt. Vom Fenster aus konnten wir sehen, dass auf dem Hof von Alfken Panzer und andere Militärfahrzeuge standen und viele Soldaten da waren. Tage später haben wir dann doch vor dem Haus gespielt. Mit der Zeit verloren wir die Angst und Scheu vor den Kanadiern. Wir haben zugesehen, wie sie mit Schablonen weiße Wildschweinköpfe auf ihre Fahrzeuge pinselten. Die Villa von Familie Siemering wurde bald zum größten Teil von den Kanadiern besetzt, und wir hatten nur noch ein Zimmer. Ich erinnere mich daran, dass in unserem Kinderzimmer drei Soldaten einquartiert wurden – die Schotten Bill, Toffee und George. Wir haben dann wieder im Dorf herumgetollt und zwischen den Fahrzeugen der Kanadier gespielt. Wenn wir uns unbeobachtet fühlten, sind wir auch in die Fahrzeuge, die abseits standen, hineingeklettert und taten so, als wollten wir die Brummis wegfahren. Wir sahen den Soldaten auf dem Hof von Alfken beim Fußballspielen zu. Wenn der Ball in den Brunnen fiel, schnappten sie sich einen von uns Jungen an den Beinen und hielten uns kopfüber in den Brunnen. So konnten wir den Ball dann gerade mit den Händen greifen und wurden wieder hochgezogen. Manchmal bekamen wir etwas zum ,Schlickern’. Mit der Zeit eigneten wir uns auch die Vornamen der einzelnen Soldaten an und schnappten einige Wörter auf. Radebrechend fragten wir: ,Billy,

have you chocolate for me?’ Mitunter bekamen wir auch etwas. Die Tage vergingen wie im Fluge.“

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