Kinder backen Brötchen, lernen die Technik des Spinnens kennen und erfahren etwas über ein Vertriebenenschicksal

Projektgeflecht aus mehreren „Fäden“

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Der Duft selbst gebackener Brötchen stieg den Kindern in die Nasen.

Dünsen - Von Jürgen Bohlken. „Guck mal, die sind richtig gut aufgegangen!“, staunte ein Junge auf dem Hof von Renate und Adolf Jürgens an der Dorfstraße. 30 Dritt- und Viertklässler aus der nahe gelegenen Grundschule Dünsen nutzten dort gestern, aufgeteilt in zwei Gruppen, den Steinofen, um aus selbst geknetetem Teig Brötchen zu backen und sie während eines anschließenden Frühstücks zu verspeisen. Außerdem schauten sie Helga Rode beim Spinnen an einem alten Spinnrad zu und ließen sich von Eva Baumgarten erzählen, wie die Seniorin ihre Vertreibung aus Schlesien in einem Viehwaggon erlebt hatte.

Mehrere Fäden liefen gewissermaßen aus ganz unterschiedlichen Richtungen zusammen. Zum einen passte der Sonderbacktag in die Backsaison des Heimatvereins Dünsen; zum anderen baute er sinnvoll auf das kürzlich von den Schülern durchlaufene Landfrauen-Kochen mit Kindern zum Thema Getreide auf. Hinzu kam: Die Künstlerin Meike Brackhahn filmte das Geschehen, während Folly Koumouganh aus Togo fotografierte. Beide flochten damit im übertragenen Sinne einen weiteren Faden in das Geflecht aus Initiativen ein, denn sowohl die Fotos als auch die bewegten Bilder sollen am Sonntag, 18. Oktober, Eingang in eine Ausstellung in der Zufluchtskirche finden (siehe „Kurz notiert“), und zwar im Rahmen des Projektes „Agama“, das einen Austausch zwischen Generationen und Kulturen als erklärtes Ziel anstrebt.

Jung und Alt lernen im Dialog mit- und voneinander – nichts anderes als das geschah auf dem Hof Jürgens. Die Kinder staunten darüber, als sie gezeigt bekamen, wie sich Sahne zu Butter schütteln lässt. Und die Erfahrung, Brötchen nicht einfach – wie gewohnt – beim Bäcker einzukaufen, sondern sie selbst zu backen und noch warm aus dem Ofen zu ziehen, ließ viele Augen leuchten. Eva Baumgarten nahm erfreut ein großes Interesse an ihrer Geschichte der Vertreibung aus dem schlesischen Frankenstein zur Kenntnis. „War das nicht schwer für Sie, alles hinter sich lassen zu müssen und nur mitnehmen zu können, was Sie tragen konnten?“, wollten die Schüler etwa wissen. „Ich habe das nicht als so schlimm empfunden wie meine Eltern“, gestand die 82-Jährige ein. Ihr Vater Paul und ihre Mutter Hedwig hatten von 1947 an – nach einem vorangegangenen Jahr in Barrien – in der ehemaligen Muna die Bäckerei Hirdler betrieben, die bis 1959 bestand. An dieser Stelle schloss sich für die Schüler wiederum der Kreis – zum Thema Backen.

Helga Rode, Mitglied im Heimatverein Dünsen, fiel es unterdessen nicht ganz leicht, sich an ihr über 60 Jahre altes, aber noch funktionsfähiges Spinnrad zu setzen, um den Kindern ein altes Handwerk anschaulich nahe zu bringen. Gesponnen habe sie vor 50 Jahren zum letzten Mal, verriet die 77-Jährige. Wie früher Landwirtschaft mit Nutztierhaltung betrieben wurde, habe die Grundschüler ebenfalls interessiert, ergänzte sie.

Zu einer morgigen Führung durch die ehemalige Muna (siehe „Kurz notiert“) mit zwei ehemaligen Bewohnerinnen der Liegenschaft seien die Kinder ebenfalls eingeladen, erläuterte Meike Brackhahn.

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