„Ich mach den Scheiß öfter“

50 Kilometer bei schwüler Hitze: Megamarsch führt auch durch Harpstedt

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Schnell noch je zwei Bananen an der Verpflegungsstation „auf die Hand“ - und weiter geht’s: Chris Porstner (l.) und Rochus Pohler treten hier die letzte Megamarsch-Etappe von Harpstedt nach Wildeshausen an. 

Harpstedt/Bremen/Wildeshausen - Fit wie'n Turnschuh – auf Chris Porstner aus Bremen passt das wie die Faust aufs Auge. Er atmet ruhig und schwitzt kaum, als er am frühen Sonnabendnachmittag bei fast 30 Grad Hitze und schwüler Luft nach gut sechseinhalb Stunden strammen Gehens das DRK-Seniorenzentrum Harpstedt erreicht. Dort erfrischt er sich an einer der alle zehn Kilometer eingerichteten Verpflegungsstationen und holt sich mit Obst verbrauchte Energie zurück, ehe es auf die letzte Megamarsch-Etappe geht.

Zu diesem Zeitpunkt liegen rund 40 Kilometer Strecke auf dem Jakobsweg hinter ihm. Nach und nach trudeln immer mehr der etwa 1000 am Morgen am Werdersee in Bremen gestarteten Ausdauersportler in Harpstedt ein. Ihr gemeinsames Ziel ist Wildeshausen, der Endpunkt des Megamarsches. Diesmal quälen sie sich nur über die „kurze“ Distanz, aber auch die misst schon 50 Kilometer. Von der Sorte gibt es jährlich vier; hinzu kommen weitere fünf über mörderische 100 Kilometer. Die Megamarsch-Events verteilen sich auf alle Teile der Republik, und die Mitstreiter, darunter auch ältere Semester, kommen aus allen Bundesländern.

Der Strecke Bremen-Wildeshausen ringt Chris Porstner, so scheint es, nur ein müdes Lächeln ab. Obwohl er sich zwischenzeitlich mit seinem Sportsfreund Rochus Pohler (41) aus Dresden in aller Ruhe bei einer Pause auf der Terrasse des Hotels „Rogge Dünsen“ ein Bier genehmigt hat, bleibt er ohne Probleme im schnellsten Zehntel des Teilnehmerfeldes. Doch um Zeit geht es gar nicht. „Das hier ist kein Wettkampf, sondern ein Gemeinschaftsevent. Wer mitmacht, will ankommen. Finishen, wir wir sagen. Du kriegst ein Nachweisheft. Dort wird abgestempelt, ob du teilgenommen und ob du es ins Ziel geschafft hast. Ich hatte eigentlich auf den Pokal geschielt. Den kriegt aber nur, wer bei allen neun Veranstaltungen finisht. Das schaffe ich fast, aber eben nicht ganz, weil ich in Frankfurt leider nicht dabei sein kann“, bedauert Porstner.

Das Extreme als Motivation

Warum er so gut im Training sei? „Ich mach den Scheiß öfter“, erwidert er auf diese Frage – und lacht. Seine Motivation sei das Extreme. „Das Ausreizen der eigenen Grenzen. 100 Kilometer sind schon eine echte Herausforderung. Da zehrt auch die Müdigkeit irgendwann ganz schön. Und wenn dann große Hitze dazu kommt, schlaucht das richtig. Danach hast du erst einmal die Schnauze voll vom Gehen – und Blasen ohne Ende an den Füßen“, weiß der Bremer. Den Eindruck, dass unterwegs Glückshormone ausgeschüttet werden, habe er nicht. „Aber ich bin stolz, wenn ich es ins Ziel geschafft habe“, gibt er zu. Und das sei wohl auch ein Grund dafür, warum er sich der Herausforderung immer wieder stelle. Nicht jedes Mal steht allerdings am Ende das Erfolgserlebnis. 2017 mischte der 31-Jährige bei der Challenge „Wer ist so hart wie Joey Kelly?“ mit. Die Mammutaufgabe bestand darin, zu Fuß 857 Kilometer vom Strand in Warnemünde bis zur Zugspitze zurückzulegen. „Da bin ich kläglich gescheitert“, gesteht Porstner. „Aber diese Herausforderung hat mich erst richtig auf den Geschmack gebracht“, erzählt er – und lacht. Mittlerweile sei er deutschlandweit als Ultraläufer unterwegs. Die 100-Meilen-Distanz habe er in 32 Stunden geschafft. Sein nächstes Ziel sei es, in den „100 Marathon Club Deutschland“ zu kommen. „Dafür musst du 100 mal die Marathonstrecke von 42,195 Kilometer laufen oder gehen. Ich bin heute bei Nummer 91, denn auch der Megamarsch wird gezählt“, weiß der Bremer.

Der Marsch von Bremen bis Wildeshausen mobilisiert übrigens auch Sportler aus der Samtgemeinde Harpstedt. „Die Hitze ist heftig“, gesteht Tanja Koutianidis, als sie gegen 16.45 Uhr Dünsen hinter sich lässt und das Schlimmste überstanden hat. „Das letzte Stück schaffe ich auch noch“, sagt die Harpstedterin zuversichtlich. Der Ehrgeiz, den inneren Schweinhehund zu überwinden, treibt sie und die vielen anderen Leidensgenossen voran.

boh

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