Mit mehr als 500 Jugendlichen

„Tanzrausch“ feiert Neustart in Harpstedt

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Tanzen, Tattoos, Dosenwerfen mit Rauschbrille und alles ohne Drogen: Die Box von Jugendpfleger Markus Pieper (kleines Foto in der Mitte) bleibt beim „Tanzrausch“ leer.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Nach den ersten zwei Stunden „Tanzrausch“ ohne Alkohol und Nikotin im Koems-Saal in Harpstedt wirft Jugendpfleger Markus Pieper einen Blick in den Karton mit den „verbotenen Stoffen“. Die Box ist leer – keine Zigaretten, keine Flachmänner.

Den gut 500 ausgelassen feiernden Jugendlichen reicht die volle Dröhnung aus den Lautsprechern, um in Feierlaune zu kommen. Das „Einheizen“ übernehmen DJ Nils sowie die Animateure Franky, Nick und Dominik vom „Zephyrus Discoteam“. „Diese Profis sind uns von der Pool-Party im Rosenfreibad bestens bekannt, begleiten den Tanzrausch aber zum ersten Mal. 

Dass wir uns sie leisten können, verdanken wir dem Sponsoring der Landessparkasse zu Oldenburg in vierstelliger Höhe. Wenn ich sehe, wie diese Jungs hier Party machen, muss ich sagen: Das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten“, urteilt Pieper.

Für den etwaigen Notfall stehen die Malteser um Maximilian Oebker „Gewehr bei Fuß“, darunter Schulsanitäter sowie Mitstreiter aus der Junior-SEG (Schnelleinsatzgruppe) aus Wildeshausen. Getränke kosten einen Euro das Stück. Alles promillefrei, versteht sich. Auch die Preise am Imbissstand bewegen sich auf einem sehr zivilen Niveau. Popcorn gibt’s für läppische 20 Cent.

Super Stimmung

Die „Tanzberauschten“ schwärmen. „Die Stimmung ist super. Das macht riesigen Spaß“, urteilen Marleen (13) und Neele (14) aus Harpstedt, Merle (12) aus Großenkneten und Leonie (13) aus Neerstedt unisono. Auf die Frage, wer denn schon mal mit Alkohol in Berührung gekommen sei, meldet sich Fabienne aus Falkenburg zu Wort: „An meinem 14. Geburtstag habe ich eine Tasse Wein getrunken.“

Dass die „Fete“ gemäß dem eigenen Anspruch gänzlich rauschmittelfrei bleibt, ist sichergestellt. Wer hier schmuggeln will, müsste zaubern können, um das Filzen zu umgehen und die rigide „Abschirmung“ zu überwinden. 

„Wir gucken genau hin, wer sich auffällig verhält. Wir haben am Eingang die Taschen kontrolliert. Die einzelnen Jugendpflegen, die den Bustransfer aus den Kreisgemeinden begleiten, haben auch bereits im Bus genau hingeschaut und eine Vorkontrolle durchgeführt. Hier auf dem Gelände sorgen Teams dafür, dass niemand den Jugendlichen Nikotin und Alkohol zusteckt, und im Saal achten weitere Teams auf die Einhaltung des Alkohol- und Nikotinverbots“, erläutert Markus Pieper.

Auch das Rahmenprogramm spricht die zwölf- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen an. „Move up and dance“ heißt eine Gruppe aus Jazz-Dance-Mädels um Übungsleiterin Andrea Kaldewey, die – nach einer Showeinlage einer 15-köpfigen Ganderkeseer „Abordnung“ – zwischenzeitlich mit einer energiegeladenen Tanzdarbietung punktet.

Dosenwerfen und Rauschbrillen kommen an 

In der Saalstube versuchen sich Teenager im Dosenwerfen unter erschwerten Bedingungen: Rauschbrillen, die das eingeschränkte Sichtfeld nach Konsum von Alkohol in unterschiedlich hohen Mengen simulieren, verhindern zumeist, dass sie ihr Ziel treffen. Oft fällt keine einzige der aufgestapelten Dosen um. Andrang herrscht am Airbrush-Tattoo-Stand. Etliche Mädels lassen sich dort einen Arm mit einem coolen Motiv aufhübschen. Garantiert ohne Reue; da bleibt nichts „für die Ewigkeit“ zurück.

Die Tanzrausch-Premiere in Harpstedt glückt, wenngleich die Halle am Huder Bach, wo sie bislang über die Bühne ging, noch deutlich mehr – bis zu 1 300 – „Tanzberauschte“ verzeichnete. Die Gründe für die Verlegung des Veranstaltungsorts seien politischer Natur gewesen, lässt Pieper durchblicken. „Da ging es auch um Hallenbelegungszeiten. Einmal ist die Disco sogar ausgefallen.“ Die Überlegung, sie ganz einzustellen, sei wieder verworfen worden. „Die Disco sterben zu lassen, konnten wir den Kindern nicht antun. Außerdem ist der von der den Jugendpflegen aus dem ganzen Landkreis in der ,AG Disco’ organisierte Tanzrausch ein Leuchtturmprojekt. Andere beneiden uns darum“, weiß Pieper.

Auch Eltern sind nach der Premiere im Koems-Saal voll des Lobes. So etwa die Harpstedterin Rita Kubutat: „Unbedingt wiederholen! Meine Tochter war begeistert. Heute hat sie Muskelkater vom Tanzen“, heißt es in ihrem Post auf Facebook. Und weiter: „Es ist wichtig, dass wir unseren Jugendlichen zeigen, dass Spaß abends und mit Freunden auch ohne Alk und Qualm möglich ist. Und dass sie danach sicher nach Hause kommen.“

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