Gleich drei Projekte beschäftigen die Eisenbahnfreunde / Dampflok wird fit für die nächste Kesselprüfung gemacht

Keine Winterpause bei „Jan Harpstedt“

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Kampfansage an die Korrosion: Henning Dierks entrostet hier eine alte Achse.

Harpstedt - Von Joachim Kothe. Wer glaubt, diehistorische Museumsbahn „Jan Harpstedt“ befinde sich außerhalb der von Mai bis September währenden Fahrsaison und nach den Nikolausfahrten im Dezember im tiefen Winterschlaf, der irrt gewaltig. Nicht nur die Kohlfahrten mit dem Triebwagenzug halten die Museumseisenbahner an nahezu jedem Sonnabend zwischen Januar und März auf Trab. Auch in der Werkstatt auf dem Bahnhofsgelände in Harpstedt herrscht Hochbetrieb, und das bei zum Teil klirrender Kälte, zumal es dort keine Möglichkeit der Beheizung gibt.

Gleich drei Projekte beschäftigen momentan die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) e.V.: Schon seit Dezember 2014 arbeiten sie den Plattform-Personenwagen mit der Nummer eins sowohl innen als auch außen auf. Diese aufwendige Maßnahme ist nunmehr fast abgeschlossen. Sorgen bereiten den passionierten „Schraubern“ unter den Vereinsmitgliedern allerdings noch die Aufhängungen der Federn und die alten Radsätze. Letztere können nicht weiterverwendet werden. Seit längerem sammeln die Eisenbahnfreunde passende Radsätze, um sie aufzuarbeiten und auf Fehler zu prüfen.

Der durchschlagende Erfolg hat sich aber noch nicht eingestellt. Zum Bedauern der Museumseisenbahner ist erst ein verwendbarer Radsatz gefunden und geprüft worden. Zwei werden aber benötigt. „Die Feder-Aufhängungen sind heutzutage nicht mehr gängig und müssen neu gefertigt werden. Die dafür vom Werk geforderte Mindeststückzahl übersteigt unseren Bedarf bei Weitem. Deshalb suchen wir momentan nach Bahnen, die auch solche Aufhängungen brauchen, beziehungsweise nach alternativen Quellen“, sagt Werkstattleiter Torben Kluwe. Diese Probleme müssen möglichst noch im Frühjahr gelöst werden, damit der Waggon – wie geplant – am 1. Mai wieder in den Zug eingegliedert werden kann.

Am „besten Pferd im Stall“ der Eisenbahnfreunde, der Dampflok Nummer zwei, steht in der Winterpause die Kesselprüfung an. Bevor sie durchgeführt werden kann, will das gesamte Innenleben gereinigt und auf Mängel überprüft werden. „Wir müssen in diesem Jahr wieder einige Stehbolzen ersetzen“, erläutert Projektleiter Thorsten Lehrfeld. „Deshalb haben wir die Wasserkästen abgebaut und aktuell ein paar Löcher im Kessel, wo die defekten Stehbolzen ausgebaut wurden. Letztere halten die Feuerbüchse im Kessel fest. Neue kann nur eine Fachfirma einschweißen.“ Bei der Überprüfung und beim Ausbau der Bolzen lässt es sich nicht vermeiden, ziemlich schmutzige Arbeiten in der recht engen Feuerbüchse selbst auszuführen. „Nein, so richtig gemütlich ist es darin nicht, geschweige denn warm“, weiß Lehrfeld.

Das neueste Projekt der Eisenbahnfreunde ist die Lackierung des Güterwagens 22. Der Waggon hatte über die Jahre nach und nach neue Bretter mit rotbrauner Farbe bekommen, die allerdings durch Witterungseinflüsse und nachlassenden Farbqualitäten ziemlich unterschiedlich stark verwitterten und aufhellten. Daher sieht der Wagen aktuell fast „gescheckt“ aus. Hier wollen die Museumseisenbahner in nächster Zeit mit einem kompletten Neuanstrich Abhilfe schaffen. „Aber dazu muss erst einmal die alte Farbe runter. Das ist mühsame Handarbeit“, seufzt Hermann Bächler, der sich den Wagen vorgenommen hat.

Während es in der Werkstatt heiß her geht, rauchen bei den DHEF-Vorstandsmitgliedern die Köpfe: Am 10. und 11. September wollen die Eisenbahnfreunde das 40-jährige Bestehen ihres Vereins mit einem großen Bahnhofsfest in Harpstedt gebührend feiern. Dafür gibt es einiges zu organisieren. Hinzu kommt, dass der Dampfzug im Juli/August für eine Woche in Bruchhausen-Vilsen in Aktion sein wird, wo dann der Deutsche-Eisenbahn-Verein (DEV) sein 50-Jähriges feiert. Auch für eine solche Exkursion will vieles bedacht sein.

„Über Langeweile können wir uns wirklich nicht beklagen“, sagt Andreas Wagner, der nicht nur als erster Vorsitzender an der Spitze des Vereins steht, sondern obendrein als Betriebsleiter der Kleinbahn fungiert. „Aber dafür können wir uns dann zusammen mit unseren Fahrgästen auch auf eine besonders spannende und abwechslungsreiche Saison 2016 freuen“, fügt er mit einem zufriedenen Lächeln hinzu.

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