Karl Neukauf porträtiert Udo Jürgens als nachdenklichen Mahner seiner Zeit

Vergessene Kleinode und trockener Humor

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Immer für eine Überraschung gut: Karl Neukauf.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Konzerne dürfen maßlos sich entfalten. Im Dunkeln steh'n die Schwachen und die Alten. Für Krankenhäuser fehlen hier Millionen, doch unsere Spielcasinos schein'n sich zu lohnen.“ Udo Jürgens würde wohl kaum jemand auf Anhieb diese Verse zuschreiben. Und doch stammen sie von ihm. Aus „Lieb Vaterland“, einem Lied, das 1972 für Furore sorgte. Sogar im „Schwarzen Kanal“ der DDR, bemerkt Karl Neukauf während seines Auftritts im „Liberty's“ in Harpstedt.

Der in Berlin lebende Songpoet und Pianist schickt sich momentan an, eine weniger bekannte Seite des 2014 verstorbenen Künstlers österreichischer Herkunft herauszukehren. Begleitet von der Violinistin Regina Mudrich und dem sichtlich kränkelnden Bassisten Martin Zemke, porträtiert er Jürgens innerhalb der Reihe „Kultur am Donnerstag“ als aufmerksamen Beobachter seiner Zeit, als nachdenklichen, aber nicht scharfzüngigen oder moralisierenden Mahner sowie als Entertainer, der weit mehr als nur lahme Kohlpartys belebende Gassenhauer hervorgebracht hat.

Vergessene Kleinode – überwiegend aus der frühen Schaffensperiode – wie „Wer hat meine Zeit gefunden?“, „Die Leute“ oder das im Bossa-Nova-Sound groovende „Mein erster Weg“ bestimmen den ersten Teil der Hommage. „Die Grundlage dieses Programms ist die auf ,Arte' gelaufene Reihe ,Soundtrack meines Lebens'.

In einem Intermezzo macht er mit einigen eigenen Titeln Lust auf sein neues Album „Papperlapapp“, ehe er sich wieder Jürgens widmet. Auf dessen Charterfolge lässt er die Fans recht lange warten, aber natürlich kommt er nicht umhin, den Tribute-Abend mit Hits wie „Tante Emma“ oder „Griechischer Wein“ abzurunden. „Mit 66 Jahren“ hüllt er am E-Piano in ein fetziges Boogie-Woogie-Gewand. Wie schon während seiner vorangegangenen vier Gastspiele in Harpstedt geizt der Wahl-Berliner nicht mit trockenem Humor. „Achten Sie auf die erste Zeile! Die passt so gut in diese Jahreszeit“, scherzt er, ehe die Verse „Weit, so weit im tiefen Schnee schläft das Städtchen schon“ den Titel „Doswidajna“ einläuten, und Mudrich das sich vor dem geistigen Auge auftuende Bild tanzender Kosaken einfühlsam auf ihrer Violine unterstreicht.

Bei der zweiten und letzten Zugabe – „Ich war noch niemals in New York“ – erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt, und die 45 Zuhörer grölen den Refrain lauthals mit. Einige lassen am Rande verlauten, sie seien gespannt, womit Neukauf sie in Konzert Nummer sechs überraschen wird.

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