Kessel generalüberholt: Saisonstart von „Jan Harpstedt“ am 1. Mai

Lok kann wieder unter Dampf fahren

Die Lok bekam ihre Schmierpumpe zurück: Felix Müller-Ohl (links) und Henning Dierks montierten das generalüberholte Originalteil, das für die Druckluft sorgt, mit der gebremst wird. - Foto: Nosthoff

Harpstedt - Auch wenn die Generalüberholung der Dampflok ihrer historischen Kleinbahn „Jan Harpstedt“ die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) manches Mal fast zur Verzweiflung treibt, werkeln sie doch gerne an ihrem Traum herum. In den Wintermonaten sind die Vereinsmitglieder nämlich im Lokschuppen am Schrauben und Tüfteln – und nun geht es in den Endspurt: Der Saisonstart am 1. Mai ist nicht mehr fern. Dann nimmt die Lok erstmals in diesem Jahr zwischen Harpstedt und Delmenhorst wieder Dampf auf.

Die ehrenamtlichen Eisenbahn-Mechaniker hatten allerhand zu tun: Da musste der Radsatz eines Personenwagens ausgetauscht, die verblichene Farbe am Güterwagen abgekratzt und eine frische rote Lackierung neu aufgebracht werden. Ebenso hatte die Dampflok auf die Montage der generalüberholten Schmierpumpe gewartet.

„Eine Dampflok lebt meist etwas länger als ein Auto“, meinte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Torben Kluwe schmunzelnd, während er am Sonnabend die unzähligen Restarbeiten an Lok, Personen- und Güterwagen koordinierte und immer wieder mit anpacken musste. „Entsprechend gibt es nicht wie beim Auto alle zwei Jahre eine Hauptuntersuchung. Aber auch eine Dampflok muss sich in regelmäßigen Abständen verschiedenen Prüfungen unterziehen.“ Dafür sorgt die Landeseisenbahnaufsicht in Hannover.

In diesem Winter war für die „Jan Harpstedt“-Lok die Prüfung des Kessels an der Reihe. Die Eisenbahnfreunde montierten die Verkleidung ab, bauten den Kessel aus und schickten den Behälter zur Generalüberholung zu einer Spezialfirma, die 20 Stehbolzen erneuerte. Im Anschluss installierten die Eisenbahnfreunde den Kessel wieder und nahmen ihn zur Prüfung unter Aufsicht eines Sachverständigen kalt wieder in Betrieb.

„Kaltes Wasser hat weniger Energie als Dampf – falls also etwas nicht stimmt, kriegt man im schlimmsten Fall einen Schwall Wasser ab“, erklärte Kluwe die Vorgehensweise. Glücklicherweise blieben die Eisenbahnfreude bei der Inbetriebnahme trocken. Dem Saisonstart am 1. Mai steht also nichts mehr im Wege. Zahllose kleinere Arbeiten müssen bis dahin allerdings noch verrichtet werden. So wurde am Sonnabend beispielsweise die Schmierpumpe der Lok wieder montiert, die ebenfalls generalüberholt wurde. Sie sorgt für die Druckluft, mit der die Dampflok gebremst wird.

„Ein Job, an dem wir schon endlos dransitzen und der möglicherweise zum Saisonstart noch nicht ganz fertig wird, ist die Neulackierung eines Güterwagens, mit dem wir die Fahrräder der Passagiere transportieren“, verriet Kluwe. Noch mehr Zeit als das Bemalen in frischem Rot nimmt das Abkratzen der alten Farbe in Anspruch. „Es könnte also sein, dass dieser Wagen das erste Mal noch relativ ‚bunt‘ in Betrieb geht“, spekulierte Kluwe, und meinte damit das verblichene Rosa und das abgekratzte Naturholz auf der einen sowie das frische leuchtende Rot auf der anderen Seite.

Trotz der vielen ehrenamtlichen Arbeit: Mit Öl an den Händen, mit Ruß im Gesicht, zwischen Nostalgie und Technik und wenn die Landschaft mit vollem Dampf an ihnen vorbeirauscht – dann sind die Eisenbahnfreunde am glücklichsten. - an

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