Bürgermeisterkandidat Yves Nagel stellt sich vor

„Man kennt Sie zu wenig“

Nahm sich in Colnrade Zeit zum Diskutieren: Samtgemeindebürgermeisterkandidat Yves Nagel.
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Nahm sich in Colnrade Zeit zum Diskutieren: Samtgemeindebürgermeisterkandidat Yves Nagel.

Colnrade – „Man kennt Sie zu wenig“, nahm Wolfgang Brand kein Blatt vor den Mund. „Sie müssen sehr viel offensiver nach vorne marschieren und klar sagen, was Sie wollen“, riet er dem parteilosen Samtgemeindebürgermeisterkandidaten Yves Nagel aus Dünsen. Wahlplakate und Flyer seien schön und gut; worauf es aber ankomme: „Sie müssen an die Menschen ran und auch mal sachlich fundiert streiten.“

Kritisches Nachfragen störe ihn nicht, erwiderte Nagel: „An der Stelle merke ich ja schließlich, ob ich Antworten und gute Konzepte habe oder nicht.“

In den Dialog treten – genau das beabsichtigte der Dünsener, als er sich am Mittwochabend im Colnrader Dorfgemeinschaftshaus erstmals in einer öffentlichen Veranstaltung vorstellte. Die Einwohner aber schlugen die Gelegenheit, den Kandidaten mit seinen Zielen persönlich kennenzulernen, im Großen und Ganzen aus.

Gerade mal acht Zuhörer kamen zum Diskutieren, darunter Colnrades Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann, ihre Amtsvorgängerin Hiltraud Lindemann und deren früherer Stellvertreter Wolfgang Brand. Über die Gründe für die maue Resonanz lässt sich trefflich spekulieren. Die wieder ansteigenden Corona-Inzidenzen mögen auch eine Rolle gespielt haben. Farbe bekennen musste der Bürgermeisterkandidat zum Thema „Einheitsgemeinde oder Samtgemeinde?“. Diese Frage aber stellte sich dem 53-Jährigen gar nicht. Eine etwaige Entscheidung zugunsten einer Einheitsgemeinde obläge nämlich den Mitgliedskommunen. „Ich glaube, dass die das nicht wollen, zumindest größtenteils nicht. Und ich würde mich keinesfalls gegen sie stellen. Ich will ja mit ihnen zusammenarbeiten“, stellte Nagel klar.

Ich wünsche mir einen Samtgemeindebürgermeister, der für alle Mitgliedsgemeinden brennt, auch für Colnrade.“

Hanna Dauskardt

Er erwähnte seine langjährige Erfahrung in der bremischen Verwaltung und Führungsverantwortung, die er im Berufsleben übertragen bekam. Ebenso ein berufsbegleitend absolviertes Entscheidungsmanagementstudium: „Da wird versucht, den Studierenden beizubringen, gute Entscheidungen zu fällen, indem sie die Gegebenheiten auf Grundlage aller relevanten Informationen von verschiedenen Seiten beleuchten.“ Ob eine Entscheidung richtig oder falsch gewesen sei, stelle sich gleichwohl erst hinterher heraus.

Die Colnraderin Hanna Dauskardt wünschte sich einen Samtgemeindebürgermeister, der „für alle Mitgliedsgemeinden brennt, auch für Colnrade“. Einen, der für die Bewohner etwas in Bewegung bringt. Es gebe im Übrigen schon vieles, was „sehr lebendig“ sei. „Das“, so Dauskardt, „würden wir Ihnen gern mal zeigen. Ich denke, dann können wir einander verstehen.“ Hiltraud Lindemann rang Yves Nagel das Versprechen ab, sich öfter – wenngleich nun nicht jede Woche – in der Huntegemeinde blicken zu lassen, falls er im Verlauf der Bürgermeisterwahl am 12. September über Amtsinhaber Herwig Wöbse obsiegen sollte. Er sei, so verriet er, bereits im Colnrader Neubaugebiet gewesen und habe auch schon mit dem neuen Ortsbrandmeister Marvin Hartje gesprochen.

Da sind viele andere Gemeinden viel, viel besser.“

Yves Nagel zum Internetauftritt der Samtgemeinde Harpstedt

Für wichtig halte er es, sich ein großes Ziel zu setzen und beharrlich darauf hinzuarbeiten. „Wir müssen etwas tun, damit die Leute erkennen und wirklich wahrnehmen, wie schön es hier ist“, leitete Nagel zur Fremdenverkehrsförderung über, die er zu seinen Kernanliegen zählt. Tourismus sichere und schaffe Arbeitsplätze, bewirke obendrein Kaufkraftzuwachs: „Die Leute, die kommen, lassen ja Geld hier.“ Nagel will die Samtgemeinde Harpstedt als Marke mit Wiedererkennungswert entwickeln. „Im Zusammenhang mit Naherholung könnte gerade Colnrade Strahlkraft haben, wenn man sich wirklich dafür einsetzt“, warf Ole Dauskardt ein.


Sein Ziel: Weit mehr als nur „Wohn- und Schlaforte“

Um Angebote für Erholungssuchende zu koordinieren, zusammenzuführen und übersichtlich darzustellen, bedürfte es auch eines professionellen Internetauftritts, machte Nagel deutlich. „Da sind viele andere Gemeinden viel, viel besser“, konstatierte er. Die Website harpstedt.de habe „nichts Ansprechendes“ an sich.

Der parteilose Bürgermeisterkandidat hat nach eigenem Bekunden damit angefangen, die „touristisch ausgerichteten Vereine“ zu kontaktieren und zu besuchen; schade findet er es, dass einer von dem anderen oft nur sehr wenig wisse.

Die Frage, ob es eines Tourismusbeauftragten bedürfte, konnte Nagel nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten; dafür wäre schließlich eine politische Mehrheit nötig. Potenziale in Harpstedt, sich touristisch besser zu vermarkten, hatte Jan Strahlendorff, Absolvent eines Tourismusmanagement-Studiums, in seiner Bachelorarbeit aufgezeigt. Nagel hat mit ihm gesprochen. Für Anfang September könnte sich der Kandidat gut eine öffentliche Veranstaltung mit Strahlendorff vorstellen, sofern die Corona-Inzidenzen auf einem hinreichend niedrigen Niveau bleiben.

Junge Menschen an die Scholle zu binden, wird nach Nagels Überzeugung ohne zusätzliche Arbeitsplätze vor Ort – ohne Gewerbe und Infrastruktur – nicht gelingen. Der 53-Jährige stellt sich als Zukunftsziel für die Samtgemeinde weit mehr als eine bloße Ansammlung reiner „Wohn- und Schlaforte“ vor.

Seien junge Familien und junge Leute alle weg, dann „könnte man auch gleich den Schlüssel umdrehen und wegwerfen“. Yves Nagel hält es für machbar, Zukunft aktiv zu gestalten. Wenn nötig sogar mit wenig Geld.

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