Kontakt zu Nachfahrin

Jusos bedauern Stolperstein-Entscheidung

Wildeshausen hat sie, Harpstedt will sie nicht: Stolpersteine, Teil eines weltweiten Kunstprojekts, zeigen an, wo Opfer der Nationalsozialisten lebten. 
Foto: Backhaus
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Wildeshausen hat sie, Harpstedt will sie nicht: Stolpersteine, Teil eines weltweiten Kunstprojekts, zeigen an, wo Opfer der Nationalsozialisten lebten. Foto: Backhaus
  • Katia Backhaus
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Harpstedt – Der SPD-Nachwuchs bedauert die Entscheidung des Harpstedter Fleckenrats, im Ort keine Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen. Das teilen die Jusos Wildeshausen-Harpstedt-Dötlingen in einer Pressemitteilung mit. Das Gremium hatte bei seiner Sitzung am Montag vergangener Woche mit sieben zu sieben Stimmen sowie einer Enthaltung dem darauf abzielenden Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nicht zugestimmt.

Morten Wiesner, Vorsitzender der Jusos, kommentiert dies wie folgt: „Ich bin enttäuscht von diesem Ergebnis. Stolpersteine erzählen uns eine Geschichte, die unsere Generation nicht miterlebt hat. Sie erzählen die Geschichte von Mitbürgern der heutigen Samtgemeinde, die aufgrund ihrer Religion verfolgt, deportiert und schlussendlich auch ermordet wurden.“ Er habe kein Verständnis für einige Mitglieder des Fleckenrats, die diesem Antrag nicht zugestimmt hätten. Der Fleckenrat habe die Möglichkeit verpasst, ein deutliches Zeichen gegen Verfolgung, Demokratiefeindlichkeit und Faschismus zu setzen. Dieses wäre „in Zeiten eines immer größer werdenden Rechtspopulismus“, von besonderer Bedeutung gewesen, heißt es in der Mitteilung.

Zudem berichten die Jusos, sie hätten im Anschluss an die Sitzung über die sozialen Medien Kontakt zu Giovanna Maria de Vries gehabt, einer in Kolumbien lebenden Nachfahrin der Familie de Vries/Neublum, die zu NS-Zeiten in Wildeshausen und Harpstedt verfolgt, deportiert und zum Teil ermordet wurde. Ihr liege sehr am Herzen, dass die Erinnerung an diese Verbrechen aufrecht erhalten bleibe. „Es ist wichtig, dass die Häuser registriert sind, die Orte bekannt sind, damit die Geschichte Sinn macht. Die Namen der Verfolgten auf der Tafel im Rathaus des Bürgermeisters sind nur eine Liste ohne Verbindung zu den Häusern“, zitieren die Jusos aus dem schriftlichen Austausch mit ihr.

Ähnlich äußert sich auch Daniel Helms, stellvertretender Juso-Vorsitzender und Vorsitzender des Ortsvereins der SPD Harpstedt: „Stolpersteine würden das Gedenken mitten in den Flecken holen und das Ausmaß der damaligen Taten sichtbar machen. Dies schaffen Gedenktafeln am Amtshof und am Judenfriedhof nicht so gut, da die Leute diese Orte erst aufsuchen müssen und nicht beim Spaziergang darüber ,stolpern’.“

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