Jugendgruppe persifliert mit Timo Rucks in Videoclips Vorurteile über Pastoren

„Verplant“, „streng“ und „stundenlang am Labern“

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Viel Spaß bereiteten der aus Konfirmanden hervorgegangenen Jugendgruppe und Pastor Timo Rucks (nicht im Bild) die Dreharbeiten für den „Baustellen-Trailer“.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Welche Vorurteile kursieren zu einem typischen Pfarrer? Auf diese Frage bekam Pastor Timo Rucks in der aus Konfirmanden hervorgegangenen Jugendgruppe der evangelischen Christusgemeinde Harpstedt wenig schmeichelhafte Antworten. Das Spektrum reichte von „verplant“ und „tollpatschig“ über „streng“, „stundenlang am Labern“ und „nur am Beten“ bis hin zu „schwarz“, „altmodisch“ und „arbeitet nur am Sonntag“. Diese den Geistlichen nachgesagten „Macken“ will die Gruppe nun filmisch karikieren und mit englischem Humor würzen: Kurze Videoclips sollen entstehen und auf facebook sowie auf YouTube zu sehen sein; der erste könnte nach Einschätzung von Pastor Rucks vielleicht noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Für die Rolle des Hauptdarstellers in den Persiflagen ist offenbar eine Idealbesetzung geglückt: Pastor Martin Eichhorn aus Husum bei Nienburg hat eingewilligt, diesen Part zu übernehmen. Er sei einfach von Natur aus ein total ulkiger, urkomischer Typ, sagt sein Berufskollege Rucks: „Wenn er anfängt zu reden, muss man häufig zwangsläufig lachen. Er wirkt äußerlich, obgleich noch sehr jung, irgendwie altmodisch und insgesamt wie die perfekte personifizierte Parodie eines Pastors. Das weiß er auch selbst.“

Die Jugendgruppe will Eichhorn besuchen und in Husum die Clips abdrehen. Witzige Ideen gibt es bereits. Sogar mancher Harpstedter Geistliche dürfte sich in den Filmchen an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen – etwa in einer Szene zur Macke „verplant“, in der sich während einer Beerdigung das Handy des Pastors „meldet“. Mit welchem Klingelton? Diesbezüglich stehen zwei Optionen zur Auswahl – entweder das „Hallelujah“ oder aber Helene Fischers „Atemlos (durch die Nacht)“. Zu sehen sein sollen in dem Clip auch die hilflosen Versuche des Geistlichen, das Mobiltelefon zum Schweigen zu bringen. Um die angebliche Redseligkeit von Pastoren in Szene zu setzen, schwebt der Gruppe vor, dass sich ein Gotteshaus während einer Predigt zusehends leert. „Ein Kirchgänger schläft ein und wacht beim ,Amen‘ wieder auf. Die Jugendlichen würden sogar gern jemanden einbauen, der in der Kirche Shisha raucht“, erzählt Pastor Rucks. Ob auch diese Idee Eingang in den Clip finde, sei aber nicht sicher.

Der Plot zum Kapitel „arbeitet nur am Sonntag“ nimmt ebenfalls Gestalt an. Sehen sich Geistliche selbst oftmals gern als Seelsorger, die sieben Tage die Woche rund um die Uhr für ihre Gemeinde da sein müssen, so will dies der ironische Clip ins genaue Gegenteil verkehren. „Wir beginnen an einem Dienstag. Der Pastor schläft lange. Am Mittwoch trinkt er Champagner im Garten. Am Donnerstag erledigt er gemütlich Einkäufe. Am Freitag schaut er den ganzen Tag Filme. Am Sonnabend trinkt er Tee; er fängt auch an, die Bibel zu lesen und seine Predigt vorzubereiten. Tags darauf hält er den Gottesdienst. Und am Montag hat er frei. Endlich!“, schildert Rucks schmunzelnd.

Klingt, als müssten seine Berufskollegen schon Spaß verstehen, um über die satirisch überhöhten Vorurteile lachen zu können. Die Clips sollen aber ja YouTube- und facebook-tauglich sein. Und dort punktet es sich erfahrungsgemäß immer noch am besten mit viel Witz – und mit knackiger Kürze: Filme mit Längen von mehr als einer Minute gelten fast schon als „No-Go“.

Die Videos werden unter dem Dach der „Kirche im NDR“ entstehen. Timo Rucks zählt zu den redaktionellen Mitarbeitern. Beiträge von ihm, etwa „verfilmte“ Radio-Andachten, finden sich in der NDR-Mediathek wieder. Die „Pastoren-Clips“ werden es auf diese Plattform hingegen nicht schaffen. „Dafür sind sie nicht ,seriös‘ genug“, weiß Rucks.

Bei allem Spaß, den die Jugendgruppe hat, kommt die Beschäftigung mit dem Glauben und der Kirche nicht zu kurz. Pastor Rucks weiß noch, was er von den Teenagern auf seine Frage, wie ihrer Ansicht nach ein moderner Gottesdienst aussehen müsste, zur Antwort bekam: „Nicht so langweilig“, „gute Musik“, „viel Spaß beim Mithelfen“ und „Gemeinschaft ist uns wichtig“. Das fand seine inhaltliche Umsetzung in einem erstellten „Baustellen-Trailer“. Und der soll Lust auf die Baustellen-Gottesdienste machen; der nächste – zum Thema „Am Ball bleiben“ – beginnt schon morgen um 11 Uhr in der Christuskirche. Dort kümmert sich die Jugendgruppe, die sich ansonsten jeweils am zweiten Dienstag im Monat um 18.30 Uhr im „Alten Pfarrhaus“ trifft, um „Bistro“, Kinderbetreuung, Licht, Ton und Kameraführung, zumal das Geschehen wieder filmisch dokumentiert wird.

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