Jubiläum: Elektro Wulferding in Kirchseelte besteht seit 50 Jahren

An Arbeit mangelt es nicht – die Auftragsbücher sind randvoll

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Das Kapital von Elektro Wulferding sind die Mitarbeiter. Von links: Walter Wulferding, der ehemalige langjährige Inhaber, Geselle Nils Garbade, Bürokraft Britta Hüneke und ihr Mann Andreas Hüneke, der Inhaber, sowie die Gesellen Gerd Stellmann und Henning Pfennig und Lehrling Eike Schröder (auf dem Bild fehlt Meister Stefan Kastens).

Kirchseelte - Als Walter Wulferding seinen Elektrofachbetrieb am 1. April 1968 Am Holzkamp 7 in Kirchseelte gründete, gab’s hier und da noch die Lohntüte. Auch der Geselle, den er selbst am 1. Dezember desselben Jahres einstellte, bekam zunächst Bargeld. Aber nur ein Jahr lang. 1969 stieg der Chef auf Schecks um, ehe er den Lohn überwies. In den 50 Jahren des Firmenbestehens hat sich viel geändert – auch der Inhaber: Für den aus Altersgründen ausgeschiedenen Walter Wulferding rückte vor elf Jahren Andreas Hüneke nach. Dessen Partnerin (und heutige Ehefrau) Britta kümmerte sich von Anfang an um Rechnungen und Abrechnungen, Kundenkontakte und Auftragsannahmen, Terminvereinbarungen sowie alle sonstigen Büroarbeiten.

Der langjährige Voreigentümer hatte, als er so langsam daran dachte, sich in den Ruhestand zurückzuziehen, einen geeigneten Nachfolger gesucht und war sozusagen „im eigenen Stall“ fündig geworden: Bei Elektro Wulferding hatte der heute 41-jährige Andreas Hüneke bereits vom 1. August 1993 an seine Lehre durchlaufen und danach als Geselle gearbeitet. Als er dann mit dem Gedanken spielte, seinen Meister zu machen, keimte in Walter Wulferding die Hoffnung auf, die Firmenübergabe in trockene Tücher zu bekommen. Es gab Gespräche mit Hüneke, der am 31. Mai 2002 den Elektrotechniker-Meisterbrief in den Händen hielt. Man wurde sich einig. Dem „Stabwechsel“ stand nichts mehr im Wege. Am 1. Januar 2007 übernahm Hüneke den Betrieb. Nur ein Jahr später konnte er bereits das 40-jährige Bestehen von Elektro Wulferding feiern.

Nun sind schon 50 Jahre voll, und auch dieses Jubiläum will der Inhaber würdigen, allerdings nicht jetzt. Zunächst möchte er den Betrieb im Zuge einer Baumaßnahme umgestalten und auch etwas mehr Platz schaffen. Wenn dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt ist, soll nicht nur die Modernisierung gefeiert werden, sondern eben auch das Jubiläum – in einem angemessenen Rahmen.

„Kaum jemand will Handwerker werden“

Hüneke kann durchaus optimistisch in die Zukunft blicken, denn der Kirchseelter Betrieb steht auf gesunden Füßen. Ähnlich sieht es bei vielen anderen Elektrohandwerksfirmen in der näheren und weiteren Umgebung aus. Die Auftragsbücher sind derart voll, dass die Branche die Konkurrenz häufig gar nicht mehr als solche empfindet. Das Gegenteil trifft schon eher zu. Es klingt skurril, ist aber Realität: Oftmals verweisen Betriebe die Kunden mittlerweile an Wettbewerber, weil ihr eigener Arbeitsaufwand einfach kaum mehr zu schaffen ist und die Kapazitäten der Belegschaft komplett ausgereizt sind. 

Mehr Leute einstellen – das wäre eigentlich die logische unternehmerische Konsequenz aus dieser Misere. Aber was so einfach klingt, gelingt in Zeiten des Fachkräftemangels eben nicht so leicht. Dass Andreas Hüneke Mitarbeiter sucht, lässt sich schon dem Schriftzug auf seinen Firmenwagen entnehmen. Das ist immer noch der Stand der Dinge. Zwei Gesellen könnte der Unternehmer zur Verstärkung der Belegschaft gut gebrauchen. Einen zweiten Auszubildenden würde er, die nötige Eignung und ein echtes Berufsinteresse vorausgesetzt, vielleicht ebenfalls einstellen. „Das Problem ist einfach, dass heute kaum noch jemand Handwerker werden will“, bedauert Hüneke.

Wulferding machte das Hobby zum Beruf

Walter Wulferding nickt zustimmend. Er kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Ihn selbst musste in jungen Jahren allerdings niemand drängen, den Elektrikerberuf von der Pieke auf zu erlernen und später den Meister zu machen. Das war einfach seine Welt, sein Steckenpferd, seine Leidenschaft. Letztlich machte Wulferding das eigene Hobby zum Beruf. Es hat schon fast etwas von Nostalgie, wenn er erzählt, wie er noch selbst mit dem Lötkolben defekte elektronische Bauteile gegen neue auf Platinen ausgetauscht hat. 

Das Reparieren von Fernsehern habe er bereits vor rund 30 Jahren aufgegeben, erinnert er sich. Die heutigen Flachbildschirme sind gegen die einstigen Röhren- und späteren Transistorgeräte die reinste Wegwerfware. Funktionieren sie nicht mehr, kommen sie für gewöhnlich in den Elektronikschrott. Reparieren wäre in den meisten Fällen zu aufwendig und – gemessen am Kaufpreis – auch schlicht zu teuer.

Wachsende Bedeutung von „E-Checks“

Das heißt aber nicht, das Wartung und Instandsetzung heutzutage im Elektrohandwerk keine Rolle mehr spielen, ganz im Gegenteil. Ob an Weißgeräten oder Industriemaschinen – zu reparieren gibt es immer noch jede Menge. Die Aufträge, die Elektro Wulferding bekommt, sind vielfältig. Vom Austauschen von Leuchtkörpern und dem Vernetzen von EDV in Firmen über den Bau von Antennenanlagen bis hin zur Erstellung von Elektroinstallationen in Neubauten und Gewerbebetrieben reicht das Spektrum.

Etwa zehn Prozent des Auftragsvolumens, so schätzt Hüneke, entfallen heutzutage auf „E-Checks“. Unter dieses Qualitätssiegel fällt zum einen das Durchmessen von Elektroinstallationen, zum anderen das „Checken“ elektrischer Geräte auf etwaige Defekte. Für private Haushalte schreibt der Gesetzgeber das nicht vor. Für Betriebe verlangt er hingegen die Durchführung von Prüfungen gemäß DIN VDE 0702 und DIN VDE 0100. Firmen, die darauf verzichten, haben in Schadensfällen mit Konsequenzen zu rechnen – bis hin zu Problemen bei der Schadensregulierung. Der E-Check schließt neben der DIN VDE 0702 eine Beratung zu Energiesparpotenzialen als Service mit ein.

Elektrohandel hat sich deutlich gewandelt

Anderes Thema: Der Elektrohandel hat sich deutlich gewandelt. Kaum ein Kunde kaufe heute noch, in Zeiten umsatzstarker Versandhändler und Fachmärkte, einen Haartrockner in einem kleinen Elektrobetrieb, weiß Andreas Hüneke. Anders sieht es bei Weißgeräten aus. „Waschmaschinen, Wäschetrockner oder auch Geschirrspüler werden schon noch oft nachgefragt“, sagt Hüneke. Kundenwünsche nach Neugeräten erfüllt er durchweg auf Bestellung – nicht nur, aber auch wegen fehlender Lagerfläche. Was die Klientel ordert, wird schnell geliefert, oft schon binnen eines Tages.

Zur Belegschaft von Elektro Wulferding, übrigens nach wie vor Fachhandelspartner des Geräteherstellers Miele, gehören neben dem Inhaber und seiner Frau Britta, die Gesellen Nils Garbade, Gerd Stellmann und Henning Pfennig, Meister Stefan Kastens und Azubi Eike Schröder. Letzterer durchläuft im zweiten Lehrjahr die Ausbildung zum „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik“. - boh

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