Joint, Bong, Cannabis – wer kennt sich aus?

Was ist auf den beiden Bildern zu sehen? Die Neuntklässler der Oberschule Harpstedt kannten die Antworten auf Maria Rüschendorfs Frage bereits. Foto: backhaus

In der neunten Klasse wird es spannend: Die ersten Partys stehen an, die ersten Schmetterlinge im Bauch – und der erste Rausch? Manche Drogen lassen zwar ebenfalls das Herz schneller schlagen, sind aber bei Weitem nicht so harmlos wie Verliebtsein. Das zeigt die Präventionsarbeit der Oberschule.

Harpstedt – „Das Jugendschutzgesetz ist nicht dazu gemacht, euch den Spaß zu verderben“, stellt Maria Rüschendorf von der Fachstelle Sucht im Landkreis Oldenburg klar. „Es soll euch schützen.“ 24 Jugendliche, die die Klasse 9b der Oberschule Harpstedt besuchen, sitzen im Kreis und hören ihr zu. Die Diplompädagogin beherrscht das Vokabular der illegalen Drogen: Bong, Kiffen, Coffeeshop, Joint. Auch die Neuntklässler kennen sich aus. Sie sollen immer dann aufstehen, wenn sie einen Begriff kennen. Während bei CDB (Cannabidiol, ein Produkt aus der Hanfpflanze) nur ein Schüler eine Erklärung liefern kann, sitzt bei Coffeeshop niemand mehr.

Bereits zum dritten Mal hat die Oberschule einen Präventionstag organisiert, berichtet Schulsozialarbeiterin Lena Fösten-Kramer. Für den neunten Jahrgang lautet das Oberthema Drogen mit Schwerpunkt Cannabis. Die Veranstaltung zu Cybermobbing für die sechsten Klassen am Mittwoch fiel aus Krankheitsgründen aus, soll aber laut Fösten-Kramer nachgeholt werden. Die Altersstufen sind bewusst gewählt: Während auf die 14- bis 16-Jährigen die ersten Partys sowie Erfahrungen mit legalen und illegalen Drogen zukommen, sind Kinder ab elf Jahren zunehmend mit sozialen Medien konfrontiert.

In den vier Schulstunden, die die Klassen 9a und 9b mit Rüschendorf und Polizeioberkommissar Martin Klinger verbringen, kommen einige überraschende Fakten zur Sprache. „Als eure Großeltern gekifft haben, war der THC-Gehalt im Joint bei sieben Prozent. Heute sind es eher 20 Prozent“, erläutert Klinger den Jugendlichen. Sie lachen – wahrscheinlich, weil sie sich ihre Oma im Rausch vorstellen. Als der Oberkommissar jedoch Bilder von einer Frau zeigt, die seit zehn Jahren heroinsüchtig ist, verschwindet die Fröhlichkeit. „Halloween!“, entfährt es einem. Tiefe Falten, trockene Haut und ein starrer Blick lassen die auf dem Vergleichsfoto noch gesunde Frau nun deutlich älter wirken.

Von einem „Albtraum“ spricht auch Klinger, wenn er von seinen Erfahrungen mit Menschen, die Drogen konsumiert haben, berichtet. Kokain, Crack und Heroin, allesamt Produkte aus der Koka-Pflanze, machten besonders aggressiv und gewalttätig. Auch das als Partydroge bekannte Ecstasy sei problematisch: „Farben, Muster, das hat alles nichts zu sagen. Das sind Kriminelle, die panschen irgendein Zeug zusammen“, sagt er. Zudem sorgten die bunten Pillen für einen deutlichen Anstieg der Körpertemperatur und Flüssigkeitsverlust – eine potenziell tödliche Mischung. Amphe-tamine, auch unter dem Namen „Speed“ verbreitet, seien ebenfalls bei Partygängern beliebt. Sie imitierten die körpereigenen „Glücksstoffe“ Dopamin oder Adrenalin und erzeugten so eine schnelle psychische Abhängigkeit. Das Grundproblem ist, dass alle Drogen zunächst eine angenehme und positive Wirkung hätten, erklärt Klinger. „Wenn man sie aber nicht mehr nimmt oder zu viel davon nimmt, schlägt das um.“

Das haben einige der Neuntklässler offenbar bereits beobachtet. Als Rüschendorf fragt: „Kennt ihr jemanden, der deutlich zu viel kifft?“, stehen gleich mehrere auf.

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