„Jammern ist unser Geschäft“

Rampensau-Qualitäten legte das Duo „Black Patti“ im „Liberty’s“ an den Tag. Foto: Bohlken

Harpstedt – „T for Texas, T for Tennessee“ schallt es durch das „Liberty’s“ in Harpstedt. „Ein Song aus unserer Heimat“, scherzt der Münchner Peter Crow C. (Gesang, Harp, Gitarre), die ältere Hälfte des Duos „Black Patti“. Der Joke spielt auf die eingeflochtenen Jodler im Hillbilly-Style an. Die Band Lynyrd Skynyrd coverte den Uralt-Song Mitte der 1970er-Jahre als rasante Rock’n’Roll-Nummer. Auf YouTube kursiert indes ein verwaschener Schwarz-Weiß-Film von 1936: Jimmie Rodgers, der Urheber des Titels, jodelt, singt und klampft sitzend „T for Texas“, beobachtet von einem durch ein Fenster blickendes Landmädel, das den Kopf im Takt hin und her wiegt. Die Szenerie bedient das Klischee vom Hillbilly – dem Hinterwäldler.

Wie aus der Zeit gefallen mutet der „PreWar-Blues“ an, den Peter Crow C. und sein musikalischer Partner Ferdinand „Jerry Roll“ Kraemer (Mandoline, Gitarre, Gesang – Markenzeichen: Pomade im Haar) als „Black Patti“ auf Bühnen und Tonträger bringen. Dreckig, urwüchsig, teils in die Beine gehend, teils verträumt bis schmalzig – die vermeintliche „Vorkriegsmucke“, fußend auf Delta Blues, Ragtime und Spirituals, kommt frisch und authentisch rüber. Das Erstaunliche: Die meisten Tracks sind Produkte des 21. und nicht etwa des frühen 20. Jahrhunderts; größtenteils hat das Duo sie selbst kreiert oder aber auf der Grundlage vergessener „Schätze“ umgeschrieben.

Mandoline meets Mundharmonika; zu zweistimmig prächtig „korrespondierendem“ Gesang und beeindruckender Fingerpicking-Technik auf der Gitarre, oft mit Slide-Röhrchen, gesellt sich in Live-Konzerten lakonischer Humor: „Wir spielen Blues. Jammern ist unser Geschäft“, kalauert Peter Crow C. vor dem Harpstedter Publikum. An anderer Stelle bemerkt er: „Das Schöne an dieser alten Musik: Die Songs dauern maximal dreieinhalb Minuten.“ Wer sie nicht mag, könne sich damit trösten, dass „der Schmerz schnell vorübergeht“. Einer Wurzelbehandlung gleicht die „Blues Roots Music“ aber keineswegs. Im Gegenteil: Auf der Bühne bereiten die Songs in der Tradition nahezu vergessener Künstler wie Robert Johnson und Charley Patton sowie in Anlehnung an Jug-Bands, die einst aus angeblasenen Tonkrügen Sounds kreierten, pures Vergnügen. Und das sogar in „Minimalbesetzung“ – ohne Kontrabassist Ryan Donohue, der vor gut einem Jahr das erste „Black Patti“-Konzert im „Liberty’s“ zusätzlich bereichert hatte. An Songmaterial für ein neues Album mangelt es nicht. Das gleichsam wählerische und perfektionistische Duo neigt aber nicht dazu, Tonträger im Rekordtempo „rauszuhauen“. Daher lässt der dritte Longplayer nach „No milk no sugar“ (2015) und „Red Tape“ (2017) noch auf sich warten.  boh

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