Vor 54 Jahren: Bundeswehrpilot Hagen Hülfert kommt beim Zusammenstoß zweier Militärflugzeuge ums Leben

Relikte der Tragödie finden sich noch heute

+
Mit einer solchen Maschine, einer Canadair Sabre MK6, verunglückte der Bundeswehrpilot am 9. August 1961 tödlich.

Beckstedt/Hölingen - Von Christian Hannig. Wer zwischen Hölingen und Beckstedt – kurz nach dem Überqueren einer Bäke – einem Feldweg nach Westen folgt, der stößt auf ein schlichtes Holzkreuz. Hier endete auf einem Acker am kommenden Sonntag vor 54 Jahren das Leben des damals frisch verheirateten Bundeswehrpiloten Hagen Hülfert vom Richthofen-Geschwader (Jagdgeschwader 71) in Ahlhorn.

9. August 1961: Der Düsenlärm am Himmel, damals ein noch recht ungewohntes Geräusch, lässt viele Menschen suchend nach oben blicken. Wer am Nachmittag in Beckstedt und Umgebung Feldarbeit verrichtet, vernimmt aber nicht nur das Röhren von Triebwerken. Cord-Hilmer Isern aus Spradau erschrickt sich bei einem Geräusch, das einer Explosion gleicht. Es rührt her vom Zusammenstoß zweier Militärmaschinen. Einer der Jets fällt in ein Waldstück. Der Schleudersitz rettet das Leben des Piloten, der, aus dem Cockpit katapultiert, in der Nähe von Beckeln sicher mit dem Fallschirm landet. Von der Gaststätte des Ortes aus meldet er seiner Einheit, was passiert ist.

Das zweite Flugzeug, eine Canadair Sabre MK6, bei der Luftwaffe „F86“ genannt, ist noch in der Luft explodiert. Für den Piloten wird der Jet zum Todesflieger. Offensichtlich hat er es nicht mehr geschafft, die Treibladung für den Schleudersitz zu zünden. An die Bevölkerung ergeht jedenfalls die Warnung, der Katapultmechanismus befinde sich unter den Flugzeugtrümmern und sei womöglich noch „scharf“, sodass davon eine erhebliche Gefahr ausgehe. Wahrscheinlich ist der junge Oberleutnant, der den Jäger flog, aus der berstenden Maschine geschleudert worden.

Heinz Imhülse aus Beckstedt, damals Zeuge des Geschehens, haftet die Katastrophe auch 54 Jahre später noch im Gedächtnis. „Ein sonniger Augusttag“, erinnert er sich. „Die Getreidegarben wurden zu Hocken zusammengestellt. Plötzlich am Himmel ein Donnerschlag und ein Feuerball“, erzählt er. „Sekunden später schlugen überall Flugzeugtrümmer auf – und kaum zehn Meter von mir entfernt der Pilot. Der Aufprall war so stark, dass der federnde Ackerboden den Körper mehrere Meter hoch in die Luft zurückschleuderte.“ Der Fallschirm habe sich nicht mehr geöffnet, sei völlig durchlöchert gewesen. Zu jener Zeit verfügte kaum jemand über einen Telefonanschluss. Deshalb lief Imhülse zur „Öffentlichen“ in den Ort.

Auf dem Hof Winkelmann in Ostersehlt fordert der Flugzeugabsturz ein weiteres Opfer, wenn auch kein menschliches: Ein größeres brennendes Wrackteil der Maschine trifft eine Kuh auf der Weide. Einen kleinen Metallsplitter davon trägt der Landwirt seither im Portemonnaie, sozusagen als Schutz bringenden Talisman.

Die Trümmer streuen gewaltig. In mehreren Gemeinden gehen sie auf die Erde nieder. Noch heute finden sich Bruchstücke der Maschine. Sie erinnern – wie auch ein Gedenkkreuz – an das tragische Schicksal des Oberleutnants, dessen Leben im Alter von nur 24 Jahren ein jähes Ende fand. Sein Name steht wie die vieler anderer abgestürzter Piloten im „Buch des Gedenkens“, und zwar am Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin. Die Messingplakette auf besagtem Gedenkkreuz bringt die Tragödie prägnant auf den Punkt: „Oberleutnant Hagen Hülfert (...) starb hier den Fliegertod.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Meistgelesene Artikel

Landwirtschaftliche Zugmaschinen stoßen in Bühren zusammen

Landwirtschaftliche Zugmaschinen stoßen in Bühren zusammen

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Unfall bei Unwetter: Auto überschlägt sich mehrfach

Unfall bei Unwetter: Auto überschlägt sich mehrfach

„Genuss am Fluss“ steht „auf drei guten Säulen“

„Genuss am Fluss“ steht „auf drei guten Säulen“

Kommentare