25 Jahre Seniorenbeirat: Ein Störenfried auf Bestellung

„Nehmen Sie bitte den schmalen Aufsatz!“, bat Elise Plietsch (vorn r.) die Fotografen. Das Bild zeigt sie mit Käthe Horstmann, Günter Rohlfs, Gaby Otto, Erika Hormann, Heinfried Sander, Herwig Wöbse und Arnold Meyerholz (v.l.). Foto: boh

Groß Ippener/Harpstedt – Dieser Störenfried platzte auf Bestellung in die Geburtstagsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Samtgemeinde-Seniorenbeirates. Noch ehe die 62 Gäste im Hotel Wülfers in Groß Ippener den Überraschungsgast zu Gesicht bekamen, offenbarte sich dessen selbst diagnostizierte „verbale Inkontinenz“: Mit schriller Stimme stürmte Gästeführerin Dette Zingler aus Dötlingen am Freitagabend in der Rolle der Elise Plietsch den Saal, lachte sich scheckig über die freiwillig „am Katzentisch“ sitzende Presse, brachte sich mit dem Appell „Nehmen Sie bitte den schmalen Aufsatz!“ in Richtung Fotografen für ein Zeitungsbild mit dem Vorstand in Stellung und erkor sich beim Ablegen ihres „Pelzes“ Pastor Gunnar Bösemann als „Opfer“ aus: „Junger Mann, Sie können wohl mal auf den Fuchs aufpassen! Ich habe mir extra einen Herrn dafür ausgesucht, der keine ganz so hohe Gewichtsklasse hat. Sonst wird das Fell so platt.“

Die ersten Lachtränen kullerten. „Ja, Sie hatten bestimmt angenommen, Henning Scherf käme heute Abend hierher. Schöner Scheiß, näh? Was soll ich sagen? Die haben nur’n alten Kerl gegen ‘n altes Weibsbild ausgetauscht. Ansonsten läuft das“, fuhr die schrullige Elise fort. Im weiteren Verlauf holte sie zum Themen-Rundumschlag aus, zeigte Verständnis für die Bauernproteste, widmete sich Greta Thunberg und dem Klimawandel – sowie, passend zum Anlass, Fragen des Alterns.

„Minjob“ bei den Ordnungshütern

„An dieser Stelle kriege ich normalerweise Applaus“, merkte sie an, nachdem sie sich den vielen Delegierten aus Seniorenarbeit leistenden Vereinen und den weiteren Gästen vorgestellt hatte. Auf braves Klatschen erwiderte sie: „Dass man so was immer einfordern muss. Widerlich! Zum Glück bin ich nicht auf’n Mund gefallen.“ Ihre Aufgabe in ihrer Heimatgemeinde Dötlingen umriss sie so: „Unsere Polizeistation in Neerstedt ist ab Freitag, 13 Uhr, nicht mehr besetzt – bis Sonntag, 23.30 Uhr. Dann bin ich so’n bisschen die übergeordnete Instanz.“ Sie habe einen „Minijob“ bei den Ordnungshütern übernommen. „Für alles, was ich mit meiner Handtasche nicht regeln kann, kommt die Polizei mit dem Mannschaftswagen.“

Den Seniorenbeirat der Samtgemeinde Harpstedt „habe ich gegoogelt“, verriet Elise Plietsch. Seitdem bekomme sie Werbung auf ihr Handy, die mit barrierefreiem Duschen, Augen lasern und Pflegegraden zu tun habe. Das Allerschlimmste aber sei die Reklame zum „Bauchspeck im Alter“.

Im Beirat „volljährig geworden“

Im vorangegangenen offiziellen Teil begrüßte der Beiratsvorsitzende Heinfried Sander die Gäste, darunter die früheren Vorstandsmitglieder Arnold Meyerholz und Käthe Horstmann, Samtgemeinderatsmitlieder und Bürgermeister von Mitgliedsgemeinden. Aus gesundheitlichen Gründen habe die vor 25 Jahren angetretene Beiratsspitze, die damals aus Erna Meyer, Karl Landwehr und Karl-Heinz Rohde bestand, nicht kommen können.

Mit einem Blumenstrauß dankte Sander Sozialamtsleiterin Edda Masemann für die Organisation der „Geburtstagsfeier“.

Die Kosten für Getränke und Schnittchen übernahm die Samtgemeinde. Deren Bürgermeister Herwig Wöbse erwähnte Erika Hormann, die zusammen mit Günter Rohlfs dem Vorsitzenden auf dem Stellvertreter-Posten zur Seite steht; sie sei quasi im Seniorenbeirat „volljährig geworden“. Hormann engagiert sich dort seit gut 18 Jahren. Als Beisitzerin komplettiert Gaby Otto die Führungsriege. Es zeichne die Samtgemeinde aus, dass ihre Vereine eine wertvolle ehrenamtliche Arbeit leisteten, auch für die Senioren, sagte Wöbse. Daher sehe der Beirat seine Aufgabe nicht darin, mit eigenen Angeboten für ältere Mitbürger in Konkurrenz zu treten. Er erfülle eher eine „Scharnierfunktion“, greife Bedarfe aus den Vereinen auf, trage zugleich Anregungen in sie hinein und widme sich im Rahmen seiner Delegiertenversammlungen und weiterer Veranstaltungen unterschiedlichen seniorenrelevanten Themen.

Die Aufgaben seien aber nicht ausschließlich koordinierender Natur, ergänzte Jürgen Lüdtke, Vorsitzender der Seniorenvertretung im Landkreis Oldenburg, der wie Dr. Ina-Maja Lemke-Eger, Beauftragte für Fragen des Alters, zu den Teilnehmern zählte. Anders als im Märchen „Hans im Glück“ sorgten im richtigen Leben haupt- und ehrenamtlich tätige Menschen dafür, dass auch Hilfsbedürftigen „zu ein wenig Glück verholfen wird“.

Erfolgreiche Entwicklungen, so schloss Lüdtke, erforderten nicht nur Mut zur Veränderung, sondern „immer auch den eisernen Willen, diese (…) mit Stärke und Tatkraft zu leben“.  boh

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