VBN-Training: Wie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den ÖPNV nutzen können

Irgendwer hilft erfahrungsgemäß immer

Vorwärts raus aus dem Bus? Dabei kann sich der Rollator gefährlich verkanten. Foto: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Seit zehn Jahren sichert ihr der Rollator ein Stück weit Mobilitätserhalt. Wie nützlich die kleinen Trittbretter am hinteren Ende des Rahmens sein können, war Margret Bädeker aber nie so richtig bewusst. Jetzt ist sie schlauer. „Drauftreten! Dann kommt der Rollator vorn hoch, und die Schwelle am Bus-Einstieg lässt sich leicht überwinden“, erklärte Mobilitätstrainer Hartmut Köhler der 77-Jährigen am Donnerstagmorgen in Theorie und Praxis. Sobald die Gehhilfe im Bus stehe, „zunächst die Bremse anziehen“, riet er. So sei ein sicherer Einstieg ohne Wegrutschen möglich. Wer versuche, vorwärts mit Rollator aus dem Bus herauszukommen, riskiere, dass sich das Gerät gefährlich verkante. Besser gehe es rückwärts, natürlich mit der gebotenen Vorsicht und unter Beachtung des Verkehrs auf dem Fuß- und Radweg, demonstrierte der Trainer.

Köhler war mit seinem Kollegen André Gieschen zur Haltestelle Harpstedt/Markt gekommen. Für den Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) leitete er ein Mobilitätstraining. Die Zielgruppe: Menschen, die den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen, aber auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Die beiden Trainer blicken auf langjährige Erfahrung als Busfahrer zurück. „Wir haben sie uns sozusagen zusammen mit dem Fahrzeug von der AllerBus ausgeliehen“, erläuterte Veronika Schlierf vom VBN. Sie koordiniert die Mobilitätstrainingseinheiten. Die Termine sind gefragt. Aktuell bedienen Köhler und Gieschen vor allem – aber nicht nur – die Nachfrage in der Wesermarsch.

Nach Harpstedt kamen sogar zwei Damen zum „Spionieren“: Heidemarie Albers, Vorsitzende des Barnstorfer Samtgemeinde-Seniorenbeirats, zusätzlich auch Kreisvorsitzende im Kreis Diepholz, und ihre Kollegin Renate Kruse machten sich ein Bild vom Ablauf. Beide könnten sich das Training auch in ihrer Heimat gut vorstellen. Nicht minder angetan vom Nutzen der Aktion zeigten sich Heinfried Sander, Günter Rohlfs und Gaby Otto aus dem Seniorenbeirat der Samtgemeinde Harpstedt. Gern in Anspruch nahmen immerhin fünf Senioren mit Rollatoren das kostenfreie, vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) geförderte Angebot.

Das größte Problem sei die Hemmschwelle, konstatierte Köhler. Gehemmt müsse aber kein Mensch mit Mobilitätseinschränkungen sein, der im Linienbus mitfahren wolle, zumal die Betroffenen nahezu immer Hilfe von anderen Fahrgästen bekämen. Margret Bädeker bestätigte das aus eigener Erfahrung. Sie nutze gelegentlich auch den Bus, um nach Oldenburg zu kommen. Das Ein- und Aussteigen mit Rollator bereite ihr keine Probleme. Schwieriger sei es im Fahrzeug selbst. „Ich bin im Laufe meines Lebens um zwölf Zentimeter geschrumpft“, verriet die Harpstedterin. Sitzplätze seien leider oft nur über eine Stufe zu erreichen.

Ja, das sei bauartbedingt insbesondere im hinteren Fahrzeugbereich der Fall, aber es gebe für gewöhnlich gleichwohl auch genügend ebenerdige Plätze, so Köhler.

Gehbehinderten mit Rollator und Rollstuhl legte er ans Herz, nicht direkt am Haltestellenschild auf den Bus zu warten, wo der Fahrer normalerweise zum Stehen komme, sondern etwas weiter links. Wichtig sei das Einhalten eines Sicherheitsabstandes von gut einem Meter zum Fahrbahnrand. Es sei ratsam, Schwerbehinderten- und Fahrausweis beim hinteren Einstieg gut sichtbar für den Fahrer in die Höhe zu halten. Wer ein Einzelticket benötige, wende sich am besten an einen Fahrgast mit der Bitte, eins zu besorgen, und drücke ihm das Geld dafür in die Hand. Nur in den allerseltensten Fällen werde solche Hilfe nicht gewährt.

Dass ein Fahrscheinautomat hinten im Bus hilfreich wäre, stellte Köhler nicht in Abrede. Allerdings sei eine solche Investition nicht für jedes Unternehmen leistbar. „Das ist letztlich eine Kostenfrage.“ Ein persönliches Busfahrer-Anliegen gab Köhler den Senioren mit auf den Weg: Er bat sie, sich in der dunklen Jahreszeit „sichtbar zu machen“ – durch helle Kleidung und reflektierende Elemente, auch am Rollator.

Leider sei Winterbekleidung generell zumeist dunkel, bekam er zur Antwort. „Ich ziehe eine reflektierende Weste drüber. Das ist die allerbeste Lösung“, urteilte Margret Bädeker.

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