Ippener Meisterbetrieb blickt mit Sorge in Zukunft

Was, wenn das Bauen zu teuer wird?

Mit den zur Kommunalwahl antretenden Kandidaten Horst Bokelmann (links), Franz Robert Czieslik (5.v.l.), Torsten Pleus (3.v.r.) und Christoph Hartlage (rechts) besuchten der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Steffen Akkermann (2.v.r.) sowie FDP-Mitglied Uwe Decker (2.v.l.) den Handwerksbetrieb in Groß Ippener. Heiko Paul (3.v.l.) und Dirk Timmermann (4.v.l.) schilderten den Gästen auch ihre Sorgen angesichts knapper und teurer Baustoffe.
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Mit den zur Kommunalwahl antretenden Kandidaten Horst Bokelmann (links), Franz Robert Czieslik (5.v.l.), Torsten Pleus (3.v.r.) und Christoph Hartlage (rechts) besuchten der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Steffen Akkermann (2.v.r.) sowie FDP-Mitglied Uwe Decker (2.v.l.) den Handwerksbetrieb in Groß Ippener. Heiko Paul (3.v.l.) und Dirk Timmermann (4.v.l.) schilderten den Gästen auch ihre Sorgen angesichts knapper und teurer Baustoffe (Bild bitte durch Anklicken unten rechts ganz öffnen).

Groß Ippener – Bei vollen Auftragsbüchern steckt die Baubranche in einem Dilemma: Nachschub an Baustoffen kommt spärlich und spät, während die Preise ins Uferlose steigen. Davon kann auch die Paul & Timmermann GmbH an der Rudolf-Diesel-Straße 9 in Groß Ippener ein Lied singen. Der im Gewerbegebiet an der A1 ansässige Meisterbetrieb für Bedachungen und Zimmerei, der 2014 aus einer Verschmelzung zweier Firmen hervorgegangen war, hat dieser Tage Besuch von der Samtgemeinde-FDP einschließlich einiger Ratskandidaten bekommen.

Das aus Sicht der Gäste grundsolide Unternehmen ist bislang gut durch die Coronakrise gekommen und erklärt sich das selbst unter anderem auch mit weitsichtigem Wirtschaften. Die 20 Beschäftigten mussten keine Einkommenseinbußen verkraften. Von Kurzarbeit blieben sie verschont. Der erste Eindruck, den die Firma hinterlässt: Hier ist alles im grünen Bereich. „Aufträge gibt es zur Genüge, und die betriebliche Ausstattung mit Fuhrpark und Baumaschinen ist auf dem neuesten Stand“, fasst der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Steffen Akkermann zusammen.

Vor einem Jahr haben wir für einen Meter Dachlatte 70 bis 80 Cent bezahlt. Jetzt sind wir bei fast drei Euro gelandet.“

Heiko Paul

Dass die beiden Firmenleiter, Dachdeckermeister Heiko Paul und Zimmerermeister Dirk Timmermann, gleichwohl mit Sorge in die Zukunft blicken, blieb den Besuchern nicht verborgen. Holz, Dämmwolle, Aluminium und andere Baustoffe sind knappe, teure und nicht selten schwer lieferbare Güter geworden. Zahlen des Statistischen Bundesamtes geben Aufschluss über das Ausmaß des Erzeugerpreisanstiegs: Konstruktionsvollholz verteuerte sich im Mai 2021 um 83,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Monat des Vorjahres. Bei Dachlatten betrug die Steigerung 45,7 und bei Bauholz 38,4 Prozent.

Heiko Paul kann aus eigener Erfahrung sogar von noch weit extremeren Preissteigerungen berichten: „Vor einem Jahr haben wir für einen Meter Dachlatte 70 bis 80 Cent bezahlt. Jetzt sind wir bei fast drei Euro gelandet. Die Stahlpreise explodieren momentan regelrecht. Auch das trifft uns, weil wir Schrauben und Befestigungsmaterial brauchen.“

Noch seien Baustoffe zu bekommen, aber angesichts der Brände, die in Südeuropa wüten, ahnt Heiko Paul: Der Mangel könnte sich verschlimmern. Hinzu komme, dass nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz absehbar auch im Inland sehr viel Baumaterial benötigt werde, was die Verknappung zusätzlich befördern dürfte. Obendrein verkaufe die verarbeitende Industrie viel Holz ins Ausland, weil sich dort vielfach bessere Preise erzielen ließen.

 Materialkostenerhöhungen und Lieferverknappungen erschweren (...) eine verlässliche Kalkulation und eine gesicherte terminliche Abwicklung der Aufträge.“

Steffen Akkermann

Paul und Timmermann haben weitsichtig gehandelt und frühzeitig eingekauft. „In den Räumen der Firma lagern Materialien für etwa ein halbes Jahr. Aufträge können also noch erledigt werden. Materialkostenerhöhungen und Lieferverknappungen erschweren jedoch eine verlässliche Kalkulation und eine gesicherte terminliche Abwicklung der Aufträge“, resümiert Steffen Akkermann nach dem Firmenbesuch.

Die Liberalen hätten mit auf den Weg gegeben bekommen, „bei erhöhter Wertschätzung solcher erfolgreicher Firmen für den Abbau bürokratischer Hürden zu sorgen und zusätzlich erschwerende Baubestimmungen zu vermeiden“.

Umfrage offenbart Zukunftsängste

Wie groß in der Branche die Sorge um die betriebliche Zukunft ist, offenbart die jüngste Frühsommer-Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages: 62 Prozent der befragten Unternehmen im Baugewerbe bewerteten die hohen Energie- und Rohstoffpreise als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung (zum Jahresbeginn waren es noch 35 Prozent gewesen). Nur der Fachkräftemangel rangiert noch davor: Darin sahen sogar 67 Prozent der befragten Firmen ein Geschäftsrisiko.

Eine Existenzbedrohung für den Meisterbetrieb in Groß Ippener als Folge der Baustoffkrise kann Heiko Paul aktuell nicht erkennen. „Gleichwohl“, so räumt er ein, „ist die Situation schwierig für Betriebe wie uns, weil wir fürchten müssen, dass sich viele Leute das Bauen irgendwann einfach nicht mehr leisten können. Wenn das so kommen sollte, wird die Baubranche sicherlich einbrechen.“

Wohin geht die Reise bei den Preisen?

In der ersten Phase der Coronapandemie sei die Baustoffproduktion heruntergefahren worden; im Zuge des erneuten Anspringens des Konjunkturmotors habe die Nachfrage so schnell zugelegt, dass „die Produktion nicht nachkam“ – diese oft zu hörende Erklärung für die Preisentwicklung entbehrt zwar nicht einer gewissen Plausibilität, aber Heiko Paul hält gar nichts davon, „alles auf Corona zu schieben“.

Letztlich folgt die Preisentwicklung dem Gesetz des Marktes: Hohe Nachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen bewirkt bei knappem Angebot Verteuerung. Wohin die Reise geht, wissen die beiden Unternehmer aus Groß Ippener natürlich auch nicht. Darauf, dass die Baustoffpreise wieder bis auf das vor dem rasanten Anstieg gewohnte Niveau fallen, deutet aber derzeit nichts hin.

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