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Interview mit Geschäftsführer Wrede: DHE investiert in Busse, Lok und Werkstatt

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Zwei neue Linienbusse hat die DHE in Dienst gestellt. Sie fahren mit Diesel, erfüllen aber die strengste Abgasnorm, weiß Geschäftsführer Harald Wrede (Mitte). Unser Bild zeigt ihn mit den beiden Rentnern Peter Sparkuhl (links) und Karl Roreger, die auch im Ruhestand immer mal wieder als Busfahrer einspringen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Ein 15 Meter langes Fahrzeug mit 59 Sitzplätzen ersetzt seit dem 25. April den ausgemusterten Gelenkbus. Damit nicht genug: Nach der Anschaffung zweier neuer Linienbusse steht nun der Erwerb einer guten gebrauchten Diesellok für den Güterverkehr an, und die Modernisierung der unternehmenseigenen Werkstatt wirft ihre Schatten bereits voraus. Kurzum: Die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) GmbH nimmt sehr viel Geld in die Hand. Über die Investitionen hat unsere Zeitung mit Geschäftsführer Harald Wrede gesprochen.

Die beiden neuen DHE-Linienbusse fahren noch mit Dieselkraftstoff?

Ja. Sie erfüllen aber schon die strengste Abgasnorm Euro 6d-Temp.

Manche Verkehrsunternehmen sammeln bereits Erfahrungen mit der Elektromobilität. Ein Thema auch für die DHE?

Das ist für uns noch Zukunftsmusik. Zum einen sind die Busse mit E-Antrieb doppelt so teuer wie herkömmliche, weshalb sich trotz bestehender Förderprogramme bislang nur finanzkräftige Unternehmen in größeren Städten solche Fahrzeuge leisten. Zum anderen müsste die nötige Infrastruktur her – von der Anpassung der Fahrzeughalle bis hin zur Schaffung von Lademöglichkeiten. Hinzu kämen die Herausforderungen für die Werkstatt. Die dort tätigen Mitarbeiter müssten geschult werden – und anderes mehr. Es gibt aber ja bekanntlich eine Zwischentechnologie: Hybridbusse. Die werden wir sicher in den nächsten Jahren ausprobieren, wenn die Ergebnisse in diesem Bereich besser werden. Denn wir sind natürlich schon bestrebt, noch mehr für Umwelt und Klimaschutz zu tun.

Wie ist es um die Reichweite der E-Busse bestellt?

Die neueste Generation schafft ungefähr zwischen 200 und 300 Kilometern.

Auch im Winter?

Darüber streiten sich die Gelehrten noch. Sobald Klimaanlage und andere Stromverbraucher eingeschaltet sind, sinkt die Reichweite sicher merklich.

Was haben die nagelneuen DHE-Busse gekostet?

Rund 220 000 Euro ohne Mehrwertsteuer pro Fahrzeug. Die Busförderung des Landes deckt 40 Prozent des Anschaffungspreises. Auch dadurch können wir den mit dem Landkreis geschlossenen Verkehrsvertrag einhalten, der uns unter anderem vorgibt, wie alt die Fahrzeuge maximal im Durchschnitt sein dürfen. Wir fahren die Busse teilweise zwölf bis 16 Jahre. Wenn wir länger keine Ersatzbeschaffung vorgenommen haben, altert unser Fuhrpark insgesamt spürbar. Das ist aber deutlich besser geworden. Wir sind ja praktisch permanent in der Beschaffung. Aktuell haben wir neben einem Neunsitzer als Transferfahrzeug insgesamt 23 Busse, von denen wir 20 für den Linien- und drei für den Reiseverkehr nutzen.

Was geschieht mit den ausgemusterten Fahrzeugen? Können Sie die noch zu Geld machen?

Ja. Mit dem Erwerb der beiden neuen Setra-Busse hat der Händler die alten in Zahlung genommen.

Wie sieht es mit Investitionen im Bereich der Schiene aus?

Diese gebrauchte Diesel-Rangierlok der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) wird die DHE voraussichtlich kaufen. Sechs Kühlwaggons sind seit 2012 für den Margarine-Shuttleverkehr erneuert worden. Einer davon ist hier an die Lokomotive angekuppelt.

Unsere Lok Nr. 9 für den Güterverkehr ist in die Jahre gekommen. Eine Ersatzbeschaffung deutet sich an: Wir haben gerade eine generalüberholte Rangierlokomotive der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vom Typ Tm 232 zehn Tage lang unter Realbedingungen getestet. Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber wir sind nah dran, sie zu kaufen. Sie braucht noch eine Deutschland-Zulassung. Sie soll den Margarine-Shuttle-Verkehr vom Delmenhorster CSM-Werk zum Hochregallager der Spedition Dachser nach Adelheide fahren. Das ist nach wie vor der Hauptjob der DHE im Güterverkehr. Sechs Kühlwaggons für die Margarinetransporte haben wir übrigens in den vergangenen Jahren bereits ersetzt. Jeweils zwei sind 2012, 2014 und 2018 angeschafft worden.

Was kostet eine Rangierlok üblicherweise?

Eine neue Lokomotive schlägt durchaus mit 800 000 bis eine Million Euro zu Buche; eine gute gebrauchte bekommt man zumeist nicht für unter 500 000 Euro.

Die Tm 232 ist günstiger?

Ja, so ist es.

Wo bekommen Sie die Lok her? Wer vertreibt sie?

Ein Lok-Experte, der früher ein eigenes Unternehmen gehabt hat. Er arbeitet im Auftrag der SBB, sitzt aber hier in Deutschland und ist uns schon lange bekannt.

Die Modernisierung der DHE-Werkstatt steht auch auf der Agenda?

Die Planung soll 2020 zum Abschluss gebracht werden.

Läuft es auf einen Neubau hinaus?

Das vermute ich. Das ist aber noch nicht sicher. Im Moment stecken wir und ein Ingenieurbüro in der Vorplanungsphase.

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